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Tops und Flops der Woche u.a. mit Porsche Automobil Holding, Deutsche Post und Uniper.



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Der Börsengang der VW-Tochter Porsche wird konkreter. Davon profitierte der Namensvetter Porsche Automobil Holding, der Mehrheitsaktionär von Volkswagen ist. Ansonsten prägte in der vergangenen Woche der Ukraine-Konflikt das Geschehen an den Aktienmärkten, was unter anderem bei der Deutschen Bank und dem Versorger Uniper zu größeren Abschlägen führte.

+++Tops+++

Porsche Automobil Holding: VW-Tochter Porsche geht an die Börse

Die Porsche Automobil Holding (PAH) besitzt mehr als 53 % der stimmberechtigten Anteile an dem größten europäischen Autobauer Volkswagen (WKN: 766403). Das ist neben anderen kleinen Beteiligungen das Kerninvestment. Die PAH-Aktie (WKN: PAH003) gehörte in der vergangenen Woche zu den stärksten Werten im DAX. Schon geraume Zeit spekuliert werden nun die Pläne für einen Börsengang der VW-Sportwagentochter Porsche AG konkreter. Volkswagen hatte jüngst angekündigt, die Machbarkeit eines IPOs zu prüfen. Eine Platzierung wäre dem Vernehmen nach ein nächster Schritt bei der Transformation vom Markenkonzern hin zu einem vertikal integrierten Mobilitätskonzern. Er würde zusätzliche Flexibilität zur Beschleunigung der Konzernstrategie NEW AUTO schaffen. Abschließende Entscheidungen sind noch nicht getroffen, allerdings wurden bereits erste Eckpunkte über die Höhe der beim Börsengang zu platzierende Aktien und der künftigen Eigentümerstruktur der Porsche AG genannt. Die Porsche Automobil Holding würde demnach 25 % plus eine Aktie der Stammaktien an der Porsche AG erwerben.

Cadence Design Systems: nach Zahlen mit Erholungsimpuls

Die Aktie des US-Unternehmens Cadence Design Systems (WKN: 873567) gehörte in der vergangenen Woche zu den größten Gewinnern im S&P 500 und NASDAQ-100. Die Amerikaner entwickeln Software für das Anwendungsgebiet Electronic Design Automation (EDA), worunter man den Entwurf von Elektronik, insbesondere Mikroelektronik versteht. Das Unternehmen ist dabei auf entsprechende Lösungen für integrierte Schaltkreise (Chips) und elektronische Leiterplatten spezialisiert. Zu Wochenbeginn hatte Cadence Zahlen für das Geschäftsjahr 2021 vorgelegt, woran sich eine positive Kursentwicklung anschloss. Nachdem es am Dienstag noch ein neues Verlaufstief innerhalb der Abwärtsbewegung seit Dezember 2021 gab, bildete sich somit eine Gegenbewegung. Zu einem Trendbruch reichte es bislang aber noch nicht.

Hensoldt: Krisenprofiteur

Dass die Börse sehr zynisch ist, zeigt sich an einigen der Gewinneraktien in der vergangenen Woche. Aufgrund der Eskalation im Ukraine-Konflikt waren Rüstungsaktien stärker gefragt. Beispielhaft dafür ist die Entwicklung des Elektronikherstellers Hensoldt (WKN: HAG000), der sich auf Sensorlösungen für Verteidigungs- und Sicherheitsanwendungen (u. a. Radar, Wärmebildgeräte, Avioniksysteme) spezialisiert hat. Die Aktie legte kräftig zu, wodurch aus charttechnischer Sicht der Abwärtstrend seit April 2021 gebrochen wurde. Das Unternehmen hat in der vergangenen Woche zudem vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2021 veröffentlicht und über kräftig gestiegene Ergebnisse berichtet. Für 2022 erwartet der Vorstand eine weiterhin positive Geschäftsentwicklung.

+++Flops+++

Deutsche Bank: Zinsfantasie gesunken

Der Ukraine-Konflikt hatte in der vergangenen Woche branchenseitig in Europa insbesondere die Bankwerte belastet. Beispielhaft dafür ist die Kursentwicklung bei der Deutschen Bank (WKN: 514000), welche auch im deutschen Leitindex DAX zu den größten Wochenverlierern gehörte. Ein Argument für den Verkaufsdruck ist eine gesunkene Zinserhöhungsfantasie. Denn die angespannte geopolitische Gemengelage erhöht die Unsicherheit im Zusammenhang mit der Stabilität des Finanzsystems, weshalb die Notenbanken etwas vorsichtiger bei einer geldpolitischen Straffung vorgehen dürften. Außerdem könnte Sanktionen gegen Russland Kreditausfälle nach sich ziehen. Die Deutsche Bank selbst meldete unterdessen, die Risiken in Russland unter Kontrolle zu haben und über Notfallpläne für verschiedene Szenarien zu verfügen.

Uniper: großes Russlandgeschäft

Der mehrheitlich zum finnischen Versorger Fortum (WKN: 916660) gehörende deutsche Stromproduzent verfügt über umfangreiche Aktivitäten in Russland. Zum Unternehmen gehört mit der Tochter Unipro einer der größten privaten russischen Stromversorger. Außerdem ist Uniper im globalen Handel mit Erdgas und Strom aktiv. Der Konzern hat hierbei langfristige Lieferverträge mit dem Erdgasproduzenten Gazprom (WKN: 903276) geschlossen, von dem man den fossilen Brennträger bezieht. Die deutsche Gesellschaft ist ferner als Finanzierungspartner an der Ostsee-Pipeline „Nord Stream 2“ beteiligt. Der hohe Stellenwert der Geschäftsaktivitäten mit Russland hat in der vergangenen Woche zu einem deutlichen Kurseinbruch bei der Uniper-Aktie (WKN: UNSE01) geführt, nachdem sich der Ukraine-Konflikt zugespitzt hat. Die Risiken für Uniper sind angesichts der zu erwartenden Sanktionen gegen Russland deutlich gestiegen. Seit dem Allzeithoch im Dezember 2021 hatte die Aktie bis zum Tief in der vergangenen Woche um mehr als 36 % nachgegeben.

Prosus: weiterhin im Abwärtstrend

Die Aktie des niederländischen Konzerns Prosus (WKN: A2PRDK) gehörte in der vergangenen Woche zu den schwächsten Indexmitgliedern des EURO STOXX 50. Sie setzte mit anziehender Dynamik ihre Abwärtsbewegung fort, die sich seit dem Allzeithoch im Februar 2021 manifestiert hat. Inzwischen wurde ein so niedriges Kursniveau erreicht wie seit März 2020 nicht mehr. Das Unternehmen ist an einer Reihe von E-Commerce-Geschäftsmodellen beteiligt. Zum Portfolio gehören beispielsweise Anteile an börsennotierten Firmen wie Tencent (WKN: A1138D) und Delivery Hero (WKN: A2E4K4) sowie dem Betreiber von russischen Social-Media-Angeboten VK (WKN: A1C8BP). Die Aktien der Beteiligungen befinden sich seit einiger Zeit ebenfalls auf Talfahrt.

Thomas Behnke

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25.02.2022 | 15:06

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