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MDax sticht Dax fast immer aus

(Foto: Stonel / Shutterstock)



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Der kleine Bruder performt beständig besser als der große. Das hat Gründe. Doch Anleger ignorieren sie, wie Google-Daten zeigen.

Fünf mal. So oft ist es dem Dax in diesem Jahrtausend gelungen den MDax auf Zwölfmonatssicht zu schlagen. Fünf mal. Bei 22 Möglichkeiten. Das ist keine gute Quote. Der Anspruch an einen Leitindex dürfte unter Anlegern jedenfalls ein anderer sein. Es gleicht fast schon einer Schmach. Der Index der Nebenwerte, der kleine Bruder, schlägt in geradezu überdeutlicher Regelmäßigkeit seinen großen Bruder. Schnell stellt sich da die Frage nach dem eigentlichen Zugpferd – und natürlich nach der Attraktivität.

Wie kann es sein, dass die erste Liga in Deutschland ganz offenkundig schlechter performt als die zweite? Ein Zahlenvergleich dazu ist schier unglaublich: Auf Zehnjahressicht hat der MDax 294,7 Prozent an Wert zugelegt. Der Dax hingegen nur um 169,3 Prozent. Der MDax hat sich also fast vervierfacht, der Dax ist weit von einer Verdreifachung entfernt.

Ohne Frage ein Luxusproblem. Wer im vergangenen Jahrzehnt in die beiden bedeutendsten deutschen Indizes investiert war, hat erstaunliche Renditen erzielt. Dennoch: Wer auf den MDax statt auf den Dax gesetzt hat, steht noch deutlich besser da. Ging es im vergangenen Jahrzehnt wie in den Jahren 2011 und 2018 insgesamt bergab, schenkten sich die beiden Indizes so gut wie nichts. Ging es hingegen bergauf, hatte der MDax teilweise deutlich die Nase vorn. 2013 zum Beispiel kletterte der Dax um 25 Prozent, der MDax um fast vierzig Prozent. 2010 ist die Lücke ebenfalls beträchtlich. 15 Prozent beim Dax stehen 35 beim MDax gegenüber. Und auch 2020 lief es für den MDax mit einem Plus nahe zehn Prozent in etwa doppelt so gut wie beim Dax. 2021 lag hingegen der Dax vorn, allerdings nur leicht.

Für die Performance-Unterschiede gibt es eine Reihe von Gründen. Im MDax haben beispielsweise eine Reihe von kleineren aufstrebenden Tech-Unternehmen (HelloFresh und Shop Apotheke im Jahr 2020) für Kurssprünge gesorgt, während im Dax eher Value-Aktien, wie die der Versicherer oder der Autokonzerne das Sagen haben. Tech lief in den vergangenen Jahren meist besser als Value, das ist kein Geheimnis. Und natürlich hatte es auch gerade die deutsche Autobranche schwer mit dem Aufkommen neuer Konkurrenten wie Tesla und der Transformation vor dem Hintergrund des anbrechenden E-Zeitalters. In dem bis vor kurzem noch aus 30 Werten bestehenden Index hatten VW, Daimler, BMW inklusive Continental schon ein beträchtlichen Anteil an der Marktkapitalisierung. Lief es in der Branche nicht gut, lief es also auch für den Dax nicht gut. Trotz der Erweiterung auf 40 Werte besteht dieses Klumpenrisiko in Deutschlands Leitindex noch immer. Nicht nur was die Branchen anbelangt, auch einzelne Unternehmen haben den Index fest im Griff. Linde und SAP beispielsweise, auch Siemens. Die Aktien dieser Konzerne bewegen den Dax, was die Papiere von Qiagen, Zalando oder Sartorius machen, ist hingegen kaum der Rede wert.

Im MDax sind die Unterschiede nicht so groß, mit seiner Verkleinerung noch weniger. Natürlich bietet der MDax auch mehr Raum für Spekulation. Unter anderem wetten Investoren regelmäßig auf den möglichen Dax-Aufstieg und treiben damit die Kurse ausgewählter Aktien in die Höhe.

Was auf den ersten Blick verwundert, wird auf den zweiten also ein Stück weit erklärbar. Noch viel erstaunlicher ist etwas anderes: Anleger berücksichtigen die Erkenntnis nicht. Besonders Privatanleger scheuen vor Investments in MDax-Unternehmen zurück. Die Plattform Block-Builders.de hat Google-Suchmaschinendaten verglichen, die zu erkennen geben, dass das relative Suchvolumen nach dem MDax bei zwei liegt. Im Maximum der vergangenen zwölf Monate lag es bei vier. Das des Dax hingegen lag bei 68. Der Maximalwert wäre 100. „Es scheint offenkundig, dass das Gros der Anleger in die größten Unternehmen investieren möchte, anstatt von der Entwicklung der etwas kleineren Unternehmen profitieren zu wollen“, schließt BlockBuilders. Hierdurch entgingen ihnen „beträchtliche Renditen“.

Das Fazit: Ein bisschen mehr Mut und eine gewisse Horizonterweiterung würden manch Depot wohl gut tun. Kursrekorde erzielen gute Aktien und gute Unternehmen und nicht zwingend bekannte Namen.

OG

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