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Hybris, Ruin, Entsetzen



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Es gab ja übrigens schon mal eine “DeutschePfandbriefanstalt“, super-seriös, mit Sitz in Wiesbaden. Die half den staatlichen Institutionen bei der Akquisition von sicherheitsbedachten Anlegern, die dann über solche Dinge wie Kommunalobligationen und Pfandbriefe das Vermögen für die Enkel sicherten und ein wenig vermehrten.

Die Zeiten sind vorbei, die Pfandbriefanstalt hieß bald Depfa und machte sich auf ins Steuerparadies Irland, von wo sie in die Hände der Münchener Hypo Real Estate geriet und Vehikelwurde zur Erzeugung traumhafter Renditen. Wie heißt der Spruch? Wenn etwas zu gut ist, um wahr zu sein, dann ist es auch nicht wahr. Leider, und den Teil der Geschichte kennt man, wurde die Wahrheit nicht so genau geprüft und so kann sich die HRE heute rühmen, die teuerste Bank der Geschichte zu sein – zumindest wohl für den deutschen Steuerzahler, der sich doch so gar nicht als Risikokapitalist fühlt. Nun ist er einer. Denn das Institut macht weiter Milliardenverluste, gehört zu 90 Prozent – und bald wohl zu 100 – dem deutschen Staat und hat von dem schon 102 Milliarden an Stütze bekommen. Teils als Garantien und Bürgschaften, teils aber auch in bar. Wie lange der neue Eigentümer diesem Verlustbringer noch zusehen wird beim Verlust bringen, ist eine reine Frage der Nerven. Im Herbst wird eine neue Bundesregierung Kassensturz machen dürfen und feststellen, was Sache ist. Dann werden sich die Fragen stellen, die man im Wahlkampf höflicherweise nicht zu stellen hat: Gibt es Steuererhöhungen? Werden die Sozialbeiträge steigen oder die Leistungen zusammengestrichen? Sie haben die Wahl.

Was unsere Hypo Real Estate betrifft, so wird sie im Laufe der Zeit mit Sicherheit immer teurer. Zum Beispiel auch wegen der Prozesse, die Anleger gegen die Bank führen. Diese hat sich zwar schon an ihre ehemaligen Manager gewandt mit der unverhohlen deutlichen Ankündigung, dass man sich auch bei ihnen schadlos halten werde, sollte es Urteile wegen zu spät veröffentlichter Insiderkenntnisse geben. Doch ändert auch der Rückschlag vor dem MünchenerLandgericht vom vergangenen Donnerstag nichts daran, dass die Privatanleger und Fonds weiter ihre Ziele verfolgen werden. Die Richter hatten eine Sammelklage gerügt, die nicht deutlich mache, wer eigentlich genau klage und welchen Verlust geltend mache. Das aber werden die Klägeranwälte ausbügeln und alsbald wieder vor den Schranken des Gerichts stehen. Ein Vergleichsvorschlag ist bis zum Wochenende von keiner Partei ernsthaft in Erwägung gezogen worden, zumindest nicht öffentlich. Damit dürfte es in der Tat statt einer schnellen Einigung ein langes Verfahren geben. Und es sei angemerkt, dass beinahe zum ersten Mal in der Bundesrepublik gute Chancen bestehen, dass Anleger der beklagten Firma Fehlverhalten nachweisen können und darüber hinaus, dass sie aufgrund der Falschinformationen zum Aktienkauf animiert wurden. Die HRE wird in jedem Fall in die deutsche Wirtschaftsgeschichte eingehen.

03.11.2009 | 00:00

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