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Systemrisiko Bankenfusion


Die Fusionsgespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank gehen offenbar schneller voran als vermutet – nach einer Woche Gespräche konkretisierten sich die Vorhaben schon so weit, dass man den Aufsichtsrat über den Stand der Dinge unterrichten konnte.

Im Hintergrund laufen die Due-Diligence-Verfahren, die Bücher werden wechselseitig geöffnet und das alles mag in Berlin Gefallen hervorrufen, denn die Politik vor allem in Gestalt des Finanzministers hat sich ja vergleichsweise nachdrücklich für den Zusammenschluss der zwei Zerzausten ausgesprochen. Warum eigentlich genau, darüber muss man weiter spekulieren. Dass es sehr handfeste Gründe für den Zeitpunkt und die Deutlichkeit geben muss, liegt wohl auf der Hand. Dass diese politischen Hintergründe geeignet sind, fachliche Bedenken gegenstandslos zu machen, darf nach den bekannten Erfahrungen mit staatlichem Engagement bei Großunternehmen definitiv bezweifelt werden. Von seltsamen Vorgängen in der seligen Treuhand über großspurige Intervention beim Baukonzern Philip Holzmann – nach der Pleite ist vor der Pleite – bis hin zum aktuellen Vorhaben der lokalen Berliner Machthaber, Wohneigentum einfach zu verstaatlichen: Es besteht kaum Hoffnung.

Was das Fachliche angeht, so lässt kaum jemand ein gutes Haar an dem geplanten Zusammenschluss. Generell stimmt sicher die Aussage, dass zwei Lahme zusammen keinen Olympiasieger ergeben – wobei man den leisen Verdacht haben darf, dass die Politik genau diesen einsamen Traum hegt. Die Deutsche Bank in ihrer unnachahmlichen Art hat gerade mal 1,9 Milliarden Boni ausgeschüttet – immerhin stehen ja mehr als 600 Millionäre in ihren Diensten, irgendwo muss es ja herkommen. Dass der Jahresgewinn von 341 Millionen Euro da nicht ganz im Verhältnis steht – geschenkt. Diese Zahlenparade ist wieder etwas für die Gewerkschafter, die eine Fusion selbstverständlich ablehnen, wenn auch aus anderen Gründen als etwa Blackrock, jeweils unter den größten Aktionären bei Commerzbank und Deutscher Bank.

Der gewichtigste Investor der Welt fragt ganz einfach, welches Problem denn durch diese Fusion gelöst werden solle. Das ist fein beobachtet, und wer darauf aus Bankenkreisen eine stichhaltige Antwort hat, der trete vor oder schweige für immer. Jedenfalls hofft man bei Blackrock inständig, dass der Plan nicht etwa ist, eine vom US-Bankenmarkt inspirierte Investmentbank zu kreieren. Sehr höflich erwähnt man nicht mehr die schmerzlichen Gründe, warum das nicht funktionieren würde – denn die sind doch eher peinlich für den Finanzstandort Deutschland, wo man sicher noch eine Dekade brauchen wird, wieder ein Bankwesen von supranationaler Bedeutung zu schaffen.

Ob mit oder ohne Fusion der sogenannten Großbanken, die aber im Falle eines Falles sicher Jahre weitgehend mit sich selbst beschäftigt sein werden. Wobei Spötter sicher fragen werden, was daran denn anders sei als es heute ist. Für die Zwischenzeit kann die Kundschaft ja bei den Sparkassen oder den Kreditgenossen vorstellig werden, dann stört man bei Deutscher und Commerzbank wenigstens nicht die Betriebsabläufe. Was sicher wertgeschätzt werden dürfte, wenn es um die Harmonisierung der IT-Systeme gehen wird. Gibt das erst ein Gelächter! Das Publikum darf auf spannende Unterhaltung hoffen.

Reinhard Schlieker

22.03.2019 | 14:31

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