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iPhone und Watch – reicht das für Apple?

An der Wall Street hat die Apple-Aktie einen deutlichen Rücksetzer erlitten. Der Kurs der Aktie sackte auf den niedrigsten Stand seit mehr als sechs Monaten. Die Anleger richten ihre Erwartungen auf das iPhone 6s – und neuerdings auch auf die Apple Watch.

BÖRSE am Sonntag

An der Wall Street hat die Apple-Aktie einen deutlichen Rücksetzer erlitten. Der Kurs der Aktie sackte auf den niedrigsten Stand seit mehr als sechs Monaten. Die Anleger richten ihre Erwartungen auf das iPhone 6s – und neuerdings auch auf die Apple Watch.  

Am Markt gibt es offenbar Sorgen, dass die Nachfrage nach dem neuen iPhone 6s von Apple nicht so stark wie erhofft ausfallen könnte. Das ist plausibel, denn außer dem neuen smarten Telefon haben die Kalifornier keinen wirklichen Umsatzbringer – die Apple Watch jedenfalls ist es bislang nicht. PCs und Laptops sind zwar einigermaßen gut im Rennen, aber keine Umsatzraketen, allenfalls das iPad kann teilweise überzeugen. So wird im es im traditionell für Apple sehr wichtigen Weihnachtsgeschäft tatsächlich auf das iPhone 6s ankommen. Und das ist den Analysten und Anlegern offenbar etwas zu wenig. Seit dem Allzeithoch zu Beginn dieses Jahres, als die Apple-Anteile an der Nasdaq einen Kurs von 133 Dollar erreichten, ist der Aufwärtstrend vorerst beendet. Das Papier hat rund ein halbes Jahr unauffällig in leichtem Abwärtsmodus vor sich hingedümpelt, bis jüngst der deutliche Rücksetzer die Anleger aufgeschreckt hat.

Der Auslöser für die aktuelle Kursbewegung ist Ende Juli auszumachen, als das wertvollste Unternehmen der Welt seine jüngsten Quartalszahlen veröffentlichte. Die iPhone-Verkäufe entsprachen nicht ganz den Erwartungen, die Aktie büßte schlagartig sieben Prozent ein, rund 60 Milliarden Dollar an Börsenwert lösten sich binnen eines Tages in Luft auf. Für aufmerksame Beobachter ist das aber erst der Anfang. In dieser Woche sank der Apple-Kurs unter die wichtige 200-Tage-Linie. Im vorletzten Jahr, 2013, war das letztmalig zu beobachten gewesen. Damit hat Apple ein klassisches Verkaufssignal ausgelöst, wie Beobachter glauben. Die nächsten Unterstützungslinien liegen nun bei etwa 115 und gut 107 US-Dollar. Und in den Geldbeuteln der Konsumenten in der Vorweihnachtszeit.

Ganz so schlimm, wie es klingt, ist das alles jedoch nicht – noch nicht. Langjährige Anleger können mit der Apple-Aktie trotz des aktuellen Rücksetzers mehr als glücklich sein. Deren Kurs hat in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 2.000 Prozent zugelegt. Das machte Apple für Jahre zum wertvollsten Unternehmen der Welt. Wichtige Gründe dafür waren Erfolge mit den Vorzeigeprodukten . also den Vorgängermodellen des iPhone 6s, aber auch Vorschusslorbeeren für stark steigende Absatzzahlen und Gewinne in der Zukunft, die aus neuen Innovationsprodukten wie der Apple Watch kommen sollten. 

Wer diese Apple Watch kauft, erwirbt damit auch einen Fitnesstracker, denn die Smartwatch besitzt einen Pulsmesser, der die Herzfrequenz des Trägers misst - mit Hilfe von sichtbarem und unsichtbarem Licht.

Das lässt auch Rückschlüsse darauf zu, wie viele Kalorien der Mensch umsetzt. Auch ein Schrittzähler ist vorhanden. Die Daten werden mit dem verbundenen iPhone in Apple Health gespeichert und lassen sich auswerten. Auch Drittsoftware kann auf Wunsch des Nutzers Zugriff auf die Daten erhalten. Laut einem Bericht von Chip gibt die AOK Nordost ihren Mitgliedern beim Kauf einer Apple Watch daher 50 Euro dazu, zusätzlich gibt es auf dem „persönlichen AOK-Gesundheitskonto“ 20 Euro im Jahr. Das Geld gebe es auch für andere Smartwatches mit Pulsmessfunktion oder Schrittzähler und alle anderen Geräte, die den Puls, die Höhenmeter, die Streckenlänge, die Geschwindigkeit, den Kalorienverbrauch und Ähnliches dokumentierten, nicht aber für Handys.

Auch andere Krankenkassen planen nun offenbar den Einstieg in diese neue Form der Gesundheitsvorsorge, denn der Kultstatus des Apple-Geräts strahlt auf die vielfach als bieder beleumundeten Kassen dann auch zurück. Die Techniker-Krankenkasse mit ihren 9,3 Millionen Versicherten gehört beispielsweise zu den Unternehmen, die das bereits präfen. Als Lohn für absolvierte Vorsorgeuntersuchungen sollen hier künftig die Versicherten statt einer Bargeldprämie Gutscheine bis zu 250 Euro im Jahr erhalten. Das kann der Gegenwert einer Zahnreinigung sein, ein Zuschuss zu einem Fitnessarmband – oder vielleicht auch bald ein Beitrag zur Apple Watch. Noch prüft die Bundesaufsicht den Plan, für eine Zustimmung gibt es aber wohl gute Chancen.

Die Apple Watch kostet zwar mindestens 400 Euro, aber allein schon die Nachricht, dass Besitzer dieser Uhr eine symbolische Summe von ihrer Krankenkasse erstattet bekommen, ist höchst bedeutsam für das Image dieses Multifunktionsgerätes: es ist eben nicht nur ein banaler Zeitmesser, sondern mal wieder ein Kultgerät. Und ein PR-Coup für Apple. Wenn er gelingt, ist für Apple bald das ganze Jahr Weihnachten – und das iPhone 6s ist nicht mehr alleiniger Hoffnungsträger des kalifornischen Kult-Konzerns. Dass dies schon reicht, um der Aktie wieder in den Steigflug zu verhelfen, ist trotzdem eher eine der risikofreudigen Erwartungen.

Handelsblatt / sig