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Lauterbach prophezeit Sommer der Befreiung

Vom strengen Dauermahner zum großen Hoffnungsmacher: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel mit Blick auf die Coronapandemie einen „sehr guten Sommer“ angekündigt. Die Inzidenz werde bald exponentiell sinken.

(Foto: WMG)

Vom strengen Dauermahner zum großen Hoffnungsmacher: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel mit Blick auf die Coronapandemie einen „sehr guten Sommer“ angekündigt. Die Inzidenz werde bald exponentiell sinken.

Schon Ende Mai oder Anfang Juni könnte die Inzidenz an vielen Stellen in Deutschland unter der Marke von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner liegen. Diese frohe Botschaft verkündete SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im Gespräch mit der Journalistin und Veranstalterin des Ludwig-Erhard Gipfels, Christiane Goetz-Weimer. „Es wird für die allermeisten ein sehr guter Sommer werden, es wird eine Befreiung“, sagte Lauterbach. Die Notbremse wirke, die Impfungen wirkten, die Infektionen würden beginnen exponentiell zu sinken.

Dennoch gelte es nicht den Tag vor dem Abend zu loben“, mahnte er, der sich in den vergangenen Monaten den Ruf als Dauermahner eingehandelt hatte, dann aber doch. Sorge bereitet Lauterbach unter anderem, dass die Zahl der Impfdrängler zunimmt. „Wofür ich kein Verständnis habe, sind die Menschen, die jetzt drängeln, weil sie Urlaub und Party machen wollen“, schimpfte der Politiker. „Wir haben noch große Teile der Bevölkerung, die nicht ausreichend mit Impfstoff versorgt sind und die im Risiko stehen.“ 30 Prozent der über 60-jährigen, so Lauterbach weiter, seien noch nicht geimpft. Darüber hinaus gebe es viele jüngere, chronisch Kranke, die noch auf die Immunisierung warten. Dass sich jetzt Menschen vorzudrängeln versuchten, sei „ein Problem und vollkommen unsolidarisch“.

Vorfreuen und gleichzeitig geduldig bleiben, lautet deshalb wohl das Credo, um nicht auf den letzten Metern das Erreichte noch zu verspielen oder unnötig schwere Krankheitsverläufe zuzulassen. Schwierig nach einer so langen Phase der Kontaktbeschränkungen und Kontaktverbote. 80 Prozent der Deutschen geben inzwischen psychische Beschwerden an.

„Die Situation von Politkern ist mit vielen Problemen der Menschen nicht vergleichbar“

Wie viele Politiker sind darunter, wollte Goetz-Weimer wissen. Lauterbach weiß sich da in einer privilegierten Lage. „Die Situation von Politkern ist mit vielen Problemen der Menschen nicht vergleichbar“, sagte er und spielte auf den nach wie vor regen Kontakt an, den er und andere Politiker beruflich bedingt nach wie vor haben. Ansonsten höre er Podcasts, lese, telefoniere mit Freunden oder mache Sport. Also das, was wohl die meisten Bürger des Landes seit Monaten tun.

Irgendwann wird das, wonach man sich in stressigen Zeiten sehnt, dann aber selbst zu einer Art Langeweile-Stress. Der Mensch wächst bekanntlich an seinen Aufgaben. Lauterbach hat neben der weiteren Pandemiebekämpfung schon die nächste große vor der Brust: Wahlkampf machen. Der hat auf SPD-Seite bislang unter Corona gelitten.

Bewältigung des Klimawandels ein Kernthema

Ein Kernthema sind für Lauterbach „die großen Gerechtigkeitslücken“ im Land. Die Ungleichheit bei den Löhnen sei offensichtlich, auch die Sicherheit der Arbeitsplätze sei nicht gleich verteilt. Viele seien in der Coronakrise gerade so über die Runden gekommen. Gleichzeitig gilt es „den Wohlstand, den wir haben, weiter auszubauen“. Deshalb gelte es die Bewältigung des Klimawandels zu einem weiteren Kernthema zu machen. „Wenn wir besonders gut darin sind den Wandel in der Industrie voranzutreiben, können wir den Wohlstand damit vielleicht sogar ausbauen“, sagte Lauterbach. Hier gelte es auch Wissenschaft und Wirtschaft besser miteinander zu vernetzen „Wir haben top Grundlagenwissenschaften, aber die Verzahnung zur Industrie und Wirtschaft haben wir in Teilen nicht so gut geschafft.“

Noch gilt Lauterbachs Hauptaugenmerk aber der Pandemiebekämpfung. In so einer Lage „darf man in der Sache kritisch sein, aber man darf keinen Wahlkampf machen“. Bald könnte, Lauterbachs eigenen Worten nach, aber ja Licht am Ende des Tunnels aufleuchten.

OG