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DAX-Kurssturz: Leitindex fällt auf Zwei-Jahres-Tief


Der Ausverkauf geht weiter. Aus Sorge vor starken Konjunktureinbrüchen sowie politischen Unruhen haben Anleger Aktien panisch aus ihren Depots geworfen und den deutschen Leitindex damit auf eine Talfahrt geschickt, die noch längst nicht vorbei ist. 

„False breaks are followed by fast moves.“ Diese alte Trader-Regel bewahrheitet sich diese Woche einmal mehr. Nachdem der DAX am Anfang der Woche bis auf 11.678 Punkt angestiegen ist, folgte am Dienstag der erneute Kurseinbruch. Eine klassische Bullenfalle also. Grund dafür: Asien und Amerika. Die Börsen im Osten und Westen schicken den deutschen Leitindex in die Tiefe. Zeitweise gab der DAX knapp 300 Punkte nach. Damit hat er die wichtige Marke von 11.800 Punkten hinter sich gelassen und nicht einmal bei 11.500 Punkten einen Boden gebildet. Doch damit nicht genug. Analysten halten es für möglich, dass der DAX aufgrund des laufenden Ausverkaufs in Kürze die 11.000-Punkte-Marke testet.

Der Kurseinbruch kommt nicht gänzlich überraschend. So haben Experten schon seit längerer Zeit vor starken Turbulenzen an den Börsen gewarnt. Bereits Anfang Oktober hatte der DAX mit dem Rutsch unter 11.800 Punkte eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation aktiviert. Kurzum: Analysten haben eine Umkehr des vorherrschenden Trends kommen sehen.   

Diplomatie auf dem Prüfstand

Grund für die instabilen Märkte sind vor allem die zahlreichen politischen Unruhen weltweit. Im Fall des Jamal Khashoggi steht Saudi-Arabien weiter am Pranger. Die türkische Regierung geht von einem Mord aus, den ein 15-köpfiges Spezialkommando geplant haben soll. Saudi-Arabien räumt zwar den Tod Khashoggis im eigenen Konsulat ein, weist aber die Darstellung zurück. Der Journalist sei im Zuge eines aus dem Ruder gelaufenen Streits getötet worden, heißt es in der offiziellen Erklärung aus Riad.

Auch der Handelsstreit zwischen den USA und China ist weiterhin ungelöst. Und jetzt droht Trump der Volksrepublik und Russland auch noch mit einer Atomwaffenaufstockung. Dabei müssen die Börsianer nicht einmal über den Atlantik blicken, um die weitere Krisenherde zu identifizieren. Denn auch beim Brexit gibt es keine Einigung zwischen Großbritannien und der EU.

Hinzu kommt das Problem Italien. Vergangenen Dienstag hatte die EU-Kommission den Haushalt zurückgewiesen, weil Rom verpflichtet sei, die hohen Schulden abzubauen. Das im Haushaltsentwurf angestrebte Defizit von 2,4 Prozent würde deshalb nicht ausreichen. Zwar haben die Südeuropäer mit der Abstrafung aus Brüssel, in der die Kommission einen „besonders ernsten Verstoß gegen die Budgetvorschriften des Stabilitäts- und Wachstumspaktes“ moniert, gerechnet, eine Lösung gibt es trotzdem nicht. Diese muss Wirtschafts- und Finanzminister Giovanni Tria jetzt aber finden. Dafür bleiben ihm drei Wochen und drei unterschiedliche Optionen. Erstens: Rom schickt keinen neuen Entwurf nach Brüssel, was ein offizielles Defizitverfahren zur Folge hätte. Zweitens: Tria nimmt den blauen Brief von EU-Vizepräsident Pierre Moscovici ernst und bessert nach. Drittens: Italien handelt einen Kompromiss aus – die wohl wahrscheinlichste Option. Doch dabei wird die populistische Regierung mit Blick auf die Europawahl nur minimal von ihren Plänen abrücken wollen.

Bayer-Aktie bricht ein

Nachrichtlich steht diese Woche vor allem die Bayer-Aktie im Fokus. Der Grund: Im Glyphosat-Prozess gegen die Tochter Monsanto hat Richterin Suzanne Bolanos überraschend das Urteil gegen den Herbizid-Hersteller bestätigt. Dabei signalisierte sie vor kurzem noch, den Fall ganz neu aufrollen zu wollen. Zwar hat die US-Richterin die Strafsumme deutlich reduziert, nämlich 78 Millionen statt 289 Millionen Dollar. Entscheidend ist jedoch, dass das US-Gericht die Bayer-Tochter als verantwortlich für den Krebstod des Klägers ansieht. Rund 8.700 weitere Klagen könnten nun Folgen und die Anteilsscheine weiter in den Abgrund treiben. Am Dienstag brach die Aktie um 10 Prozent ein und markierte mit 79,36 Dollar ein neues 6-Jahres-Tief, während Bayer seine Unschuld beteuert, Glyphosat – eines der meist eingesetzten Unkrautvernichtungsmittel – als sicher deklariert und in Berufung geht. Fortsetzung folgt.

Gewinn der Deutschen Bank schrumpft

Die am Mittwochmorgen veröffentlichten Quartalszahlen der Deutschen Bank überraschten nicht. Bereits Ende September teilte Finanzchef Ernst von Moltke mit, dass der Gewinn des deutschen Geldhauses im Sommer deutlich eingebrochen sei, wenngleich die Zahlen des dritten Quartals nun etwas besser ausgefallen sind als von den Analysten erwartet. Diese sind von einem Nettogewinn von 174 Millionen Dollar ausgegangen, doch liegt dieser nun bei rund 240 Millionen Dollar (nach 737 Millionen Dollar im Vorjahresquartal). Obwohl der Reinerlös deutlich unter dem Vorjahresquartal liegt, sprach Bankchef Christian Sewing von einem Meilenstein. „Wir sind auf einem guten Wege, das Gesamtjahr 2018 mit einem Gewinn abzuschließen – zum ersten Mal seit 2014.“ Ob die Börsianer ähnlich euphorisch auf die Entwicklung der Deutschen Bank blicken?

Klar ist, der DAX ist deutlich unter Druck. Vieles spricht dafür, dass der deutsche Leitindex auch bei 11.000 Punkten keinen Boden bildet. Denn dieser Versuch ist bereits bei 11.500 Punkten grandios gescheitert. Die politischen Unruhen belasten die Börsen. Ob Washington, Rom oder Istanbul – niemand kann sagen, ob und wie schnell Verantwortliche Lösungen finden werden. Doch davon hängt die Gesundheit das globalen Wirtschaftssystem ab. Geht dem DAX die Luft aus? Zumindest wird sie bei sinkender Höhe – entgegen der physikalischen Gesetze – immer dünner.

Florian Spichalsky

25.10.2018 | 18:23

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