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„Es wird einen spektakulären Zusammenbruch geben“

Kein Fan von Joe Bidens Konjunkturpaket: Starinvestor Jeremy Grantham. (Foto: picture alliance / dpa | Julien Warnand)



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Starinvestor Jeremy Grantham hält Joe Bidens geplantes, knapp zwei Billionen US-Dollar schweres, Konjunkturprogramm für einen Brandbeschleuniger einer ohnehin schon entfesselten Wall-Street. Es würden die letzten verzweifelten Chips ins Spiel gebracht und die Blase nur noch schlimmer.

Seit wenigen Tagen ist Joe Biden nun offiziell der 46. Präsident der Vereinigten Staaten. Da seine Partei zuvor die Senats-Stichwahlen in Georgia gewann, kann er durchregieren. Und das bedeutet zunächst einmal, dass das von ihm angekündigte Konjunkturpaket in Höhe von 1,9 Billionen US-Dollar wahrscheinlich kommen wird. Eigentlich ist das für Börsianer ein Grund zum Jubeln. Die von der Pandemie gezeichnete Wirtschaft wird gestützt, die Konsumausgaben angekurbelt, die Märkte mit billigem Geld geflutet. Gemeinsam mit fortschreitenden Impfungen gegen das Coronavirus und einer sich entspannenden Wirtschaftslage, müsste dies dem US-Markt den nächsten kräftigen Schub verleihen. Und tatsächlich war der Start ins Jahr auch ein guter für viele Aktien jenseits des Atlantiks.

Doch mit jedem weiteren Rettungspaket werden die Märkte auch abhängiger von Zentralbanken und Staat und entkoppeln sich gleichzeitig immer weiter von der Realwirtschaft. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beispielsweise, scheint für Anleger inzwischen kaum noch einen Blick wert. Angesichts der politisch gewollten Geldschwemme, sind manche Experten gar der Meinung, man müsse sich von dem Indikator lösen, da das Bewertungsniveau des gesamten Marktes damit grundsätzlich höher liege.

Viel Geld aus dem US-Konjunkturpaket könnte erneut in Aktien fließen

Star-Investor Jeremy Grantham stehen bezüglich solcher Aussagen schon länger die Haare zu Berge. Der Mitgründer des Vermögensverwalters GMO warnt seit Monaten vor einer „epischen Blase“ am US-Markt und hat mit Blick auf Bidens geplanten Billionen-Stimulus nun erneut auf die seiner Ansicht nach viele zu hohen Bewertungen hingewiesen.

In einem Interview mit dem US-Nachrichtensender Bloomberg sagte er: „Wenn dieses 1,9 Billionen-Dollar-Paket verabschiedet wird, könnte das die Blase endgültig platzen lassen.“ Er habe keine Zweifel daran, dass ein nicht unerheblicher Teil des Geldes in die Märkte investiert werde. Dies sei bereits bei dem von Donald Trump verabschiedeten Rettungspaket der Fall gewesen. Weder seien in der Folge die Konsumausgaben angestiegen, noch die reale Produktion gewachsen. Stattdessen sei das Geld in Aktien geflossen. Die Conlcusio: „Wir werden für ein paar Wochen eine Menge neues Geld zur Verfügung haben und unsere letzten, verzweifelten Chips ins Spiel werfen, und dann einen spektakulären Zusammenbruch erleben.“

Weiter sagte er gegenüber Bloomberg: „Wenn ein solches Level an Super-Enthusiasmus erreicht worden ist, wie aktuell, dann ist die Blase noch immer, ohne Ausnahme, geplatzt. Und zwar nicht in den kommenden Jahren, sondern innerhalb von Monaten.“

Inflation könnte zurückkehren

Damit einhergehend warnte er im Interview mit dem US-Sender auch vor anziehenden Inflationsraten. „Wenn man denkt, man lebt in einer Welt, in der realer Output nichts zählt und deshalb einfach nur Papier herstellt, dann wird man früher oder später das Unmögliche möglich machen, nämlich die Inflation zurückbringen.“ Zinsen seien Papier, genauso wie Kredite, erklärte Grantham weiter. Das reale Leben seien Fabriken, Arbeiter und der Output, den diese generierten, doch einen steigenden Output sehe ich nicht.“

Granthams Aussagen reihen sich in eine ganze Reihe von Interviews und Investorenbriefen ein, in denen er bereits im vergangenen Jahr regelmäßig vor Überbewertungen am US-Markt gewarnt hatte. Bislang haben Anleger die Sorgen des Börsengurus nicht geteilt. Ganz im Gegenteil, sie haben die Indizes zu neuen Höchstständen geführt.

Seinen Anlegern riet Grantham erneut zu "preisgünstigen" Titeln aus den Schwellenländern, grünen Anlagen oder langsamer wachsenden Value-Aktien.

OG

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25.01.2021 | 18:24

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