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Tops und Flops der Woche u. a. mit Moderna, Alphabet und Uniper

KW 27



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Biotech gehörte in den letzten beiden Wochen zu den stärksten Sektoren. Eine Erholung ist im Gange. Ein Beispiel dafür bietet die Aktie des COVID-19-Impfstoff-Herstellers Moderna. Sie zeigte auch jüngst Stärke. Ebenfalls gefragt war Alphabet: Schafft der Suchmaschinen-Konzern eine Bodenbildung? Bei Uniper ist unterdessen noch kein Ende der Talfahrt in Sicht. Der Stromversorger kämpft weiterhin mit den widrigen Umständen, die aus dem Russland-Ukraine-Krieg resultieren.
 
+++ Tops +++
 
Moderna: gelingt die Trendwende?

Die Aktie des Biotechkonzerns Moderna (WKN: A2N9D9) hatte am 13. Juni ein neues Verlaufstief innerhalb der übergeordneten Abwärtsbewegung markiert. Seither ist eine Erholung ersichtlich, die sich in der vergangenen Woche fortsetzte. Der Wert gehörte zu den größten Gewinnern im NASDAQ-100 und S&P 500. Neue Nachrichten vom Unternehmen, der einen COVID-19-Impfstoff herstellt, gab es nicht. Aus charttechnischer Sicht stellt sich nach den jüngsten Zuwächsen die Frage, ob dem Kurs eine Trendwende gelingt. Vom Allzeithoch im Juli 2021 bis zum Korrekturtief im Juni dieses Jahres war der Preis um rund 77 % gesunken. Aufhellen würde sich das Bild, wenn das Zwischenhoch von März dieses Jahres bei 188 US-Dollar überwunden werden kann. Dann wäre der übergeordnete Abwärtstrend erst einmal gebrochen.
 
Alphabet: Bodenbildung?

In der vergangenen Woche zu den Schwergewichten mit der besten Performance am US-Aktienmarkt gehört der Technologiekonzern Alphabet (WKN: A14Y6F, A14Y6H). Neue Nachrichten aus dem Unternehmen gab es nicht. Die Aktie zeigt eine interessante charttechnische Konstellation. Seit dem Korrekturtief im Mai hat sich ein kurzfristiger Aufwärtstrend gebildet. Dieser könnte eine Bodenbildung darstellen, was aber noch einer Bestätigung bedarf. Können die anstehenden Ereignisse helfen? Am 18. Juli wird das Unternehmen einen Aktiensplit im Verhältnis 1 zu 20 durchführen. Für den 26. Juli sind die nächsten Quartalszahlen terminiert. Alphabet ist Betreiber der Suchmaschine Google. Darüber hinaus gehören das Betriebssystem Android für mobile Geräte sowie Services wie Chrome, Gmail, Google Drive, Google Maps, Google Play und YouTube zum Angebotsspektrum des NASDAQ-100- und S&P 500-Wertes.
 
MorphoSys: Übernahmekandidat?

Der US-Biotechkonzern Incyte (WKN: 896133) bringt es derzeit auf eine Marktkapitalisierung von 17,7 Mrd. US-Dollar. Mit einem Börsenwert von rund 750 Mio. US-Dollar wesentlich kleiner ist der deutsche Branchenvertreter MorphoSys (WKN: 663200). Schon seit Längerem arbeiten beide Unternehmen bei der Entwicklung und Vermarktung von neuen Medikamenten zusammen – u. a. bei der Immuntherapie Tafasitamab, die zur Krebsbehandlung eingesetzt wird. Tafasitamab wird von beiden gemeinsam unter dem Markennamen Monjuvi in den USA vermarktet. Incyte vertreibt das Medikament unter dem Markennamen Minjuvi in Europa und Kanada. Hat Incyte Interesse daran, MorphoSys zu übernehmen? Spekulationen darüber scheinen in der vergangenen Woche die positive Kursentwicklung des SDAX-Wertes befeuert zu haben. Die Aktie gehörte zu den größten Gewinnern innerhalb der DAX-Indizes-Familie.

