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Apple zeigt wie es geht



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Dazu zählen wichtige Finanzunternehmen, wie etwa American Express oder Morgan Stanley – deren Erholung ist doppelt aussagekräftig, weil schwer zu bewerkstelligen, wenn rundum Finanzkrise herrscht. Aber auch Technologiefirmen kamen recht gut aus der Deckung, Intel zum Beispiel. Die gelten als Frühindikator: Da Chips in allem sind, was der Mensch heute so braucht, deutet der Absatz an Computergrundelementen auf eine erhöhte Nachfrage nach Chipträgern wie Mobiltelefonen, Autos oder auch Waschmaschinen hin. Den Vogel aber hat Apple abgeschossen. 1,67 Milliarden Dollar in einem Quartal zu verdienen, das eher lausig aussah, weltwirtschaftlich gesehen, das hat schon was. Umsatzträger waren, und das hat die Börse besonders gefreut, sowohl die Macs als auch das iPhone (das im Übrigen dem US-Vertriebspartner AT&T die Bilanz rettete). Zeitweise hatten die Anleger befürchtet, dass Apple sich komplett zu einem Anbieter von Unterhaltungselektronik wandeln würde und der Marktanteil der Macintosh-Computer vollständig schrumpfen würde. Das scheint nicht der Fall zu sein, im Gegenteil: Viele Windows- Nutzer sind zum Apple-Betriebssystem gewechselt, weil sie über ihr iPhone, auch wenn man das natürlich mit einem Windows-PC nutzen kann, auf den Geschmack gekommen sind. Das iPhone-Betriebssystem ähnelt dem auf den Apple-Computern und erscheint manchem wohl verlockend klar und einfach. Nun dürfte die Erfolgssträhne zwar weitergehen, denn Apple hat als völlige Überraschung einen Tag nach dem Bericht über die Quartalszahlen neue Modelle einiger seiner Computer-Baureihen herausgebracht und zusätzlich eine berührungsgesteuerte Computermaus, die es so noch nicht gab. Die sorgt nun nach der Hoffnung der Anleger für ein munteres Weihnachtsgeschäft. Aber der Erfolg setzt natürlich auch die Konkurrenz aufs richtige Gleis: Zum einen eröffnet Microsoft nun nach dem Apple-Vorbild eigene Geschäfte. Nicht auf Anhieb erklärlich ist jedoch, warum der erste dieser Stores ausgerechnet in Scottsdale, Arizona eröffnet wird. Das gab schon wieder zu Spekulationen Anlass, dass Microsoft vom Erfolg nicht gänzlich überzeugt sei. Auch der Angriff des mächtigen Quasi-Monopolisten auf den Apple-iPod mit einem eigenen Musikabspielgerät namens „Zune“ war nicht gerade ein Hit. Nun kommt auch Google aus der Deckung: Dort will man künftig die Suche nach Musiktiteln mit einer Download-Möglichkeit kombinieren und damit das Geschäft mit dem Apple-Programm iTunes angreifen. Da stört die Fans aber zweierlei: Google ist zum einen nur ein weiterer unter vielen, die iTunes angreifen – es ist aber noch keinem gelungen, den Marktführer vom Thron zu stoßen. Vielleicht auch deshalb hat Google wohl vor, das Apple-Musikprogramm später einmal in seine Suche zu integrieren. Zum anderen gilt Google mit seinem Wahlspruch „Don’t be evil“ – „Sei nicht böse“ – inzwischen als Etikettenschwindler: Keiner sammelt so viele private Daten wie Google. Kenner lassen die Finger von dem Riesenkraken, der sich immer wieder unbeliebt macht. Und nicht nur bei Musikfans.

02.11.2009 | 00:00

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