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Bill & Melinda Gates Foundation verkauft massenweise Aktien

(Foto: Paolo Bona / Shutterstock)



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Das milliardenschwere Stiftungsdepot des Microsoft-Gründers und seiner Ex-Frau ist im ersten Quartal des Jahres deutlich leichter geworden. So wurden unter anderem alle Alphabet-Aktien verkauft. Über die Hälfte des Portfolios machen Aktien eines Unternehmens aus. 

Die Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates und dessen inzwischen Ex-Frau Melinda Gates ist eine der größten wohltätigen Stiftungen der Welt. Im Jahr 2000 gegründet hat sie bis heute rund 50 Milliarden US-Dollar an Kapital angehäuft. Und das liegt nicht einfach nur herum. Es wird angelegt, unter anderem in Aktien. Mit den Gewinnen unterstützt die Stiftung weltweit vor allem den Kampf gegen Krankheiten. Bekannt ist Gates vor allem für seinen Einsatz zur Bekämpfung von Malaria und Polio.

Über die Jahre ist die Bill & Melinda Gates Foundation so zu einem Big Player am Finanzmarkt geworden. Umso spannender ist ein Blick auf die Bewegungen in diesem Mega-Depot, besonders im aktuell schwierigen Marktumfeld. Möglich macht den das 13F-Formular der US-Börsenaufsicht SEC. Es listet vierteljährlich die Käufe und Verkäufe von institutionellen Investoren, deren Anlagevolumen bei über 100 Millionen US-Dollar liegt, auf. Dabei handelt es sich zwar stets nur um eine Momentaufnahme, dennoch können die 13F-Filings Anlegern Orientierung geben, gerade dann, wenn es an den Börsen mittelmäßig bis mies läuft.

Genau rechtzeitig: Alphabet fliegt aus dem Depot


Tatsächlich herrschte bei der Bill & Melinda Gates Foundation im ersten Quartal eine Menge Bewegung. Unter anderem verkauft die Stiftung alle ihre Aktien des Alphabet-Konzerns. Über den Grund lässt sich nur spekulieren. Wahrscheinlich aber handelt es sich schlicht um Gewinnmitnahmen. Der Aktienkurs der Google-Mutter war von März 2020 bis März 2022 um 160 Prozent, von 994 auf 2.578 US-Dollar emporgeschnellt. Mit der Zinswende der Fed, kamen Tech-Aktien zuletzt allerdings kräftig unter die Räder. Ängste vor eine Rezession oder zumindest deutlich schwächerem Wachstum führen wohl auch zu einer Neubewertung der Gewinnaussichten aus Googles so wichtigem Werbegeschäft. Wie der Ende März einsetzende Abverkauf der Aktie zeigt, hat das Stiftungs-Management offenbar zum genau richtigen Zeitpunkt verkauft.

Auch bei vielen anderen Positionen trennte sich die Stiftung von Anteilen. Zukäufe wurden hingegen nicht getätigt. Bei einer Stiftung oder einem Fonds dieser Größenordnung ist das eine Überraschung und zeigt wohl, wie pessimistisch die Vermögensverwalter auf den Gesamtmarkt blicken.

Die Top-Positionen des Trust


Trotz der Vielzahl an der Verkäufen ist der Trust aber natürlich weiter milliardenschwer investiert. Gerade so in die Top 15 der größten Positionen hat es im ersten Quartal der US-Geflügelzüchter und Verarbeiter Sanderson Farms geschafft. Die Bill & Melinda Gates Foundation hält Aktien des Unternehmens im Wert von knapp 100 Millionen US-Dollar. Das entspricht einem Depot-Anteil von 0,5 Prozent. Etwas über 100 Millionen Dollar stecken im südkoreanischen Online-Händler Coupang. Es folgen mit 123 respektive 158 Millionen Dollar die beiden Logistik-Giganten FedEx und UPS. Bei beiden Konzernen stieß der Trust erheblich Anteile ab. Bei FedEx schmiss die Stiftung 64, bei UPS 68 Prozent des Bestands raus. Gleich blieb die Menge an Aktien des Software-Spezialisten Schrödinger. Hier hält die Bill & Melinda Gates Foundation weiter Papiere im Wert von 238 Millionen Dollar. Um mehr als die Hälfte verringerte sich im ersten Quartal hingegen der Anteil am Telekommunikationsunternehmen Crown Castle. Mit einem Anteil von 1,3 Prozent am Gesamtdepotbestand (rund 262 Millionen US-Dollar) reicht das aber für den Sprung in die Top-Ten.

50 Prozent der Microsoft-Anteile verkauft

Den neuntgrößten Anteil im Portfolio hat Microsoft mit 290 Millionen US-Dollar. Allerdings – und auch das ist für den Gates-Trust erstaunlich – trennte man sich auch hier von rund 50 Prozent der Anteile.  Wenn sich ein so großer Stiftungsfonds, der noch dazu Geld des Microsoft-Gründers höchstpersönlich verwaltet, in dieser Größenordnung von Aktien des Software-Giganten trennt, zeigt das womöglich das noch bestehende Abwärtspotenzial der Technologiewerte an.

Nicht angetastet hat das Management dagegen die Beteiligung an der mexikanischen Coca Cola-Tochter FEMSA. Mit 340 Millionen US-Dollar und einem Depot-Anteil von 1,7 Prozent reicht das für Platz acht. Verkauft hat man dagegen Anteile des Landmaschinen-Herstellers Deere & Co. Dennoch hält die Stiftung noch Papiere im Wert von 373 Millionen Dollar. Mit 450 Millionen US-Dollar folgt der Einzelhändler Walmart. Die Aktien des Supermarktriesen kamen zuletzt allerdings kräftig unter die Räder. Spannend wir da sicher der Blick auf die nächsten Filings. Womöglich finden sich inzwischen schon weniger Aktien des Konzerns im Stiftungsdepot.

Die Top-5 eröffnet eine 770 Millionen Dollar schwere Beteiligung am Reinigungsmittelhersteller und Reinigungsdienstleister Ecolab. Im Vergleich zum Vorquartal gab es hier keine Veränderung. Um 24 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar verkleinerte sich dafür die Beteiligung am Baumaschinenhersteller Caterpillar. Das reicht aber immer noch mit deutlichem Abstand zur viertgrößten Position im Depot. Mit 1,75 Milliarden Dollar liegt nochmal mehr in Canadian National Railway-Aktien, deren Zahl gleich blieb. Mit deutlichem Abstand die zweitgrößte Position war in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres Waste Management. Auch diese Beteiligung im Wert von fast drei Milliarden Dollar lies der Trust unangetastet.

Berkshire Hathaway Beteiligung als Trumpf


Die nach wie vor größte und wichtigste Beteiligung ist mit einem Depot-Anteil von über 50 Prozent und einem Wert von 28,6 Milliarden Dollar die an Warren Buffets Berkshire Hathaway. Grund dafür ist, dass sich der Star-Investor 2010 neben den Gates ebenfalls entschieden hatte, einen Großteil seines Vermögens an die Stiftung zu geben. Per gemeinsamen „Giving Pledge-Brief“ verplfichteten sich die Multimilliardäre dazu. Der hohe Anteil an Berkshire Hathaway macht sich allerdings auch aus Rendite-Sicht bezahlt. Ausgehend von ihrem zwischenzeitlich Corona-Tief hat sich die Aktie der Holding in zwei Jahren verdoppelt. Besonders in der aktuellen Marktphase zeigt sich das Papier sehr robust. Kaum eine Aktie kam so unbeschadet durch die jüngsten Abverkäufe wie die von Berkshire.

25.05.2022 | 12:11

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