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Schon wieder Verluste! Die Anleger flüchten!

Der Nimbus wankt.... (Bild: Shutterstock)


Erinnert man sich an DWS? Das war die Fondstochter der Deutschen Bank, die dann Deutsche Asset Management hieß und nun, eine große Neuerung, in DWS umbenannt wird. Und mit großen Getöse an die Börse gehen soll. Sind das die Neuerungen, mit denen das große deutsche Geldhaus in eine bessere Zukunft aufbrechen will? Reinhard Schlieker hat große Zweifel.

Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen. Ein Name wie ein Fels in der Brandung. So hieß die ehrwürdige Institution einstmals. In ihrem Namen kam zum Ausdruck, dass man die Deutschen an die Hand nehmen und in produktive Anlagen steuern wollte, was im größeren Rahmen bekanntlich bis heute nicht gelungen ist. Dennoch sind natürlich die Fonds der DWS erfolgreich, mal mehr, mal weniger, wie das so ist. Ausländer halten, wie generell im Dax-Index zum Beispiel, große Anteile: Außerhalb der deutschen Grenzen kann man besser mit Geld umgehen als hierzulande, das lässt sich kaum widerlegen.

Die Deutsche Bank wollte dieser Tage allerdings beweisen, dass sie in ihrer Heimat ebenfalls mit Geld umgehen kann. Daran waren ja in den letzten Tagen Zweifel aufgekommen, und Chef John Cryan konstatierte bei der Jahrespressekonferenz, dass sein Programm strikter Kostendisziplin bei den Führungskräften der Bank einen Kulturwandel erforderte, der ihnen nicht leichtgefallen sei. Man kann erahnen, welche ernsthaften Diskussionen da vorgekommen sein müssen. Überhaupt: Fast alles, was der Vorstandschef so sagte, drehte sich um das Drehen der Bank. Das Alte abzuschütteln, endlich aus der Grütze zu kommen (kein Zitat), das prägt den derzeitigen Auftritt des Instituts, dessen Schwächen in den letzten Jahren man ihm früher nie zugetraut hätte.

Der deutsche Fels in der internationalen Brandung war gründlich unterspült worden. Bezeichnend: Der Vorsteuergewinn 2017 war der erste seit 2014. Und das bei einer Bank! Es ist wie verhext: Die amerikanische Steuerreform verhinderte urplötzlich einen Nachsteuergewinn, weil Bewertungsanpassungen „latenter US-Steueransprüche“ zu einem Buchverlust führten. In Zukunft wird es aber besser – Donald Trump hilft auch der Deutschen Bank mit seinen niedrigeren Steuersätzen. John Cryan bestätigte nun all das, was in den Medien seit Jahren konstatiert und immer heftig zurückgewiesen worden war: Es gab Zweifel an der Kapitalausstattung, die Kontrollsysteme funktionierten nicht wie es notwendig gewesen wäre, die IT war rückständig und viel zu komplex, das Geschäft zersplittert und die Reputation am Boden.

All das zu erwähnen und gleichzeitig festzustellen, dass man noch längst nicht mit den Fortschritten zufrieden sei, dürfte auch der Jobsicherung des Chefs dienen. Denn die Diskussion um einen Führungswechsel war in letzter Zeit ja auch wieder aufgekommen – obwohl die Deutsche Bank unter den vielen Problemen, die sie hat, sicherlich nicht die zu lange Verweildauer von Vorständen einordnen müsste. Bleibt John Cryan angesichts der Fortschritte, oder geht das alles zu langsam? Bezeichnend in seinen Äußerungen: Man habe die Zahl der im Konzern verwendeten IT-Betriebssysteme von 45 – eine unglaubliche Zahl – entscheidend verringert, und zwar auf – 32! Das erscheint immer noch vielleicht ein ganz klein wenig zu viel. Aber man kann ungefähr ermessen, was eine Umstellung der IT-Systeme in einem Bankkonzern bedeutet.

Die bekannten Erfahrungen bei der Commerzbank nach der Übernahme der Dresdner sind ja deutliches Beispiel: Es dauerte Jahre, und es knirschte. Und das ist kein Randgebiet. An der IT und den Netzaktivitäten, Technologieentwicklung und dergleichen hängt die Zukunft einer Bank im Zeitalter von Fintechs und Jungen Wilden auch im Kreditwesen. Der große Tanker Deutsche Bank muss da steuern wie ein Speedboat, und das wird nicht einfach. Jedenfalls peilt man 2018 einen Gewinn an. Nur zur Verdeutlichung führte Cryan an, dass eine auch nur einprozentige Zinsanhebung der EZB zu Erträgen von 1,4 Milliarden Euro führen würde. Das war nicht nur eine Feststellung, da schwang auch heimliche Hoffnung mit: Hilfe von oben wäre jedenfalls willkommen.

Derart bescheidene Zielsetzungen hätten zu Zeiten eines Hermann Josef Abs, eines Alfred Herrhausen und Nachfolgern zu einem Aufruhr geführt. Heute ist man fast geneigt, aus purem Mitgefühl die Daumen zu drücken. Und das ist auch nötig. Denn zum Wochenschluss ist der Kurs der einstigen deutschen Vorzeigebank um mehr als sechs Prozent in den Keller gerauscht. Das war ein mehr als deutlicher Fingerzeig der Anleger und Inverstoren!

03.02.2018 | 23:36

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