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Goldpreis dürfte unter Druck bleiben

Ulrich Stephan (Bild: Deutsche Bank)


Das Klima an den internationalen Kapitalmärkten ist zuletzt rauer geworden. Wer jedoch gedacht hatte, die zunehmenden Unsicherheiten würden den Goldpreis zu einem Comeback verhelfen, sah sich getäuscht. Vielmehr gab der Preis in US-Dollar gerechnet seit Jahresbeginn um rund 6,5 Prozent nach und liegt derzeit auf einem Jahrestief von rund 1.218 US-Dollar pro Feinunze. Nach Einschätzung der Deutschen Bank dürften die Notierungen unter Druck bleiben.

Von Ulrich Stephan

Ein Grund für die jüngste Preisentwicklung dürfte sein, dass Investoren zuletzt nicht auf die klassische Krisenwährung Gold setzten, sondern andere als sicher geltende Anlagen bevorzugten. Aufgrund ihrer im internationalen Vergleich hohen Verzinsung standen US-Staatsanleihen dabei im Fokus: Entsprechende Investmentprodukte (zum Beispiel Fonds) verzeichneten seit Jahresbeginn 2018 starke Kapitalzuflüsse. Dagegen entwickelte sich die globale Goldnachfrage rückläufig. Insbesondere die Verbrauchernachfrage nach Schmuck, die mit Abstand das Gros der jährlichen Gesamtnachfrage ausmacht, stagnierte.

Eine maßgebliche Rolle für die geringere Goldnachfrage dürfte die jüngste Schwäche vieler Schwellenländerwährungen im Vergleich zum US-Dollar gespielt haben. Denn während die Kapitalzuflüsse in den US-Dollar-Raum die US-Währung stützten, gerieten zahlreiche Schwellenländerwährungen im Umkehrschluss unter Druck. Darunter waren auch die Währungen Indien und Chinas – also der beiden Länder, die zusammen für rund 40 Prozent der jährlichen globalen Goldnachfrage stehen: Die indische Rupie wertete im Vergleich zum US-Dollar seit Jahresbe¬ginn rund 7 Prozent ab, während der Renminbi knapp fünf Prozent nachgab. Das führte dazu, dass sich das in US-Dollar gehandelte Gold in den jeweiligen Landeswährungen gerechnet verteuerte.

Einen Anstieg des Goldpreises hält die Deutsche Bank auf absehbare Zeit für unwahrscheinlich, vor allem, weil das Zinsniveau in den USA weiter anziehen dürfte. Ein Investment in Gold würde damit im Vergleich zu Anleihen weniger interessant werden, da Gold keine Zinsen abwirft. In den vergangenen fünf Jahren war die Korrelation zwischen der Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen und dem Goldpreis daher fast immer negativ. Das heißt: Stiegen die Zinsen, sank der Goldpreis – und umgekehrt.

Mit Blick auf die globalen geo- und wirtschaftspolitischen Unsicherheiten sind in den kommenden Monaten unterschiedliche Szenarien denkbar, von denen jedoch keines den Goldpreis nachhaltig stützen dürfte. Denn bleiben die politischen Herausforde¬rungen bestehen, dürften auch die Währungen in wichtigen Nachfrageländern unter Druck bleiben und die Nachfrage belasten. Eine politische Entspannung hingegen könnte zwar zu einer Stabilisierung der Währungen in den großen Nachfrageländern und einer Belebung der dortigen Goldnachfrage führen, allerdings auch zu weiter steigenden US-Zinsen. Darüber hinaus dürfte das Interesse an dem von vielen Marktteilnehmern als Krisenwährung betrachteten Edelmetall aufgrund des nach wie vor positiven Konjunkturumfeldes nicht maßgeblich steigen – es könnte sich zwar eine leicht nachlassende Wachstumsdynamik durchsetzen, eine baldige Rezession scheint derzeit jedoch unwahrscheinlich. Die Preisprognose der Deutschen Bank für Gold zum Jahresende 2018 liegt bei 1.210 US-Dollar. Damit würde sich der eher seitwärts gerichtete Preistrend der vergangenen fünf Jahre fortsetzen. Für entsprechend risikobereite Anleger dürfte es aktuell daher interessantere Investmentmöglichkeiten geben.

Dr. Ulrich Stephan ist Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank.

03.08.2018 | 15:11

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