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Größter ETF der Welt sammelt 43 Milliarden Euro ein

(Bild: Shutterstock)



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Immer mehr Anlegergelder sammeln sich bei Exchange Traded Funds. Inzwischen sind es 8 Billionen Dollar. Einzelne ETFs sind größer als ganze Volkwirtschaften. Der Marktführer kommt von Black Rock

Exchange Trade Funds (ETFs) werden bei Anlegern rund um den Erdball immer beliebter. Das weltweit in ETFs verwaltete Vermögen erreicht nun erstmals die Marke von 8 Billionen Dollar. Vor zehn Jahren (2011) waren das erst 1,35 Billionen, vor drei Jahren waren 4,68 Billionen erreicht. Nun aber sind die verwalteten Gelder sprunghaft auf beinahe das Doppelte emporgeschnellt.

Inzwischen erreichten einzelne ETFs Volumina wie das Bruttoinlandsprodukt ganzer Volkswirtschaften. Der größte ETF der Welt hat etwa ein Volumen von 43 Milliarden Dollar und ist so groß wie das Bruttoinlandsprodukt von Bolivien. Damit würde der ETF 16 Plätze vor Island auf der Liste der größten Volkswirtschaften liegen und hätte ein doppelt so großes Volumen.

Der Name des Mega-ETFs lautet „iShares Core S&P 500 UCITS ETF (Acc)“. Der ETF ist ein Finanzprodukt der Tochtergesellschaft „iShares“ von Black Rock, dem größten Vermögensverwalter der Welt. Aufgelegt wurde er am 8. Mai 2010. Zwar ist der „iShares Core S&P 500 UCITS ETF (Acc)“ der größte, dennoch besitzt „iShares“ noch über 900 weitere ETFs und Publikumsfonds, von denen alleine 350 in Deutschland handelbar sind.

Der ETF bildet den Index der 500 größten Firmen der USA ab. Der Name: „iShares“ weißt auf die Firma hin, von der der ETF aufgelegt wurde. Weiter: „Core“ steht dafür, dass es sich hierbei um die Hauptserie von „iShare“ handelt. „S&P 500“ steht für den Stand & Poors-Aktienindex der 500 größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen, die in diesem Index abgebildet werden. Der letzte Teil des Namens „UCITS“ bedeutet, dass der ETF den EU-Regeln entspricht und somit in der EU gehandelt werden kann. Das Anhängsel (Acc) bezieht sich darauf, wie die Dividenden ausgezahlt werden. Bei ETFs gibt es verschiedene Möglichkeiten die Rendite auszuzahlen. In dem Fall steht (Acc) für Thesaurierend, also das der Gewinn einbehalten wird und direkt wieder in den ETF fließt.

Im ETF befinden sich aktuell 505 Positionen von denen die Branchen IT (27,52%), Gesundheitsversorgung (13,16%), Zyklische Konsumgüter (12,38%), Financials (11,43%) und Kommunikation (11,22%) die größten Kategorien im Portfolio ausmachen. Die 5 größten Aktien/Positionen im Portfolio halten dabei: Apple, Microsoft, Amazon, Facebook und Alphabet mit einem Anteil von 20 Prozent. Der Aktuelle KGV liegt bei 32,66 und der KBV bei 4,68 (Stand 30. Sep 2021). Die Standardabweichung der letzten 3 Jahre liegt bei 18,48 Prozent (Stand 31. Aug. 2021).

Seit der Auflegung des ETF im Jahr 2010 ist die Gesamtrendite um 252,11 Prozent gestiegen. Zwar wurde durch Corona der Index kurzzeitig geschwächt und damit der ETF, dennoch ist immer noch eine steigende Kursentwicklung zu beobachten. So hat der ETF im Jahr 2021 bis Oktober 20,57 Prozent zugelegt. Zusätzlich besitzt der „iShares Core S&P 500 UCITS ETF (Acc)“ ein „Morningstar Rating“ von 5 Sternen, was dem besten Rating entspricht, den ein Fond erhalten kann.

