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Biontech vor Durchbruch bei Krebs-Impfung



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Die Biontech-Chefs Ugur Sahin und Özlem Türeci über neuartige Krebsimpfstoffe, ihre Pläne und ihr Erfolgsgeheimnis.

Von Anke Henrich

Özlem Türeci empfindet es als große Erleichterung, das man nun mit den Einnahmen aus dem Corona-Impfstoff Geld für die Krebsforschung zur Verfügung habe und „nicht immer in Finanzierungsrunden um Geld kämpfen muss“. Sie und ihr Mann Ugur Sahin haben das Biotechnologieunternehmen Biontech gegründet und maßgeblich dazu beigetragen, die Corona-Pandemie einzudämmen. Die beiden Wissenschaftler wurden auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee mit dem SignsAward-Zeichensetzerpreis des Jahres 2022 für herausragende wissenschaftliche Leistungen sowie für die maßgebliche Mitentwicklung des Corona-Impfstoffes ausgezeichnet. Sie haben der Menschheit in der Pandemie ein Stück Hoffnung geschenkt.

Laudator und Freund Jochen Maas, Geschäftsführer Forschung & Entwicklung von Sanofi-Aventis Deutschland, lobte das Paar aus ganzem Herzen und in höchsten Tönen. „Ihr habt vor der Pandemie erkannt, dass sie die Welt heimsuchen wird. Binnen zehn Monate habt ihr einen Impfstoff entwickelt. Sonst dauert das sieben und mehr Jahre.  Und ihr wusstet sofort, es braucht mehr als 25 Milliarden Dosen weltweit. Ihr seid das hohe Investitionsrisiko einer großen Produktion eingegangen und habt euer gesamtes Leadership-Team überzeugt. Genial!“

Die Gründer Biontechs stehen jetzt offenbar vor einem Durchbruch in der Krebstherapie. Sahin und Türeci erklärten im Rahmen des Ludwig-Erhard-Gipfels: „Wir haben bereits Phase-2-Studien laufen.“ Dabei werden Medikamente erstmals an einer größeren Zahl Patienten erprobt. Ziel der neuen Forschung seien neuartige Immuntherapien gegen Krebs, die möglichst ohne die schweren Nebenwirkungen wirken sollen, wie sie andere Krebsbehandlungen mit sich bringen. „Wenn wir die Zulassung erhalten, dann kann es sein, dass wir in zwei, drei, vier Jahren erste zugelassene Produkte haben.“ Die bisherigen Ergebnisse der klinischen Studien seien ermutigend.

Türeci erklärte die derzeitige Vorgehensweise so: „Wir entwickeln verschiedene Typen von Immuntherapien. Am weitesten sind wir mit Krebsimpfstoffen.“ Man teste aber unterschiedliche Verfahren auf „diversen Plattformen“ und in mehreren Studien: „Wir haben mRNA aber auch andere innovative Ansätze wie etwa die Zellimmuntherapie. Das sind sozusagen alles Rennpferde, die auf der Bahn unterwegs sind.“ Biontech testet zielgenaue Therapien gegen Hoden-, Eierstock-, Lungen- oder Magenkrebs, die bisher nur schwer behandelbar sind, aber auch individualisierte Krebsimpfstoffe auf mRNA-Basis, etwa gegen schwarzen Hautkrebs und Darmkrebs. Noch im Laufe diesen Jahres werden wichtige Ergebnisse der klinischen Erprobungen erwartet.

Die Biontech-Gründer investieren für ihre Forschungspläne bis zu einer Milliarde Euro in neue Labore, Produktionsgebäude und Büroflächen in Mainz. Großräumige Baumaßnahmen sind in vollem Gang, dort sollen alsbald 3000 bis 4000 Mitarbeiter arbeiten. Man habe „zwölf Jahre lang keinen Gewinn gemacht“, was in der Pharmaforschung normal sei. Nun könne man die Wissenschaft, die Produktion in Reinräumen und die großen internationalen klinischen Studien finanzieren.

Auf die Frage, was die beiden Forscher wirklich antreibe, sagt Sahin: „Wir wollen Menschen helfen, und wir sind verliebt ins Gelingen. Wir haben unheimlich viel Spaß bei unserer Arbeit. Wir interessieren uns für Rätsel und Wissenschaft ist häufig ein großes Rätsel-Lösen.“ Es sei bei ihrer Arbeit von Vorteil, dass sie gemeinsam als Paar forschen. „Wissenschaft und Medikamentenentwicklung ist immer ein Teamansatz. In unserem Team ist es so gut, dass wir uns fast telepathisch die Aufgabenstellung zuzurufen können.“

22.04.2022 | 13:07

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