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Sportlich sparsam



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So rühmen die verantwortlichen Politiker gern den Vorsprung durch Technik, den die Nation sich hart erarbeitet habe. Der Autoexport ist, wenn nicht gerade Krise herrscht, eine Nelke im Knopfloch der deutschen Wirtschaft. Die Ingenieurskunst, vornehmlich aus Bayern und Baden-Württemberg, neuerdings aber auch in Sachsen stark im Kommen, ist ein Geschäftsfeld, in dem es mal nicht dauernd kriselt, und wenn doch, so Magna sei Dank, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Nur am Rande wird ein wenig gelästert und gelächelt: Über die verpassten Chancen, als es um den in Deutschland einst entwickelten Hybridantrieb ging, der dann in Japan zur Blüte gebracht wurde. Toyota ist umwelttechnisch da immer noch einen Schritt voraus, und das gegenüber einem Land, in dem Mülltrennung quasi-religiöse Züge angenommen hat und das das „Waldsterben“ einst exklusiv erfand. Letzteres gibt es nach wie vor nur bei uns, den sparsamen Autoantrieb aber leider nicht. Aber die Deutschen holen auf. Der VW-Konzern als Größter, Daimler und BMW als mutmaßlich Feinste unter den wichtigen Herstellern haben mächtig was vor unter den Hauben. Fairerweise muss gesagt werden, dass alle diese, und Opel natürlich auch, bereits mit „herkömmlicher“ Technik sehr sparsame Autos bauen können. Die fahren auf dem IAA-Gelände auch herum und werben mit ihren Mini-Schluckversprechen, seien es 3,9, 4,5 oder 5,3 Liter auf hundert Kilometer. Gilt natürlich nur, solange man nicht sportlich werden will – das kostet entsprechend Aufpreis. Sportlicher aber ist diese Sparsamkeit auf alle Fälle als der Tankstopp mit dem Elektromobil, das nach 50 bis 100 Kilometern an die Säule muss, aus der dann hoffentlich der Strom fließt. Kürzere Aufladezeiten wären da wünschenswert, aber auch daran wird gearbeitet, zum Beispiel von E.ON, auch auf der Messe mit „grüner“ Technik. Sehr interessant auch eine Studie von VW, die mit herkömmlichem Diesel in Bewegung gesetzt werden könnte, wenn sie denn je käuflich wird: Zwei Passagiere passen hintereinander hinein, plus eine gediegene Handtasche oder zwei. Dann geht es windschlüpfrig auf die Piste, mit 1,38 Liter Diesel kommt man 100 Kilometer weit. Das Ein-Liter-Auto ist nicht fern. So wie es aber aussieht, ist simples Sparen der deutschen Industrie Sache nicht. Da wird schon eher an futuristischem Brennstoffzellen-Aggregat gewerkelt, oder das Ganze in Verbindung mit Hybridmotoren und Wasserstoffantrieb. Das ist alles wunderbar und sieht auch gut aus – nur wird es den Vorsprung gewisser Japaner erst in einigen Jahren aufholen. Bis dahin muss man sich mit den durchaus beachtlichen, aber eben herkömmlichen Antrieben zufriedengeben. Ob die am Ende nicht vielleicht sogar sparsamer oder umweltverträglicher transportieren als der gemischte Benzin-Elektromotor, das kommt auf die Stromquellen an – ist also durchaus denkbar. Dann hätte Deutschland doch nicht so viel verpasst. Ansonsten lebt man hier auch von seinem Ruf: Jedes vierte Auto auf der Welt kommt aus einem deutschen Werk. Wenn es dabei bleibt, kann uns nicht viel passieren. Eine VW oder Daimler ist nicht so leicht zu überholen, wie das Chrysler, GM oder Ford in den USA waren, die Toyota ziehen lassen mussten. Hoffen wir zumindest.

22.10.2009 | 00:00

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