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BMW: Blitz-Erholung und DAX-Spitze

Der neue 7er BMW macht sich gut vor bergiger Kulisse. Anleger würden den Blick ins nächste Kurstal der BMW-Aktie aber wohl gerne vermeiden. (Foto: BMW Group)

Der neue 7er BMW macht sich gut vor bergiger Kulisse. Anleger würden den Blick ins nächste Kurstal der BMW-Aktie aber wohl gerne vermeiden. (Foto: BMW Group)

Der neue BMW-Chef Harald Krüger präsentierte sich im Juni zum Produktionsstart der neuen BMW 7er Reihe im Werk Dingolfing mit Mitarbeitern. Die Oberklasse-Limousine kommt mit allerlei technischen Neuerungen. (Foto: BMW Group)

Der neue BMW-Chef Harald Krüger präsentierte sich im Juni zum Produktionsstart der neuen BMW 7er Reihe im Werk Dingolfing mit Mitarbeitern. Die Oberklasse-Limousine kommt mit allerlei technischen Neuerungen. (Foto: BMW Group)



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Die Aufregung im Abgasskandal bei Volkswagen hatte gestern auch die BMW-Stammaktie angesteckt. Das Papier der Münchner Autobauer zog den DAX gestern kräftig nach unten. Denn offenbar überschreiten auch BMW-Fahrzeuge gängige Grenzwerte um ein Vielfaches. Doch die Erholung ließ nicht lange auf sich warten: BMW ist aktuell der Top-Wert im DAX. Lohnt sich jetzt der Einstieg? 

Auf der IAA in Frankfurt protzen die Schwergewichte der Automobilindustrie noch bis Samstag mit Hightechstudien für die Zukunft. Die Megatrends sind Digitalisierung und E-Mobilität. Doch in der harten Realität der Abgasschleudern sieht es (noch) ganz anders aus. Das beweist nicht nur der aktuelle Skandal um die Messmanipulation durch VW in den USA. Auch BMW wurde von der Welle der Entrüstung erfasst, die Aktie war gestern Schlusslicht im DAX. 

Auslöser des Kurssturzes war ein Vorabbericht der “Auto Bild”, in dem von einer klaren Verletzung der europäischen Abgasnorm durch BMW die Rede ist. Bei Straßentests eines britischen Testinstituts mit dem BMW X3 xDrive stellte sich offenbar heraus, dass der Euro-6-Grenzwert für Stickoxid um mehr als das Elffache überschritten wurde. Das legt offenbar die Analyse des International Council on Clean Transportation (ICCT) nahe. 

Klarstellung entschärft die Abgasbombe für BMW

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer, plötzlich war die BMW-Stammaktie noch schlechter als zuvor Volkswagen. Zwar stritt ein BMW-Sprecher die Vorwürfe energisch ab: “Bei der BMW Group wird nicht manipuliert und wir halten uns selbstverständlich in jedem Land an die gesetzlichen Vorgaben und erfüllen alle lokalen Testvorgaben. Das heißt: Bei unseren Fahrzeugen wird in der Abgasbehandlung nicht zwischen Rollen- und Straßenbetrieb unterschieden.” Die meisten BMW-Fahrzeuge erfüllen auch laut ICCT die Abgasnormen. “Auto Bild” veröffentlichte gestern ebenfalls eine Klarstellung, in der keine Manipulationsvorwürfe auftauchen. 

Dennoch war die Aktie des Münchner Autobauers auf ihrer gestrigen Talfahrt kaum zu halten. Innerhalb weniger Stunden stürzte der Wert des Papiers von 81,30 auf 73,05 Euro ab, das entspricht einem Minus von gut zehn Prozent. Der Börsenwert schmolz demnach zwischenzeitlich auf weniger als 44 Milliarden Euro zusammen, bevor sich der Kurs zum Ende des Handelstages hin bei 75,32 Euro stabilisierte.

Analysten skeptisch: Keine rosigen Aussichten für Autowerte

Am Freitag nun das umgekehrte Bild: Die Aktie ist plötzlich der Star im DAX. Zwar liegt das BMW-Papier noch immer unter dem Wert der Vorwoche, doch das Plus von derzeit 5,06 Prozent auf 79,51 Euro spricht eine deutliche Sprache. Die Blitz-Erholung hatte sich schon im vorbörslichen Handel angedeutet. Unterdessen sind auch andere deutsche Auto-Werte wieder im Aufwind. Die Daimler-Aktie verzeichnet aktuell ein Plus von 3,92 Prozent, bei Volkswagen reicht es immerhin für 1,83 Prozent. 

Während die Erholung so manchen Anleger erleichtern dürfte, ist die weitere Entwicklung noch unklar. Analyst Michael Punzet von der DZ Bank hält die BMW-Aktie derzeit nicht für begehrenswert. Daher stufte er sie in seiner heutigen Studie von “Kaufen” auf “Halten” ab und senkte den fairen Wert von 110 auf 75 Euro. Punzet geht davon aus, dass die Testbedingungen bei Emissionsmessungen zukünftig verschärft werden, auch wenn BMW wohl selbst nicht manipuliert hat. Die daraus wohl entstehenden Mehrkosten nimmt der Analyst zum Anlass, um seine Margenprognosen für das Segment Automobile zu senken. 

Händler besorgt um deutsche Konjunktur

Das US-Analysehaus Bernstein Research versprüht ebenfalls kaum Optimismus für das BMW-Papier. Analyst Max Warburton stellte am Donnerstag in einer Studie fest, dass die Abschwächung in China ein Grund sei, bei BMW vorsichtig zu sein. Gegen Ende einer Periode des Wirtschaftswachstums sei es zudem gefährlich, in Autowerte zu investieren, so Warburton. Die Einstufung des BMW-Papiers bleibt daher bei “Markte-Perform” mit einem Kursziel von 85 Euro. Kurzfristig orientierte Anleger können aber zumindest auf Erholung der Aktie hoffen.

Welche Auswirkungen der VW-Skandal und die Unruhe am Markt auf die wichtigste Exportbranche in Deutschland haben, ist indes noch unklar. Einige Händler sind um die Entwicklung der deutschen Konjunktur besorgt. Da hilft es dann auch nichts, wenn der nächste BMW von allein in die Garage fährt. Marius Mestermann

25.09.2015 | 11:00

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