boerse am sonntag - headline

Chinas Automarkt blüht



Webinar
Webinar

Jobsalle Jobs

China ist schon heute der wichtigste Markt für viele Automobilhersteller. Trotz im Vergleich zu Europa völlig verschiedener Kunden gelingt es Audi, BMW und Mercedes ganz vorne mitzuspielen. Sie freuen sich über rege Nachfrage und hohe Beliebtheitswerte aus dem Reich der Mitte. Allerdings gibt es immer wieder Probleme mit der restriktiven Regierungspolitik. Dennoch ist der chinesische Markt attraktiv wie kaum ein zweiter.

Wenn in Deutschland über China berichtet wird, dann fallen meistens Begriffe wie Meinungsfreiheit, Pressefreiheit oder Demokratie. Zweifelsohne ist die kritische Auseinandersetzung mit diesen Themen wichtig. Allerdings sollte die deutsche Presselandschaft nicht den Fehler machen, das Reich der Mitte auf diese Aspekte zu reduzieren. Da China die Weltwirtschaft tagtäglich Schritt für Schritt zu seinen Gunsten verschiebt, lohnt sich insbesondere für die Wirtschaft eine genauere Betrachtung des chinesischen Marktes. Nur wer weiß, wie chinesische Kunden ticken, kann sich auf Dauer einem globalen Wettkampf unterziehen. Daher gilt es für Unternehmen aus der westlichen Welt möglichst viel über den chinesischen Lifestyle, kulturelle Hintergründe und schließlich die Bedürfnisse und Wünsche der volksrepublikanischen Bevölkerung herauszufinden. Ohne Frage stellt die Orientierung an den fernen und komplexen Handelsplatz in
Fernost eine große Herausforderung für viele Unternehmen dar.  
 
Besonders für die deutsche Automobilindustrie ist es unerlässlich, sich dieser zu stellen. China ist von herausragender Bedeutung für die Branche. Einen großen Teil der jüngsten Rekordergebnisse verdanken die deutschen Fahrzeughersteller ihren chinesischen Kunden. Schon heute ist der zukunftsträchtige chinesische Automobilmarkt der größte weltweit. Laut dem Branchenverband, CAAM, betrug das Durchschnittwachstum in den Jahren von 2005 bis 2012 22,4 Prozent. Dabei wird der Premiummarkt von drei deutschen Anbietern angeführt- Audi, BMW und Mercedes-Benz. Im ersten Halbjahr 2014 verkauften diese drei Automobilhersteller dank Zuwachsraten im zweistelligen Bereich über 630.000 Fahrzeuge. Insbesondere für Mercedes läuft das China-Geschäft inzwischen richtig rund. Die Marke mit dem weltberühmten Stern verzeichnete im ersten Halbjahr dieses Jahres ein Plus von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, 130.000 Autos fanden einen neuen Besitzer. Aber auch Audi(plus 18 Prozent), die deutsche Nummer eins in China, und BMW(plus 23 Prozent) durften sich über Verkaufsanstiege freuen. Da der chinesische Markt noch lange nicht gesättigt ist, könnte den deutschen Automobilherstellern eine ebenso rosige Zukunft blühen. Auf 1000 Einwohner kommen im Reich der Mitte aktuell nur 75 Fahrzeuge. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 542, in den USA sogar 724.
 
Trotz des erfreulichen China-Geschäfts läuft für die deutsche Automobilbranche auch in Fernost nicht alles wie geschmiert. So gibt es immer wieder Probleme mit der gefürchteten Wettbewerbsbehörde wegen ihrer restriktiven Politik. Derzeit sind die Anbieter besorgt, dass die Behörde zu hohe Fahrzeugpreise verbietet könnte. Die Schmuckindustrie wurde bereits dazu gebracht, Preise für bestimmte Produktgruppierungen zu reduzieren. Ähnliches passierte auch in der Arzneimittelbranche. Ein weiterer Bremsklotz auf dem Weg zu anhaltenden Erfolg könnte die mangelnde Straßenkapazität in vielen chinesischen Großstädten sein. Es gilt als unwahrscheinlich, dass sich die Infrastruktur in vorhersehbarer Zukunft wesentlich verbessert. Die Straßen sind schon jetzt vielerorts hoffnungslos überfüllt. In Peking und Shanghai werden Fahrzeugneuzulassungen nur noch sehr begrenzt erteilt. Die Behörden in der Hauptstadt verlosen diese inzwischen, in Shanghai werden sie versteigert.
 
Trotz unzureichender Straßeninfrastruktur steigen chinesische Konsumenten ungerne auf andere Verkehrsmittel um. Der Wunsch nach einem Auto liegt mehr denn je im Trend. Aufgrund einer wachsenden Mittelschicht gilt es daher als wahrscheinlich, dass die Premiumhersteller weiterhin in besonderem Maße von der Autobegeisterung im Reich der Mitte profitieren könnten. Der Markt für Premiumanbieter dürfte also nicht weniger hart umkämpft werden. Kein Wunder also, dass jedes Unternehmen besonders bemüht ist aktuelle Entwicklungen im chinesischen Markt zu erkennen und auf diese gegebenenfalls als erstes zu reagieren. Bereits vor 10 Jahren hat Mercedes damit angefangen, systematische Trendforschung in China zu betreiben. Heute arbeiten 260 Mitarbeiter auf diesem Gebiet.
 
Laut den neuesten Studien der Trendforscher kann der chinesische Automobilmarkt in fünf große Kundengruppen unterteil werden. Die Modebewussten probieren gerne neue Dinge aus und sind technikbegeistert. Neben Preis und Marke legen sie vor allem Wert auf Design, technische Ausstattung und Aussehen des Autos. Kraftstoffverbrauch und Fahrerlebnis ist ihnen weniger wichtig. Lebenshungrige Hedonisten sind für ihre modernen Werte bekannt und sind auf der Jagd nach Vergnügen und Glück. Bei ihrer Kaufentscheidung spielen Fahrerlebnis, innere Fahrzeugausstattung sowie Karosserie eine große Rolle. Zur Not sind sie sogar bereit ihr Fahrzeug auf Pump zu kaufen. Statusbewusste sehen ihr Auto allen voran als Symbol für ihren gesellschaftlichen Rang. Diese Gruppe liebt neue Modelle. Teure Autos von Premiumherstellern geben ihnen die Exklusivität, die sie erwarten. Image, Fertigungsverfahren und Innenausstattung spielen eine dominante Rolle bei der Fahrzeugentscheidung. Progressive Erfolgsmenschen sind davon überzeugt, dass die Arbeit der richtige Weg sei, ihre eigenen Werte zu verwirklichen. Sie blicken optimistisch in die Zukunft und sind sehr motiviert.

Außerdem versuchen sie ständig ihren sozialen Status zu verbessern. Bei der Wahl eines Fahrzeugs achten sie mehr auf Bequemlichkeit und Marke. Familienorientierte Traditionalisten achten allen voran auf die Harmonie innerhalb ihrer Familie. Daher spielen Attribute wie Sicherheit, Effizienz und Nützlichkeit eine hervorgehobene Rolle bei der Wahl eines Fahrzeugs. Um einen Wettbewerbsvorteil zu generieren sind Automobilhersteller stets bemüht ihr Angebot diesen aktuellen Erkenntnissen anzupassen. Wenn man bedenkt, dass die deutschen Anbieter die stärksten ausländischen Automobilverkäufer in China sind, so scheinen sie diese Erkenntnisse gut in ihre Produkte zu implementieren.

31.08.2014 | 08:46

Artikel teilen:

×