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Markus Lüpertz in München

Markus Lüpertz in der Galerie Bernheimer in München


Mit dem illustren Namen Bernheimer lässt sich auf Anhieb eine der namhaftesten Kunsthandelsdynastien Europas verbinden. Der Inhaber der Galerie an der Brienner Straße, Konrad O. Bernheimer, ist Eigentümer und Chairman von Colnaghi London, der 1760 gegründeten ältesten Galerie der Welt. Nun überrascht der Galerist mit einer bemerkenswerten Lüpertz-Schau.

 

München ist die Heimat der Bernheimers. Das 150. Jubiläum seines  erfolgreichen Unternehmens nutzte Konrad Bernheimer jüngst zu einer Neuorientierung und Neudefinierung seiner Aktivitäten angesichts eines sich in rasantem Wandel befindlichen Kunstmarktes. Neben der 2005 mit Tochter Blanca gegründeten Fine Art Photography Collection rief er mit Isabel, ebenfalls einer Tochter, die Künstleragentur Bernheimer Contemporary Art Solutions and Projects ins Leben, die sich mit dem aktuellen Kunstgeschehen intensiv beschäftigt und immer komplexer werdende Inhalte in der globalen Kunstszene vermittelt. Bernheimer er ist unter anderem auch der Initiator der Kunstmesse HighLights, die seit 2013 in der Münchner Residenz stattfindet.

Anfang des neuen Jahres überrascht Bernheimer die Münchner einmal mehr – diesmal mit einer neuen, ungewöhnlichen Initiative. Er zeigt elf großformatige sowie sieben kleinere Gemälde des in Berlin, Düsseldorf und Karlsruhe lebenden Künstlers Markus Lüpertz. Große, muskulöse, männliche Gestalten, meistens von hinten gesehen, füllen die Bildfläche und geben mit ihren oft auf ein Haarbüschel reduzierten Köpfen Rätsel auf. Nicht zum ersten Mal orientiert sich Markus Lüpertz in seinem künstlerischen Schaffen an klassischen Vorbildern der Antike und an der griechischen Mythologie. Seine neueste Werkschau trägt den Titel „Arkadien“, Lüpertz bleibt darin ganz seinem Künstler-Credo verpflichtet: „Ohne Figur geht es nicht.“

Ganz ohne Abstraktion geht es indes auch nicht. Durch Bemalungen und ein gezieltes Deformieren der Körperteile lösen sich bei Lüpertz die Formen eines Theseus, Jasons und Herakles abstrakt auf, alles wird beinahe spielerisch in Frage gestellt. Der Begriff Arkadien steht als verträumter Rückblick in eine idealisierte Vergangenheit, in ein so verlorenes wie unwiederbringliches Idyll, in dem das Leben sorglos dahinfließt. Arkadien als solches ist aber bei Lüpertz im Grunde gar nicht existent. Der Bruch mit der herkömmlichen Ikonographie vollzieht sich in den zumeist 2012 entstandenen Bildern durch kleine unkonventionelle Eingriffe, die große Wirkung erzielen. Ein Bruch, den der  Künstler seit den 80er Jahren konsequent betreibt und der – weit entfernt von einem sich Abwenden von einer trostlosen Wirklichkeit – direkt darauf zielt, neue Wege der gegenwärtigen Kunst und insbesondere der Malerei zu erschließen. Denn bei näherem Hinschauen wird es dem Betrachter allmählich klar, dass es im Grunde gar keine Rätsel bei Lüpertz' sagenhaften Helden zu entdecken gibt, deren Körperlichkeit von breiten, schwunghaften Pinselstrichen übertüncht ist und alles schließlich in ein Triumph der Farbe mündet, der auch zum Triumph der puren Malerei wird.  Die  Werkgruppe, die eine Reihe von Figuren in klassischer Pose und in Beziehung zu einem Objekt wie einem Helm, einer Rüstung oder einem Schneckenhaus darstellt, findet nun ihre ideale Bühne in einem Raum, der – wie Markus Lüpertz bei der Vernissage dankbar zu würdigen wusste – „seine Bilder feiert“. Den von ihm spontan gefassten Entschluss, ohne jegliches Zögern auf den Vorschlag des Galeristen Fred Jahn einzugehen, eine große Ausstellung von Markus Lüpertz bei sich zu verwirklichen, begründet Konrad Bernheimer mit deutlichen Worten: „Ich habe Markus Lüpertz, dem ich wiederholt begegnen durfte, immer bewundert, als Künstler, aber auch als Gesamtkunstwerk seiner selbst.“ Für die Kunststadt München ist die Lüpertz-Werkschau ein großes Ereignis.

Anna Zanco-Prestel

09.02.2015 | 11:27

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