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Zalando-Aktie: Der große Verlierer


Zalando hat wahrhaftig kein gutes Jahr hinter sich. Die Gewinnwarnung des britischen Konkurrenten ASOS hat einen weiteren Kurssturz ausgelöst. Damit ist die Aktie zweitweise auf das niedrigste Niveau seit vier Jahren gefallen. Wie geht’s weiter? 

Der Schuldige war schnell gefunden: Ein langer, heißer Sommer trage die Verantwortung für die Umsatzeinbußen und somit den Kurssturz in 2018. Da war sich das Zalando-Management einig. Auch der Experte Andreas Lipkow von der Comdirect Bank führt die Misere in erster Linie auf den Jahrhundertsommer zurück. „Sie haben aktuell eine schwere Zeit. Das zu warme Sommerwetter hat die Planung für die verschiedenen Saisonabläufe stark durcheinandergebracht“. Unternehmen wie Zalando und Asos spürten das in der Umsatzentwicklung. Online-Händler wie Amazon könnten dies durch eine breitere Produktpalette auffangen und dadurch Schwächen im Einzelhandelssektor ausgleichen, so Lipkow weiter.

Opfer der eigenen Strategie

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Das Problem liegt im Unternehmen selbst. Zalando fährt einen mutigen, aber riskanten Kurs. Co-CEO Rubin Ritter setzt auf die Strategie: Wachstum vor Profitabilität. Bislang ist der Manager damit ganz gut gefahren – nicht zuletzt, weil er den Umsatz wie versprochen um 20 bis 25 Prozent pro Jahr steigern konnte. Das funktioniert aber nur, solange die Wachstumsmaschine weiter auf Hochtouren läuft. Im dritten Quartal war das nicht der Fall. Im Vergleich zum Vorjahrszeitraum brach das Umsatzwachstum auf 11,7 Prozent ein, auch der durchschnittliche Warenkorbwert sank weiter. Das hat dramatische Folgen für die Profitabilität. Der Ebit, also der Gewinn vor Zinsen und Steuern, rutschte von dem kleinen Plus von 0,4 Millionen im Vorjahr auf ein großes Minus von rund 39 Millionen Euro. Autsch.

Dass immer mehr Kunden mobil, also via App, bestellen, ist für Zalando Fluch und Segen zugleich. Einerseits freut sich der Online-Händler über rund 60 Prozent Smartphone-Kunden, andererseits ärgert er sich darüber, dass App-User durchschnittlich jünger sind und vor allem günstig shoppen wollen. Das senkt den Durchschnittsumsatz pro Einkauf. Ein weiteres Manko der Kostenrechnung: Wer aus Italien bestellt muss bislang keine Versandkosten zahlen – auch dann nicht, wenn der Bestellwert unter 25 Euro liegt. Das wird sich künftig ändern. Fraglich ist, ob verwöhnte Kunden deshalb wenigstens für 25 Euro shoppen oder lieber auf den Einkauf verzichten. Letzteres könnte Umsatz kosten.

Einzelhandel mit Problemen

Grund für den erneuten Kurssturz von mehr als 15 Prozent zu Wochenbeginn ist die Gewinnwarnung des Konkurrenten Asos. Der britische Online-Modehändler berichtet von einer „deutlichen Verschlechterung“ der Geschäftslage im November. In London ist die Asos-Aktie deshalb um mehr als 40 Prozent abgestürzt und hat die gesamte Einzelhandelsbranche mit auf die Talfahrt genommen. Wenn Asos nun schon Schwierigkeiten habe, dann bekäme jede andere Einzelhandels-Aktie ebenfalls Probleme, kommentiert Analyst Neil Wilson von Markets.com die Situation in dieser Woche. Auch die Anteilsscheine von Adidas und Puma verloren deutlich. Immerhin konnte H&M im vierten Quartal ein Umsatzplus von 12 Prozent verkünden. Rund 5,5 Milliarden Euro hat der schwedische Modekonzern umgesetzt.

Fazit

Bei Zalando monieren Experten schon länger die Margenentwicklung und steigende Marketingkosten. Umsatzstärke allein reicht eben nicht aus. Das Unternehmen sollte trotz der strammen Wachstums-Strategie auf seine Profitabilität achten. Nur so lässt sich der Zalando-Kurs langfristig finanzieren. Die aktuelle Talfahrt des Berliner Online-Händlers könnte aber gleichzeitig eine Chance für Einsteiger sein. So wirft nach Ansicht von Analyst Christain Salis von Hauck & Aufhäuser die Asos-Nachricht zwar einen Schatten auf das gesamte Einzelhandelsumfeld, aber auf Zalando könne man daraus nur im begrenzten Maße schließen. Salis geht davon aus, dass die Papiere im kommenden Jahr wieder deutlich an Wert gewinnen würden. Bei Zalando dürfte sehr viel Negatives im Kurs eingepreist sein. Damit ist die Aktie reif für einen Gegenbewegung und bietet einen gute Kaufgelegenheit. Klar ist aber auch, dass Unternehmen, die ausschließlich auf Wachstum setzen, kein gesundes Grundgerüst haben. 2019 könnte für Zalando das entscheidende Geschäftsjahr werden. Denn hält das Management weiterhin an der Wachstumsstory fest, sollte das Happy End ausbleiben. Ein Drama.

 

 

20.12.2018 | 15:32

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