+++ Flops +++
 
Uniper: Beteiligt sich der Bund?

Die Aktie des angeschlagenen deutschen Stromproduzenten Uniper (WKN: UNSE01) setzte in der vergangenen Woche ihre Talfahrt fort. Noch einmal beschleunigte sich der Rückgang. Der Energiekonzern ist durch die Russland-Sanktionen in eine ernste Schieflage geraten. Das Unternehmen hatte bislang Erdgas aus Russland bezogen. Es war diesbezüglich der größte deutsche Importeur. Aufgrund der deutlich gesunkenen russischen Gaslieferungen muss das Unternehmen auf dem Markt zu deutlich höheren Preisen Ersatzmengen einkaufen. Das führt zu Liquiditätsproblemen. Uniper hat deshalb nach Staatshilfen gerufen. Inzwischen gibt es Berichte, wonach sich der Bund mit mehr als 30 % an dem Unternehmen beteiligen könnte. Weitere mögliche Instrumente, um den angeschlagenen Stromproduzenten unter die Arme zu greifen, sind Garantie- und Sicherheitsleistungen sowie eine Erhöhung der aktuellen Kreditfazilität. Der Konzern hat am Freitag offiziell einen Antrag auf Stabilisierungsmaßnahmen bei der Bundesregierung gestellt.
 
Fielmann: so tief wie seit 8 Jahren nicht mehr

Die Optikerkette Fielmann ist der größte und bekannteste Brillenverkäufer in Deutschland. In der vergangenen Woche legte der Marktführer vorläufige Zahlen für das 2. Quartal und das 1. Halbjahr 2022 vor. Er sprach davon, dass der Krieg in der Ukraine, eine anhaltend hohe Inflation und weiter steigende Zinsen das Konsumverhalten zunehmend belasten. Außerdem führe die Coronavirus-Pandemie zu vergleichsweise hohen Krankenständen beim eigenen Personal. Deshalb gab der Konzern eine Gewinnwarnung für das Gesamtjahr heraus. Während er beim Umsatz ein Anstieg zum Vorjahreswert von 1,68 auf 1,8 Mrd. Euro erwartet, dürfte das Vorsteuerergebnis von 209,7 auf 190 Mio. Euro sinken. An der Börse kamen Ausblick und Zahlen nicht gut an. Die Aktie (WKN: 577220) verlor in der vergangenen Woche deutlich. Zwischenzeitlich war sie auf 37,16 Euro gesunken, womit sie das niedrigste Niveau seit Mai 2013 markierte. Von diesem Tief konnte sich der Kurs im Wochenverlauf zwar etwas erholen. Das charttechnische Bild bleibt aber weiterhin schlecht, weil kurz-, mittel- und langfristig intakte Abwärtstrends vorliegen.
 
AT&S Austria Technologie & Systemtechnik: Bricht der Aufwärtstrend?

Die österreichische Gesellschaft gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Leiterplatten und sogenannten IC-Substraten. Die Aktie des Unternehmens (WKN: 922230) war einst am „Neuen Markt“ in Deutschland gelistet. Heute ist sie im österreichischen Leitindex ATX enthalten. Dort gehörte sie der vergangenen Woche zu den größten Verlierern. Das Unternehmen hatte am Donnerstag seine Hauptversammlung durchgeführt. Auf dieser wurde für das Geschäftsjahr 2021/22 (bis Ende März) eine Dividende von 0,90 Euro je Aktie beschlossen. Sie setzt sich aus einer Basisdividende von 0,78 Euro und einer Sonderdividende von 0,12 Euro je Aktie zusammen. Mit den jüngsten Kursrückgang, der von einem steigenden Umsatzvolumen begleitet wurde, hat sich das charttechnische Bild eingetrübt. Der Preis ist nun in die Zone von 43,65 bis 42,35 Euro eingetaucht. Sollte diese unterschritten werden, wäre der Aufwärtstrend gebrochen, der sich seit März 2020 gebildet hat.

Thomas Behnke

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08.07.2022 | 14:17

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