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. Sie haben in den vergangenen Monaten dazu geführt, dass Hersteller, wie Opel, VW, aber vor allem Toyota, Peugeot und Fiat, nicht unter die Räder gekommen sind. Millionen Neufahrzeuge sind nun unterwegs, die sonst niemand genommen hätte – aber wenn man für seine alte Schüssel noch 2.500 Euro bekommt, überlegt man es sich eben. Es soll Fälle gegeben haben, in denen Altautobesitzer ein Fahrzeug verschrotten ließen, das auf dem Markt durchaus seine drei- bis viertausend Euro erzielt hätte. Aber bei dem Wort „staatliche Förderung“ setzt es halt bei manchem aus. So richtig gelohnt hat sich das wirklich nur für die Eigner echter Wracks, weshalb die Bezeichnung Abwrackprämie viel logischer erscheint als der Verweis auf die Umwelt. Trotz aller Kontrollen aber sind – hoffentlich – viele der noch gut erhaltenen Wagen unterwegs nach Afrika oder in den Osten. Dann hätte zumindest noch jemand etwas davon und man müsste sich nicht so grämen, dass wertvolle Ware ohne Sinn und Verstand gepresst und geschreddert wird. Nun ist das alles keine rein deutsche Eigenschaft, zum Glück, denn auch in den USA und anderswo rannten die Kunden den Autoverkäufern die Bude ein. Die Hersteller atmeten auf. Die Händler zunächst auch, aber nun kommt das böse Erwachen. Wenn die in den letzten Tagen immer lauter ausgerufene Erholung nicht spürbar und heftig einsetzt, wird es eng bei den Autoverkäufern: Laut Ralf Landmann, Autoexperte bei Roland Berger Strategy Advisors, droht zahlreichen Handelsfirmen nun der Konkurs – wenn nun der Umsatz wegbricht. Ist nicht von der Hand zu weisen; allerdings sollte man den Händlern zutrauen, sich rechtzeitig Gedanken gemacht zu haben – schließlich war von Anfang an klar, dass die Prämienzeit zu Ende gehen wird. Ebenso schlimm wird aber die künftige Verwöhntheit des Publikums: Die zurzeit gängigen Rabatte wird der Käufer auch zukünftig einfordern und das mit Sicherheit so lange, wie ein Überangebot auf dem Markt ist. So könnte es noch länger dauern, bis die Händler nicht nur wieder verkaufen, sondern auch mit Gewinn verkaufen. Die Wirtschaftsforscher jedenfalls haben durch diese ganze Aktion ein für sie kostenloses Fallbeispiel für jede Menge Studien erhalten: Die Verzerrung von Märkten durch staatliche Eingriffe ist ein schönes Thema, ebenso die Erforschung von Fehlallokation von Steuergeldern und dergleichen mehr. Am Ende wird man vielleicht sogar herausbekommen, ob das Ganze unter dem Strich mehr gekostet hat als es Nutzen hatte, und ob es überhaupt eine gute Idee ist, den Leuten irgendetwas zu subventionieren. Diese Frage harrt schon lange einer Beantwortung, jetzt ist die Chance da. Wenn dieser wissenschaftliche Nachweis gelingt, wäre die Abwrackprämie sicher die einzige Subvention der Geschichte, die zu etwas nütze war.

29.10.2009 | 00:00

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