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IKB - lieb und teuer



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Fast hätte man es schon vergessen – wenn nicht, ja wenn nicht dieser Tage Geschäftszahlen fällig wären und in der abgelaufenen Woche eine außerordentliche Hauptversammlung, und das ein Anlass war für jedermann, mal wieder nachzusehen, wie es denn so geht beim ehemaligen Finanzierer des Guten und Soliden in der deutschen Wirtschaft. Nur sie selbst, die IKB, war nicht so gut und solide wie ihre Kunden, und deshalb mussten letztere am Ende bezahlen (und natürlich die Aktionäre und Steuerzahler). Der heutige Pennystock (74 Cent) war noch 2006 runde 33 Euro wert, und 2007 trat die Aktie einen so rasanten Sturzflug an, dass einige Anleger mit dem Verkaufen kaum nachkamen. Aber seitdem sind nochmals große Stücke herausgebrochen aus dem Kurs. Kein Wunder: Neben dem geschäftlichen Versagen, das offen zutage liegt, kommen immer wieder Details ans Licht, die auf krasse Fehleinschätzungen des Managements hindeuten, und das nicht erst seit 2007. Mit einem Vielfachen des eigenen Geldes spekulierte man bereits seit Jahren auf dem Markt der riskanten Finanzprodukte, darunter natürlich auch die berüchtigten amerikanischen Hypothekenpapiere. Nur tröpfchenweise kommen Einzelheiten ans Licht, aber sie kommen. Was auch ein bezeichnendes Licht auf die Vertreter des Staates werfen könnte, die über die staatseigene KfW ihren Einfluss ausübten. Schließlich hatte die Staatsbank die IKB zur Hälfte übernommen, ehe die KfW dann anfing, Dummheiten auf eigene Rechnung zu machen (und Millionen ins Nirwana zu überweisen, beispielsweise). Aber auch der heutige Mehrheitsbesitzer, die amerikanische Investmentgesellschaft Lone Star, hat kein Interesse an einer Aufdeckung der Einzelheiten. Klar: Man hofft, die IKB irgendwann einmal wieder in ruhiges und profitables Fahrwasser zu bugsieren. Da könnte der Nachweis von Betrug, Untreue, falscher Berichterstattung ein gehöriger Schuss vor den Bug sein, der das fragile Schiffchen zum Kentern bringt. Bisher lief alles gegen die Kritiker: Klagen von Aktionären werden abgewiesen, andere Anspruchssteller geben auf. Noch immer ist es in Deutschland fast aussichtslos, als Aktionär vor Gericht zu reüssieren, wenn auf der anderen Seite ein Konzern steht – die Hürde zu nehmen, ist kaum zu schaffen. Zumal wenn es diese reflexartige Verschleierungstaktik seitens des Unternehmens gibt, wann immer Kritisches ans Licht zu kommen droht. Dass meist am Ende doch nichts geheim bleibt und die Sache je später, desto unangenehmer ausgeht, führt jedenfalls nicht zu Lernprozessen. Außer vielleicht dem: Leugne alles, was nicht zu beweisen ist – und versuche dann, mit einer ordentlichen Abfindung von dannen zu ziehen. Das hat zumindest ein Manager der IKB noch in jüngster Vergangenheit fertiggebracht. Ansonsten aber kämpft da jeder gegen jeden, wie auf der Hauptversammlung zu besichtigen war: Lone Star will sein Geld retten (vergleichsweise läppische 190 Millionen Kaufpreis), der Staat als ehemalige Aufsicht will seine Aufseher ungeschoren vom Schlachtfeld bringen, die Geschädigten verlangen absolut tödliche Milliarden (Klage aus den USA) beziehungsweise Millionen (deutsche Kleinaktionäre), und der heutige Vorstand versucht, sich irgendwie durch das Chaos zu lavieren. War da nicht noch etwas? Ach ja, Ende März gibt es Geschäftszahlen. Geschäft, das hat die Bank ja auch noch. Das meiste ist abgestorben, deshalb dürfte es auch einen höheren Verlust geben als gedacht. Aber man sieht sich ja als langfristigen Partner des Mittelstandes. Wenn nichts dazwischenkommt.

10.11.2009 | 00:00

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