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Worauf es 2019 an den Börsen ankommt: Vier Einflussfaktoren

Wohin geht die Fahrt an den Börsen 2019? (Foto: Rasica / shutterstock.com)


Der Traum von der Jahresendrally scheint endgültig ausgeträumt. Dax und Co. leiden weiter unter politischen Turbulenzen und sich eintrübenden Konjunkturprognosen. Daran dürfte sich auch im kommenden Jahr wenig ändern. Doch wer oder was wird die Märke am meisten beeinflussen? Die Experten von Allianz Global Investors haben vier Kernthemen ausgemacht und blicken voraus.

1. Ein technologischer „Kalter Krieg“ könnte die globalen Zuliefererketten beeinträchtigen


Die Regierung von US-Präsident Trump hat China im Jahr 2018 als strategische Bedrohung auf technologischer Ebene ausgemacht. Dies hat in China Befürchtungen aufkommen lassen, dass man möglicherweise irgendwann den Zugang zu US-Technologie verliert – eine strategische Bedrohung der wirtschaftlichen Stabilität Chinas. Es ist denkbar, dass sowohl die USA als auch China eigenständige technologische Ökosysteme aufbauen. Daraus könnte ein „Kalter Krieg“ auf Technologieebene entstehen, der die Gewinnmargen drückt, Innovationen behindert und globale Zuliefererketten von Technologieunternehmen in Asien und in den USA beeinträchtigt.

Kernbotschaften für Anleger

Unter einem technologischen „Kalten Krieg“ könnten die Konsumgüterbranchen und weite Teile der Technologiebranche leiden. Die Folge wären höhere Verbraucherpreise und ein weltweit geringeres Innovationstempo, da dann weniger Entwicklungen im Bereich der Hochtechnologie miteinander geteilt würden. Allerdings könnte auch ein größerer Teil der Produktion von Hightech-Geräten in die USA zurückkehren, was einen gewissen positiven Effekt auf die Zuliefererketten in den Bereichen Zyklischer Konsum, Gesundheit und Informationstechnik hätte. Künstliche Intelligenz, Big Data und das Internet der Dinge werden im Fall eines technologischen „Kalten Kriegs“ weiterhin bedeutende Anlagethemen auf beiden Seiten sein.

2. Eine straffere Geldpolitik könnte das Wachstum bremsen und die Volatilität erhöhen

Die Notenbanken haben mittlerweile mit einer Verringerung des geldpolitischen Stimulus begonnen, mit dem sie im Anschluss an die Finanzkrise die Weltwirtschaft gestützt haben. So hebt die amerikanische Notenbank ihre Zinsen bereits an und beginnt mit der quantitativen Straffung ihrer Geldpolitik durch Senkung ihrer Anleihenbestände. Da dieser Ansatz von Notenbanken auf der ganzen Welt nachvollzogen wird, erwarten wir eine höhere Volatilität an den Finanzmärkten. Nachdem US-Präsident Donald Trump mit der Ankurbelung der bereits kräftigen US-Konjunktur erfolgreich war, erwägen weitere Regierungen eine Stimulierung ihrer Volkswirtschaften mit fiskalpolitischen Mitteln. Das könnte dazu führen, dass in Ländern, wo die Notenbanken sich bereits um Verringerung ihrer Anleihenpositionen bemühen, zusätzliche Staatsanleihen am Markt emittiert werden. Dies wird wahrscheinlich die von den Schuldnern zu zahlenden Zinsen erhöhen und sich negativ auf stärker verschuldete Bereiche der Weltwirtschaft auswirken, speziell in den Schwellenländern. Wenn es dazu kommt, ist mit einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums und zunehmenden Zahlungsausfällen zu rechnen.

Kernbotschaften für Anleger


Höhere Zinsen in den USA würden die Bedienung von auf Dollar lautenden Schulden verteuern. Die Folge könnte ein Abfluss von Kapital aus den Emerging Markets sein. Die quantitative Lockerung der Geldpolitik hat das Eingehen von Risiken begünstigt und ist dadurch vielen Anlageklassen zugutegekommen. Bei einer geldpolitischen Straffung könnte der gegenteilige Effekt eintreten: überzogene Bewertungen können zutage treten und zu stärkeren Kursschwankungen an den Märkten führen. Eine höhere Volatilität kann für Anleger, die mit dem veränderten Umfeld zurechtkommen, zusätzliche Chancen schaffen. Denn stärkere Schwankungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Anlagen über- oder unterbewertet sind. Aktive Manager können sich unter solchen Bedingungen auf Unternehmen, Sektoren und Länder mit überdurchschnittlichen Aussichten fokussieren. Bei niedriger Volatilität sind solche Chancen seltener.

3. Verantwortungsbewusstes Investieren wird zum Standard

Die Faktoren Umwelt, Soziales und Governance (ESG) sind für viele Anleger zu vorrangigen Aspekten geworden. Unternehmen, die ihr ESG-Profil mit Erfolg pflegen – und sich dabei auf Bereiche wie gute Unternehmensführung, Klimawandel und Diversität bei der Gremienzusammensetzung konzentrieren – werden ihre Marktposition in den nächsten Jahren wahrscheinlich verbessern können. Anleger können durch Analyse von ESG-Faktoren zusätzliche Erkenntnisse gewinnen und damit Chancen in einem Marktumfeld identifizieren, das zunehmend ein selektives Vorgehen verlangt. Allerdings ist das zunehmende Interesse an ESG auch mit vermehrten Kategorisierungen verbunden, die unterschiedliche Auffassungen und Anforderungen seitens der Anleger widerspiegeln. Deshalb ist es wichtig, sich über die Bedeutung der unterschiedlichen Bezeichnungen im Klaren zu sein. Die ESG-Integration – bei der die Berücksichtigung von ESG-Aspekten Bestandteil des Investmentprozesses wird – gewinnt an Bedeutung

Kernbotschaften für Anleger


Um selektiver vorgehen zu können, müssen Anleger eine größere Bandbreite von Risikofaktoren – einschließlich ESG-Aspekten – berücksichtigen. Entscheidend für den Erfolg ist ein tiefgehendes Verständnis der fundamentalen Ausgangslage eines Unternehmens. Bei Allianz Global Investors wollen wir mit unseren Kunden einen intensiveren Dialog zu ESG-Themen führen. Auch das unterscheidet aktives von passivem Investieren. Die vollständige Einbeziehung von ESG-Aspekten in die Anlageentscheidungen leistet einen Zusatznutzen, der in Indexform schwer abzubilden ist.

4. Zunehmende Ungleichheit belastet Volkswirtschaften und verändert die politische Landschaft

Die in vielen Ländern der Welt zunehmende wirtschaftliche Ungleichheit trägt erheblich zu einer globalisierungskritischen Stimmung bei. Wie es scheint, könnte sich dieser Trend noch verschärfen. Ungleichheit ist ein politisches Problem, das den Aufstieg nationalistischer und populistischer Parteien verstärkt hat. Sie kann auch das Wirtschaftswachstum dämpfen, Sozialsysteme destabilisieren und Staatshaushalte unter Druck setzen. Zunehmende Ungleichheit führt dazu, dass mehr unzufriedene Bürger an die Wahlurnen gehen. Dies könnte politische Kursänderungen zur Folge haben, die sich an den Finanzmärkten mit noch stärkeren Kursschwankungen bemerkbar machen könnten. Eine weitere einflussreiche politische Kraft könnten in den nächsten zehn Jahren auch die Millennials werden. Als Gruppe betrachtet besteht bei ihnen eine große Wahrscheinlichkeit, dass sie mehr Fairness, Transparenz und ein allgemeines Verständnis fordern, was den Beitrag der Unternehmen zum Allgemeinwohl angeht.

Kernbotschaften für Anleger

Unternehmen können wirtschaftliche Ungleichheit dadurch verringern, dass sie sich weniger auf die Gewinnmaximierung und die Beschaffung billiger Arbeitskräfte konzentrieren, sondern stärker auf angemessene Bezahlung und Mitarbeiterschulung. Aktionäre können das Management der Unternehmen dazu anregen, diesbezüglich bestehende Lücken zu schließen. Anleger können sich für die Zusammenarbeit mit Asset Managern entscheiden, die Kapital für Initiativen bereitstellen, die stärker zu einer nachhaltigeren und gerechteren Erzielung künftigen Wachstums beitragen.

Allianz Global Investors

 

 

20.12.2018 | 16:52

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