boerse am sonntag - headline

Russische Börsen im Winterschlaf

RTX

RTX


Nach der Veröffentlichung eines umfangreichen Hilfspaketes am Dienstag konnte sich die russische Börse am Dienstag zunächst stabilisieren. Bereits am Mittwoch kam es jedoch erneut zu starken Kursverlusten, sodass die Börse in Moskau bis Freitag geschlossen wurde. Wie Präsident Medwedew mitteilte, erhalten russische Banken insgesamt 950 Milliarden Rubel, mehr als 26 Milliarden Euro, an Staatskrediten. Das Gros wird dabei an die beiden größten Kreditinstitute des Landes, die Sberbank (500 Milliarden Rubel) und die VTB Bank (200 Milliarden Rubel) ausgereicht. Der russische Finanzminister, Alexej Kudrin, äußerte sich zu diesem Zeitpunkt noch zuversichtlich, dass die Krise – zumindest in Russland – bald beendet sein könnte: „Für alle wichtigen Marktakteure ist aber klar, dass diese Kurseinbrüche dem realen Wert der betroffenen Assets nicht entsprechen … Eher nähern wir uns dem Stand, wo alle wieder Aktien kaufen werden, indem sie davon ausgehen, dass der Markt wieder wachsen wird“, so Kudrin. Eine Einschätzung, welche die Marktteilnehmer angesichts dramatisch fallender Öl- und Rohstoffpreise im Allgemeinen offenbar nicht teilen. Bereits am Mittwoch rauschte der an der Moskauer Börse berechnete RTS-Index wieder kräftig nach unten: Innerhalb von 30 Minuten verlor das Barometer mehr als 11% – der Handel wurde für eine Stunde ausgesetzt. Angesichts dieser Größenordnungen stoppte die Moskauer Börse am Mittwoch um 9.05 Uhr MESZ den Handel bis zum Freitag, den 10. Oktober. Investoren, die darauf hofften, zumindest zum Ende der Woche noch Positionen auf- oder abbauen zu können, wurden jedoch enttäuscht: Am Freitagmorgen verkündete die zuständige Behörde, dass der Handel auch am letzten Tag der Woche nicht wieder aufgenommen wird. Die Anleger sind damit vor allem auf den RTX-Index angewiesen, der die Entwicklung der größten russischen Werte abbildet und an der Wiener Börse berechnet wird. Nach einem regelrechten Ausverkauf in den letzten Wochen und einem Durchbrechen einer weiteren Unterstützungslinie bei 1.393 Punkten geht es jedoch auch hier dramatisch abwärts. Aktuell notiert das einzig noch verfügbare Barometer bei 1.201 Punkten. Weitere Unterstützungen bieten sich bei 1.149 und 857 Punkten, die angesichts des aufgestauten Verkaufsdrucks, bei einer gleichzeitig unveränderten Entwicklung an den Leitbörsen, wohl demnächst getestet werden dürften.

 

03.12.2009 | 00:00

Artikel teilen: