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Schweizerische Nationalbank erhöht das Interventionsvolumen

(Foto: VP Bank)


Die Franken-Sichteinlagen bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sind mit knapp CHF 2.8 Mrd. so stark angestiegen wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Letztere gelten als Indikator für Devisenmarktinterventionen der eidgenössischen Währungshüter.

Ein Marktkommentar der VP Bank

Die Entwicklung über einen Zeitraum von vier Wochen zeigt, dass das Volumen sukzessive nach oben gefahren wurde. Die Schmerzgrenze der SNB ist bei den aktuellen Wechselkursnotierungen also erreicht.

Eine weitere Aufwertung des Franken scheint man nicht einfach hinnehmen zu wollen. In Anbetracht der Handelskonflikte, der immer noch ungelösten Brexit-Frage und einer Regierungskrise in Italien suchen Anleger sichere Häfen auf. Nicht zu vergessen sei auch die Ankündigung von EZB-Chef Mario Draghi im September ein grösseres geldpolitisches Massnahmenpaket lancieren zu wollen.

Mit den Devisenmarktinterventionen betreibt die SNB indirekt aber bereits wieder eine expansive Geldpolitik. Die ohnehin schon rekordhohe Bilanzsumme der eidgenössischen Notenbank wird nochmals erhöht. Wir haben bereits in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass Eingriffe am Devisenmarkt das bevorzugte Instrument der SNB sein werden. Eine Zinssenkung ist auf der Prioritätenliste nicht auf Platz eins.

Eine weitere Reduktion des Leitzinses sollte nicht ausgeschlossen werden, allerdings dürfte die SNB hierbei auch einen Blick nach Frankfurt zur EZB richten. Sollte es im Anschluss an die September-Sitzung der EZB zu einer breiten Euro-Schwäche kommen, dürfte die Nervosität bei der SNB zunehmen. In diesem Fall könnte dann eine weitere Senkung des SNB-Einlagezinses auf der Agenda stehen.

Weitere Aktionen der EZB sollten aber nicht zwingend mit einer weiteren Schwäche des Euro gleichgesetzt werden. Der breite Euro-Index dürfte bereits ein grösseres Massnahmenpaket der europäischen Währungshüter reflektieren. Die Vergangenheit lehrt, dass tiefe Notierungen des Währungspaares EUR/CHF mit einer allgemeinen Euro-Schwäche einhergehen. Bleiben breite Abwertungen des Euro aus, kann die SNB ihre in Anbetracht eines tiefnegativen Einlagesatzes begrenzte Munition möglicherweise trocken halten.

12.08.2019 | 14:45

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