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Bayer AG: No more Mr. Nice Guy

Bayer hat sein offizielles Angebot für den umstrittenen US-Saatgutkonzern Monsanto vorgelegt. 62 Milliarden US-Dollar ist den Leverkusenern der US-Konzern wert, Bayer würde zum weltgrößten Saatguthersteller aufsteigen. Mit der Übernahme des Konkurrenten würde der Chemiekonzern, der bisher ein gutes Image hatte, pikanterweise zum Hersteller des äußerst umstirttenen Unkrautvernichters Glyphosat. Die Bayer-Aktie war zu Wochenbeginn abermals DAX-Verlierer mit einem satten Minus von über sechs Prozent.

BÖRSE am Sonntag

Bayer hat sein offizielles Angebot für den umstrittenen US-Saatgutkonzern Monsanto vorgelegt. 62 Milliarden US-Dollar ist den Leverkusenern der US-Konzern wert, Bayer würde zum weltgrößten Saatguthersteller aufsteigen. Mit der Übernahme des Konkurrenten würde der Chemiekonzern, der bisher ein gutes Image hatte, pikanterweise zum Hersteller des äußerst umstirttenen Unkrautvernichters Glyphosat. Das ließ die die Bayer-Aktie bereits letzte Woche abstürzen. Zu Wochenbeginn war sie abermals DAX-Verlierer mit einem satten Minus von über sechs Prozent.

„No More Mr. Nice Guy!" Alice Cooper schrieb dieses Lied 1973, und es wurde ein großer Hit. Cooper rechtfertigt sich darin für sein Auftreten in der Maske des bösen Monsters, die er im übrigen bis heute auf der Bühne aufrechterhält. Dieses Lied dürfte Werner Baumann, dem CEO der Bayer AG, derzeit öfter in den Ohren klingen.

Der deutsche Chemie- und Pharmakonzern bietet aktuell 122 Dollar je Monsanto-Aktie, das entspricht rund 55 Milliarden Euro oder 62 Milliarden US-Dollar und einem Aufschlag von 37 Prozent gegenüber dem Monsanto-Kurs vom 9. Mai. Es wäre die mit Abstand größte Übernahme, die Bayer je getätigt hat, und auch die größte Übernahme eines deutschen Unternehmens im Ausland. Bayer will den Deal überwiegend über Kredite finanzieren und plant darüber hinaus eine Kapitalerhöhung, die etwa 25 Prozent des Transaktionswertes entspricht. Das würde auf die Ausgabe von neuen Aktien im Volumen von etwa 14 Milliarden Euro hinauslaufen.

„Als Bayer fühlen wir uns verpflichtet, durch eine nachhaltige Landwirtschaft die weltweite Versorgung einer wachsenden Weltbevölkerung mit gesunden, sicheren und bezahlbaren Lebensmitteln zu ermöglichen“, erklärte Liam Condon, Vorstandsmitglied der Bayer AG und Leiter der Division Crop Science. „Dieses Ziel können wir nur durch innovative Lösungen für die Landwirtschaft der nächsten Generation erreichen.“ Der weltweite Bereich Pflanzenschutz sowie die Zentrale der Bayer-Division Crop Science sollen weiterhin ihren Sitz in Monheim haben. Darüber hinaus will Bayer eine Sparte Digital Farming etablieren, die von San Francisco aus geführt werden soll.

Synerige-Effekte in Milliardenhöhe

Der Leverkusener Konzern geht davon aus, dass er insgesamt 1,5 Milliarden Dollar an Synergien aus der Integration von Monsanto in sein eigenes Agrochemiegeschäft erzielen kann. Die Übernahme könne daher einen Beitrag zum bereinigten Ergebnis je Aktie im mittleren einstelligen Prozentbereich bereits im ersten vollen Jahr nach Abschluss der Transaktion leisten – und einen zweistelligen Effekt in den Folgejahren.

Bei den Bayer-Aktionären kommt diese Nachricht gar nicht gut an. Viele trennten sich am Donnerstagmorgen von ihren Papieren und bescherten den Aktien einen Kursverlust von zeitweise mehr als acht Prozent. Damit kostete eine Bayer-Aktie weniger als 89 Euro – der tiefste Stand seit zweieinhalb Jahren. „Das wird Bayer wohl einiges kosten und das drückt erst mal auf den Kurs“, erklärte ein Händler die Reaktion der Anleger. Monsanto wird an der Börse derzeit mit gut 42 Milliarden Dollar – etwa 37 Milliarden Euro – bewertet.

Der Firmenwert von Bayer hat seit den ersten Gerüchten über die Kauflust des Konzerns heftig gelitten. Bayer ist am Donnerstag unter 73 Milliarden Euro wert – der Titel des wertvollsten Dax-Unternehmens ist schlagartig verloren gegangen. An der Spitze nach Börsenwert liegt jetzt SAP mit 84,4 Milliarden Euro vor Siemens 78,9 Milliarden Euro und Bayer mit gut 73 Milliarden; ganz knapp dahinter folgt die Deutschen Telekom, und zeitweise hatte Bayer den dritten Platz an die Bonner verloren und war die Nr. 4; wenn es in den nächsten tagen so weitergeht, ist der Treppchenplatz für Bayer wohl für längere Zeit dahin. Und der Spitzenplatz sowieso.

Analysten fast euphorisch: Kursziel 142 Euro

Analysten der Baader Bank bestätigen, dass Bayer für ein Zustandekommen eines Deals mit Monsanto um eine Kapitalerhöhung nicht herumkommt. Langfristig sei eine Übernahme des US-Saatgutkonzerns strategisch aber sinnvoll, schrieb Analyst Jacob Thrane in einer Studie. Er beließ die Aktien auf Hold mit einem Kursziel von 142 Euro. Weil Bayer noch keine Details bekanntgegeben habe, dürfte die Aktie des Dax-Konzerns kurzfristig unter Druck bleiben.

Auch Analyst Jeremy Redenius von Bernstein Research vertritt die Ansicht, dass sich der deutsche Chemie- und Pharmakonzern finanziell schon sehr strecken müsse, um den US-Saatguthersteller zu kaufen. Eine Abspaltung des Bayer-Agrarchemiegeschäfts nach einer Fusion könne sich aber wertsteigernd auswirken. Auch kartellrechtliche Bedenken sollten sich überwinden lassen, so Redenius. Auch er rechnet ungeachtet der fundamentalen Stärke der Bayer-Aktien kurzfristig mit Druck auf die Papiere. Der Anteil der im Streubesitz frei handelbaren Aktien ist bei Bayer extrem hoch.

Wie aus einem Brief von Bayer an die Monsanto-Führung hervorgeht, ging die Initiative für den Zusammenschluss der beiden Unternehmen von Monsanto aus. Offenbar war der US-Konzern eher an einer Übernahme der Bayer Sparte Crop Science interessiert. Nun möchte Bayer seinerseits Monsanto übernehmen: fressen, um nicht gefressen zu werden – das scheint das Motto zu sein. Hardrock im weltweiten Chemiesektor! A propos: Der größte Hit, den Alice Cooper je hatte, trägt den Titel „Poison". Schöne Grüße nach Leverkusen! Handelsblatt / Katharina Schneider / Siegfried Hofmann / sig