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Bitcoin – Kurssturz als Befreiungsschlag?

Der Bitcoin in Flammen. Kommt der nächste große Crash? (Foto: Visual Generation / shutterstock


Der Bitcoin befindet sich im freien Fall. Allein in dieser Woche ist der Kurs um mehr als ein Viertel eingebrochen. Etwas über 4.000 Dollar war eine digitale Münze zwischenzeitlich nur noch wert. Während manch einer schon von Panik spricht, könnte es sich auch langsam wieder lohnen, über einen Einstieg nachzudenken.

Vor ziemlich genau einem Jahr hat er begonnen, der große Hype um das digitale Geld. Nicht nur der Bitcoin-Kurs explodierte auf zwischenzeitlich über 20.000 Dollar, auch zahlreiche weitere und weniger populäre Kryptowährungen machten ihre Anleger reich. Und so wuchsen immer mehr Firmen heran, schossen immer mehr Coins aus Computern, krochen immer mehr Anleger aus der Deckung. Bald schon warnten Experten vor einer Blase, doch zum Ende des vergangenen Jahres hin war der Hype um diese so vielversprechend-klingende, alternative Währungsform so groß, dass sich mit Warnungen kaum einer beschäftigen mochte. Auch wenn einem jeden klar gewesen sein dürfte, dass es so nicht weitergehen würde und 20.000 Dollar für eine digitale Münze, der praktisch kein Wert zu Grunde liegt, eine recht sportliche Bewertung schienen.

Und so kam es dann auch, das große Kryptobeben. Vielleicht sogar schneller, als es manch Pessimist für möglich gehalten hätte. Bereits im Januar des laufenden Jahres kam es zu ersten größeren, ja durchaus crash-artigen Kurseinbrüchen. Innerhalb weniger Tage sackte so auch der Bitcoin-Kurs auf nur noch knapp über 6.000 Dollar zusammen. Auf eine kurze Erholung folgte dann ein sich manifestierender Abwärtstrend. So präsentierte sich der Bitcoin zwar weniger volatil, doch alles in allem rutschte sein Kurs immer weiter in die negative Richtung ab.

Bitcoin-Marktkapitalisierung rutscht von 320 auf 75 Milliarden Dollar

Und nun scheint der nächste größere Crash zu folgen. Innerhalb von fünf Tagen hat der Bitcoin mehr als ein Viertel seines Wertes verloren. Zwischenzeitlich ging es auf fast 4.000 Dollar nach unten. Damit kostete eine digitale Münze so viel wie zuletzt im September 2017. Die Marktkapitalisierung des Bitcoins ist gleichzeitig auf nur noch knapp 75 Milliarden Dollar in die Tiefe gerauscht. Zu Hochzeiten des Hypes waren es einmal über 320 Milliarden Dollar gewesen. Seit Jahresbeginn steht die bekannteste Kryptowährung nun schon mit 70 Prozent im Minus. Und ist damit nicht allein. Die Konkurrenz schwächelt in ähnlich alarmierender Weise. Der „Bloomberg Galaxy Crypto Index“, der die zehn liquidesten in den USA gehandelten Digitalwährungen abbildet hat im Laufe der Woche ebenfalls rund 25 Prozent an Wert verloren, auf Jahresssicht sind es 80 Prozent.

„Am Kryptomarkt geht die Panik um“, kam es unter anderem von Emden Research-Analyst Timo Emden. Im Moment sei die Resignation hoch und das schlimmste wohl noch nicht vorbei, kommentierte Bletchley Park-Fondsmanager Lews Fellas das aktuelle Marktgeschehen gegenüber Bloomberg. Er glaube, dass der Preis zunächst weiter falle, bevor er sich zu stabilisieren beginne, so Fellas weiter.

Die Gründe für diese neuerliche Krypto-Krise sind teils hausgemacht, teils von ungünstigen externen Faktoren beeinflusst. Zum einen ist da beispielsweise die Diskussion oder besser gesagt der Kampf um den Bitcoin Cash und dessen mögliche Aufspaltung. Diese Uneinigkeit unter den Minern sorgt für viel Unsicherheit bei Investoren. Schließlich legt sie auch recht deutlich dar, wie schnell sich die Gegebenheiten auf dem noch immer hochgradig undurchsichtigen Krypto-Markt ändern können. Hinzu kommen unsichere Rechtslagen und Manipulationsvorwürfe. Erst kürzlich hat die US-Börsenaufsicht Paragon und Airfax, zwei Kryptounternehmen aufgrund unrechtmäßiger ICOs verurteilt. Die Staatsanwaltschaft und die Derivateaufsicht CFTC ermitteln derweil im Zuge des Vorwurfs von Wissenschaftlern der Uni Texas, der Bitcoin-Kurs hätte mithilfe der Digitalwährung Tether manipuliert werden können. All das stärkt nicht gerade das Vertrauen in eine Währung. Doch gerade dieses scheint unabdingbar für einen langfristigen Erfolg.

Schwächelnder Gesamtmarkt belastet, und eröffnet Chancen

Daneben sind da aber freilich auch der schwache Gesamtmarkt, die strauchelnden Börsen, die Krise der Tech-Aktien. Investoren flüchten auch dank steigender Zinsen vermehrt aus dem Risiko. Value statt Wachstum, hörte man Experten zuletzt vermehrt sagen. Und das trifft natürlich ganz besonders eine Anlage, wie den Bitcoin. Eine solche scheint schließlich nichts anderes als eine Wette auf die Zukunft. Und der Hype um genau diese Zukunft lässt derzeit ganz offenkundig nach, da wirtschaftliche wie politische Probleme der Gegenwart vermehrt zur großen Herausforderung werden.

Für all diejenigen, die nicht bereits investiert sind, könnte der erneute Absturz des Bitcoin aber durchaus Einstiegschancen eröffnen. Dass die 20.000 Dollar aus dem Dezember 2017 eine klare Übertreibung waren, dürfte inzwischen einem jeden klar sein, doch selbst die 6.000 Dollar, um die der Bitcoin-Kurs zuletzt pendelte waren nicht etwa günstig. Selbst 4.000 Dollar sind für ein digitales Gebilde, dem kein realer Wert zugrunde liegt, das immer mehr reguliert wird und bislang noch nicht wirklich Gelegenheit dazu hatte seine Tauglichkeit als alternatives Zahlungsmittel unter Beweis zu stellen, eine ganze Menge Geld.

Klar aber ist auch: Der Bitcoin beziehungsweise Digitalwährungen im Allgemeinen stellen nach wie vor für viele Menschen einen Reiz dar. In einer sich zunehmend globalisierenden und vor allem digital vernetzenden Welt könnten sie irgendwann noch die Rolle spielen, die ihre Entwickler in ihnen sehen wollen. Die einer alternativen Währung, fast ohne Grenzen. Wer darauf wetten möchte könnte womöglich bald eine günstige Gelegenheit bekommen, behalten die Experten Recht und fällt der Bitcoin-Kurs noch weiter.

23.11.2018 | 11:29

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