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Streit um des Streits willen?

Der Handelskonflikt spitzt sich - mal wieder - zu. (Foto: Lightspring / shutterstock.com)


Der Plan könnte so aussehen: US-Präsident Donald Trump verschärft weiter die Einfuhrzölle, um weniger ausländische Produkte im amerikanischen Alltag zu sehen: Deutsche Autos, chinesische Telefone. Einer Rezession würde Amerika gleichwohl entkommen, denn das soll die Notenbank verhindern.

Von Reinhard Schlieker

Sie hätte den Spielraum dafür, nutzt ihn aber, wie in der abgelaufenen Woche gesehen, nur zögerlich. Die Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte ließ den Präsidenten ausfallend werden: Er braucht stärkere Zinssenkungen, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Der jetzige Satz von zwischen zwei und 2,25 Prozent erscheint ihm zu hoch. Dabei verwies die Fed in ihrer Begründung auf die Risiken durch die neuen Handelskonflikte, die der Präsident immerhin angefacht hat. Ab 1. September etwa werden
sämtliche Importe aus China mit Zöllen belegt, und Europa wird auch nicht geschont werden.

Jedenfalls wäre aus dem Ist-Zustand der amerikanischen Wirtschaft eine Zinssenkung nicht zwingend angeraten; die Gründe finden sich also ausschließlich in den Risiken durch den Handelskrieg mit China: Die Chinesen haben bereits angekündigt, ihrerseits über Gegenmaßnahmen nachzudenken. Gut möglich, dass sich Fed-Chef Jerome Powell einiges in der Hinterhand behalten will, sollten die Streitigkeiten echten Schaden in der US-Ökonomie verursachen. Mit unklaren Äußerungen allerdings über den künftigen Kurs der Notenbank verwirrte Powell die Kapitalanleger eher, als dass er beruhigte. Aus purer Ratlosigkeit fielen die Aktienkurse, und nach der Ankündigung neuer Zölle ging es richtig bergab.

Für die deutsche Industrie ist jeder Handelskrieg eine Katastrophe, selbst wenn Europa vorerst verschont bliebe: In chinesischen Produkten und vor im Maschinenbau steckt sehr viel deutsche Technologie – deutschen Industrieverbände warnten nun also erneut vor globalen Handelshemmnissen, die am Ende keine Gewinner zulassen, nicht einmal, wenn Stützung von der Notenbank kommt. Mit der Fed hat Präsident Trump noch ganz besonderen Ärger. Er beschimpft die Notenbanker als „ahnungslos“, woraufhin die aber ganz cool bleiben und politische Einmischung höflich zurückweisen. Es verdichten sich aber die Anzeichen, dass Trumps Wirtschaftspolitik böse ausgehen könnte. Schuldige wird er dann schon zu finden wissen.

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02.08.2019 | 15:00

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