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Das ist eine schlechte Nachricht. Denn der Hintergrund des Rekordes ist ein fataler: Die unselige Abwrackprämie. Die bewirkt, dass die Mehrheit der Steuerzahler einer Minderheit der Steuerzahler ein neues Auto subventioniert. Sie bewirkt weiter, dass das Durchschnittsalter der Fahrzeuge in einigen ehemaligen Ostblockländern deutlich gesenkt wird – dort dürften inzwischen zahlreiche der neun Jahre alten Wagen herumfahren, die man hier zum Schrott gibt, wenn nur der Staat mit einem kleinen Geldbündel winkt.

Nun gönnt man es ja dem Nachbarn; denn immerhin sind die Sicherheitsausstattungen der Autos in den letzten Jahren besser geworden – so gesehen könnte die Abwrackprämie zu weniger Pannen und Unfällen führen. Wenn das denn mal messbar wäre. Den Autokonzernen und Händlern hilft die ganze Sache schon weniger, denn die verdienen nicht unbedingt an jedem Fahrzeug wirklich Geld, vor allem nicht an den kleinen, die aber bevorzugt werden. Nur bei denen macht die staatliche Prämie auch wirklich einen Unterschied.

Das Unangenehme aber ist ein Zusammenspiel, das auch die Börse – warum so spät? – in der vergangenen Woche sehr plötzlich bemerkt hat. Mit-Auslöser waren die katastrophalen Daten vom amerikanischen Arbeitsmarkt, wo im Juni 467.000 Stellen verloren gingen. Das sind deutlich mehr als von den Beobachtern erwartet worden wa- ren. 3,8 Prozent Minus zum Beispiel bedeutete das für den DAX am Donnerstag, ähnlich schlimm der Verlust beim STOXX, und Wall Street nur wenig gemäßigter. Besonders unter die Räder kamen – genau – die Autowerte. Denn angesichts der Nachfrage nach Autos in Deutschland, die wohl größtenteils auf vorgezogene Anschaffungen zurückgeht, muss man nach Auslaufen der Abwrackprämie im nächsten Jahr mit einem scharfen Knick rechnen. Da hätte es für die Aktien der Konzerne nur dann echte Hoffnung gegeben, wenn die ausländischen Märkte bereits jetzt Anzeichen für Besserung gezeigt hätten. Angesichts wachsender Arbeitslosigkeit dürften viele in den USA, dem wichtigsten dieser Märkte, auf Neuanschaffungen ebenfalls verzichten, vielleicht bis weit in das Jahr 2010 hinein. Aus der Traum! – heißt es also zumindest fürs Erste.

Der Verband der Automobilindustrie tröstet sich gleichwohl mit ein wenig Pfeifen im Walde. Wenn tatsächlich die Krise Ende 2009 oder Anfang 2010 im Wesentlichen ausgestanden sein sollte, rechnen die Hersteller mit erneut anziehender Nachfrage nach gewerblich genutzten Fahrzeugen – seien das nun Lkw oder Dienstwagen. Auf diesem Gebiet gibt es aber bereits jetzt Hinweise auf den deutlichsten Rückgang – aus diesem ganz tiefen Tal wieder etwas aufzusteigen, sollte dann nicht ganz so schwierig sein. Eine Rückkehr zu alter deutscher Stärke auf diesem Gebiet, ob im In- oder Ausland, ist aber nicht zu erkennen.

04.11.2009 | 00:00

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