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Der Absturz der Lufthansa-Aktie

Lufthansa-Aktie belastet durch Streiks und Krisen (Foto: Hady Khandani/Lufthansa)

Streiks und Krisen rund um den Globus vermiesen der Lufthansa seit Monaten das Geschäft. (Foto: Hady Khandani/Lufthansa)

Chart: Deutsche Lufthansa vom 10.10.2014

Chart: Deutsche Lufthansa vom 10.10.2014


Der Aktienkurs der Lufthansa befindet sich seit Wochen auf Talfahrt. Das Transformations-Programm „Score“ sollte die Traditionsairline für die Zukunft in der harten Luftfahrtbranche stabilisieren. Danach sieht es jetzt nicht aus. Worin liegen die Gründe für die Dauer-Turbulenzen?

Das Wort Sturzflug beschreibt nur ansatzweise das, was mit der Lufthansa-Aktie in den letzten Tagen, in den letzten Wochen und in den letzten Monaten passiert ist. Seit Mitte Juni hat der Aktienkurs um rund 45 Prozent abgebaut. Im Moment kostet eine Lufthansa-Aktie nur in etwa so viel wie eine Bahnfahrt von der Frankfurter Innenstadt zum Flughafen. Mit einem ermäßigtes BahnCard-Ticket versteht sich: Etwa elf Euro.

Wie konnte es zu diesem Aktiencrash bei Deutschlands stolzer Kranich-Airline kommen? Ein großes Thema sind wieder und wieder die Streiks im Umfeld der Lufthansa. Einmal sind es die Flugbegleiter, ein andermal die Fluglotsen und in fast turnusmäßigen Abstand die Piloten, die den Flugverkehr und damit das Geschäft der Lufthansa lahmlegen. In dieser Woche sollten bei der Frachttochter Lufthansa Cargo für zwei Tage die Maschinen am Boden bleiben. Die Pilotengewerkschaft Cockpit wollte damit erneut das Thema Frührente ansprechen. Von Seiten der Lufthansa wurde dieser geplante Streik als „weder verständlich noch verhältnismäßig“ kritisiert. Neben der harschen Kritik war aber auch das Krisenmanagement aktiv und schaffte es den Streik zu brechen. Die Frachtflieger der Lufthansa flogen wie gewöhnlich ihres Weges.

Das Luftfahrtunternehmen scheint sich mit zunehmenden Streiks immer besser auf die Sondersituationen einzustellen. Die etwas andere Art des Erfahrungskurven-Effekts. Und bei der Streikbekämpfung ist die Airline durchaus kreativ und flexibel geworden. So kommt es inzwischen regelmäßig vor, dass alte Piloten, die teilweise schon seit Jahren den Steuerknüppel gegen einen Platz in der Verwaltung eingetauscht haben, wieder ins Cockpit gesetzt werden. Natürlich behalten Piloten ihre Lizenz nur durch das Absolvieren bestimmter monatlicher Flugstunden und werden nicht erst nach Jahren der Abstinenz wieder in eine Maschine gesetzt. Dennoch ist diese Maßnahme recht ungewöhnlich.

Erstaunlich ist auch die Tatsache, dass das Image der Fluggesellschaft nicht viel mehr unter den wiederkehrenden Ausständen leidet. Zumindest nicht langanhaltend. Bei AirFrance lassen sich nämlich sehr starke Reputationsschäden durch Streiks beobachten. In dem bestreikten Zeitraum Mitte September verlor die Airline in Frankreich 16 Beliebtheitspunkte (Skala von -100 bis 100) im Markenmonitor BrandIndex. Im selben Zeitraum legten beispielsweise British Airways und American Airlines auf dem französischen Markt deutlich zu. In diesem Markenindex für den deutschen Raum liegt die Lufthansa noch klar auf dem ersten Platz der beliebtesten Airlines vor Emirates und Condor.

Anleger reagieren nervös auf Pilotenstreiks


Bei Anlegern wird das Aktienkürzel LHA aber zusehends unbeliebter. Potentielle Aktionäre müssen schon sehr risikoaffin sein, um in den Kranich zu investieren. Zu viel Rotmarkiertes steht momentan auf der Lufthansa-Liste. Neben den Pilotenstreiks sind schließlich noch die schwächelnde deutsche Konjunktur, die Ebola-Epidemie und geopolitische Konflikte in Osteuropa und dem nahen Osten negativ vermerkt. Das Analysehaus Independent Research wies in dieser Woche zudem darauf hin, dass positive Nachrichten wie fallende Treibstoffpreise oder gelungene Kosteneinsparungen vor lauter Krisen geradezu ignoriert würden und keine Kursgewinne brächten. Bei Aktienkursen anderer Fluggesellschaften sieht es ähnlich unrühmlich aus: Von Delta und Southwest aus den USA über Ryanair bis zu AirFrance und KLM stürzten die Aktienkurse in den vergangenen Wochen scheinbar bodenlos ab.

Wer sein Geld dieser Tage in Fluggesellschaften investiert hat, ist schlecht dran. Für risikofreudige Neuinvestoren ist jetzt aber womöglich die Zeit gekommen, um einzusteigen. Die Kurse sind jedenfalls so niedrig wie schon lange nicht mehr. Vorsichtigere Anleger warnen in Anlehnung an den alten Börsenspruch: „Never catch a falling airline-share“. Ob sich Lufthansa-Aktionäre in Zukunft wenigsten über eine gewohnte Dividende freuen können, ist noch ungewiss. Das Unternehmen kündigte an, die Dividendenpolitik im laufenden Jahr überprüfen und möglicherweise konzeptionell überarbeiten zu wollen.

Wie geht es eigentlich mit der Unternehmenstransformation voran? „Bei Lufthansa wird doch immer gespart“, hört man oft aus Mitarbeiterkreisen. Doch mit dem Programm „Score“ haben Christoph Franz und sein Nachfolger und aktueller CEO Carsten Spohr ein sehr wirksames Instrument geschaffen, um die Traditionsairline auf dem harten Luftfahrtmarkt gut aufzustellen. Spätestens im nächsten Jahr sollen die Erfolge auch in der Bilanz ersichtlich werden. Neben strikten Sparmaßnahmen kommen alle paar Wochen aus Köln, dem Hauptsitz der AG, oder aus Frankfurt, dem Heimatflughafen, kreative Ideen und Innovationen. So startete am Mittwoch erstmals eine LH-Maschine mit der neuen Premium Economy Class, einer Buchungsklasse zwischen Business und Economy Class. Ein weiteres Beispiel ist FlyNet. Unter diesem Namen kann man auf Lufthansa-Flügen online gehen. Diesen Service, der bisher nur bei langen Flügen genutzt werden konnte, will die Airline nun auch für Kurz- und Mittelstrecken einführen. Dazu wird wohl auch das Einschaltverbot für Handys während der Start- und Landephase abgeschafft.

Fazit

Streiks und Krisen rund um den Globus vermiesen der Lufthansa seit Monaten das Geschäft. Insgesamt zeigten die Aktien von Fluggesellschaften in den letzten Wochen eine negative Performance. Analysten raten zum Halten der Lufthansa-Aktie. Score-Erfolge sind momentan der einzige Lichtblick. Lufthansa und sein CEO Carsten Spohr sollten die Sicherheitsgurte eng anschnallen und das Ruder möglichst schnell herumreißen.

WCW

13.10.2014 | 13:30

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