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Japan: Geldschleusen noch weiter geöffnet

US-Dollar in Yen und Euro in Yen - Stand: 17.02.2012 (11.15 Uhr)

US-Dollar in Yen und Euro in Yen - Stand: 17.02.2012 (11.15 Uhr)


Die seit einiger Zeit geäußerte Forderung der Politik nach einem stärkeren Kampf der Notenbank gegen die Deflation hat offenbar gefruchtet. Nachdem am Montag die schwachen Wirtschaftsdaten veröffentlicht wurden, lockerte die Bank of Japan ihre bereits sehr expansive Geldpolitik noch weiter. Sie kündigte an, ihr Programm zum Ankauf von Wertpapieren von 55 auf 65 Bio. Yen aufstocken zu wollen, um die Finanzierung von Staat und Firmen zu erleichtern. Ob dieser Kurs fruchtet, ist fraglich, scheint die Wirkung bisher doch verpufft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im Zeitraum von Oktober bis Dezember 2011 um eine Jahresrate von real 2,3%. Zum Vorquartal lag das Minus bei 0,6%. Zur schlechten Entwicklung beigetragen hat der schwache Export, der neben der weltweit insgesamt nachlassenden konjunkturellen Dynamik von der Stärke des Yen belastet wurde.

Der jüngste Schritt der Notenbank könnte daher auch ein weiterer Versuch sein, den Aufwertungsdruck der eigenen Währung zu bremsen. Jüngst verbilligte sich der Yen denn auch. Im Chart US-Dollar in Yen wurde dabei der langfristige Abwärtstrend deutlicher überwunden. Der Euro in Yen knackte im Rahmen der seit dem Zwischentief im Januar auszumachenden Abwertungstendenz nun den mittelfristigen Abwärtstrend. In beiden Fällen sieht es somit nach kurzfristigen Kaufsignalen aus, was für eine weitere Abwertung des Yen sprechen könnte. Ob es sich um eine nachhaltige Entwicklung handelt, ist jedoch nicht sicher. Zwar hat Japan selbst Probleme (schleppende Konjunktur, marode Staatsfinanzen), was tendenziell für eine Abwertung spricht, allerdings wurde dies in den vergangenen Jahren von einem noch größeren Vertrauensverlust der Investoren in US-Dollar und Euro überkompensiert. Ob dieser Effekt nun schwindet, ist fraglich.

17.02.2012 | 00:00

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