Die Vorteile für große ETFs liegen aus Sicht der Anleger darin, dass sie liquide bleiben, also jederzeit ge- und verkauft werden können. Der zweite Grund, sich für einen großen ETF zu entscheiden: Der Kostenfaktor. Denn bei einem großen ETF ist die „TER (Total Expense Ratio)“, auch Gesamtkostenquote genannt, meist geringer als bei einem ETF mit kleinem Volumen.  Das liegt vor allem daran, da zum einen ein extrem hoher Konkurrenzdruck auf dem ETF Markt herrscht und zum anderen, sich die Größe eines ETFs immer auf den TER auswirkt. Heißt: desto größer das Volumen, desto niedriger kann der TER ausfallen. Daher auch der niedrige TER, der bei 0,07 Prozent beim größten ETF der Welt liegt.

Dennoch sind alle ETFs an der Börse gehandelte Finanzprodukte. Und als solche bergen sie auch Risiken. Sollte es zu einem Rückschlag am amerikanischen Aktienmarkt kommen, bricht auch der weltgrößte ETF entsprechend ein. Gerade nach einer längeren Phase steigender Kurse steigt das Rückschlag-Risiko. Schaut man sich die Fundamentalbewertungen gerade des S&P 500 einmal genauer an, dann sieht man: die Aktien sind derzeit eher hoch bewertet. In den letzten 150 Jahren hat das Shiller-Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des S&P 500 nur ganz selten (fünfmal) die Marke von 30 überschritten und gehalten, so auch zurzeit. In den letzten vier Fällen, in denen das Shiller KGV über 30 lag, fiel der Index anschließend um mindestens 20 Prozent.

Kritiker von ETFs hinterfragen auch grundsätzliche Strukturprobleme der Anlageform. Denn passive Geldanlagen wie ETFs führen dazu, dass Kapitalmärkte anfälliger für Herdenbewegungen werden. Die meisten ETFs verhalten sich automatisch prozyklisch, weil sie Märkte nur in einem Metaprodukt abbilden. Kritiker bemängeln außerdem, dass der ETF-Markt von wenigen Anbietern dominiert wird, in deren Titeln sich immer mehr Geld ansammelt. Vier Fünftel des globalen ETF-Marktes sind momentan in der Hand von fünf großen Anbietern. Hier hat sich ein regelrechtes Oligopol gebildet. Dadurch wächst wiederum die Marktmacht der Anbieter.

Ein Sonderproblem, das der weltgrößte ETFs hat, sind die zu großen Unternehmen im Index. So besitzen im S&P 500 die 10 größten Unternehmen eine Gewichtung von fast 30 Prozent. Die restlichen 495 Unternehmen nur 70 Prozent, was zu einem Kräfte-Ungleichheit führt. Denn:  Die durch ihre starke Gewichtung haben die größten Unternehmen einen gewaltigen Einfluss auf den gesamten Index. Das ist deshalb problematisch, da schlechte Nachrichten von einzelnen Unternehmen so eine Auswirkung auf den gesamten ETF haben können. Das steht der eigentlichen Grundidee eines ETF entgegen, da ein ETF eben aufgrund seiner Diversität Schwankungen einzelner Aktien ausgleichen kann.

Auch bemerkt man bei einem Vergleich mit anderen Märkten, dass sich der S&P 500 zwar gut entwickelt hat, es aber viele Indizes gibt, die den S&P 500 übertreffen. So hat der Dow Jones Transportation von 2015 bis 2020 jedes Jahr besser abgeschnitten als der S&P 500. Auch der Nasdaq 100 schneidet seit Mitte 2014 jedes Jahr besser ab als der S&P 500. Und das nicht nur ein bisschen, sondern gleich fast ganze 5.000 Punkte. Damit liegt der Nasdaq 100 knapp unter der 10.000 Punktemarkte und der S&P 500 kurz vor der 5.000 Punktemarke. Im Endeffekt bedeutet das, hätte man sich für einen anderen ETF entscheiden, welche z.B. den Dow Jones Transportation oder den Nasdaq 100 abbildet, wäre man besser gefahren.

Konstantin von Schwerin

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12.10.2021 | 10:07

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