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Gewinn- und Absatzschwund bei BMW

Schwierige Zeiten für den deutschen Autobauer BMW: Während die Absatzzahlen in Europa wieder in altbekannte Höhen schnellen, bricht am anderen Ende der Welt in China ein wichtiger Absatzmarkt überraschend deutlich ein. Bereits seit März befindet sich die Aktie im Sinkflug. Jetzt senkten zwei große Banken den Daumen für das Papier.

BÖRSE am Sonntag

Schwierige Zeiten für den deutschen Autobauer BMW: Während die Absatzzahlen in Europa wieder in altbekannte Höhen schnellen, bricht am anderen Ende der Welt in China ein wichtiger Absatzmarkt überraschend deutlich ein. Bereits seit März befindet sich die Aktie im Sinkflug. Jetzt senkten zwei große Banken den Daumen für das Papier. 

„Menschen begeistern, konsequent führen, klar entscheiden.“ Das ist eines von Harald Krügers Leitmotiven. Und schon zwei Monate nach seiner Beförderung zum BMW-Chef kann Krüger beweisen, dass er es Ernst meint. Denn er steht vor großen Herausforderungen im Konzern. Seit Mitte März befindet sich die Aktie des bayerischen Autoherstellers BMW in einem stetigen Abwärtstrend. Von einem zwischenzeitlichen Wert von 123,70 Euro pro Aktie ist das Papier innerhalb von nur drei Monaten um knapp 25 Euro im Wert gefallen und liegt mittlerweile sogar wieder unter der wichtigen 100 Euro Marke. Der Autohersteller kämpft mit der wachsenden Konkurrenz aus der Heimat. Insbesondere die neuen Modelle aus der Fabrik von Daimler machen den Bayern auf dem Markt Konkurrenz. So konnte Mercedes jüngst mit seinen Neuentwicklungen bei der C- und S-Klasse punkten sowie mit dem kleinen Geländewagen GLA. 


Gewinneinbruch von 40 Prozent 


Insbesondere auf dem wichtigen Absatzmarkt in China beginnt der Erzrivale aus Schwaben dem bayerischen Autobauer Probleme zu bereiten. Lange Zeit hatten Volkswagen und BMW den größten Automarkt der Welt für die deutschen Autobauer dominiert. Daimler hing hinterher. Doch mit der jetzt deutlich jüngeren Produktpalette holt Mercedes mit großen Schritten auf. In den ersten sechs Monaten konnte die Marke mit dem markanten Stern auf der Motorhaube einen beachtlichen Zuwachs bei den Verkaufszahlen vermelden. Rund 21 Prozent mehr Autos verkauften die Stuttgarter als im Vorjahr. Die Münchner hingegen mussten deutliche Einbußen hinnehmen. Gab es im Vorjahreszeitraum noch ein Plus von 23 Prozent bei den Verkaufszahlen, musste sich BMW im ersten Halbjahr 2015 mit einem Zuwachs von 2,5 Prozent begnügen. Im Juni ist der Absatz des Premiumherstellers sogar das erste Mal nach über einem Jahrzehnt wieder gesunken.
 

Wenig hilfreich dürften daher auch die jüngsten Nachrichten aus dem Land des Lächelns sein. Die Chinesen kämpfen bereits seit mehreren Wochen mit einem Einbruch der Börse. Der Aufschwung in China beginnt zu stottern, die Konjuktur kühlt sich ab. All das dämpft momentan auch die Kauflaune der Chinesen. Passend dazu gibt es derzeit Probleme beim dem paritätischen Joint Venture BMW Brilliance Automotive. Sowohl in der Produktion als auch im Vertrieb arbeiten BMW und Brilliance China Automotive bei dem Projekt eng zusammen. Gerade die drastisch gestiegenen Kosten beim Vertrieb haben das Unternehmen aber nun zu einer Gewinnwarnung veranlasst.

Für das erste Halbjahr sei mit einem Einbruch des Gewinns nach Steuern und Dritten von rund 40 Prozent zu rechnen, teilte das chinesische Unternehmen in einer Mitteilung an die Börse mit. Die Anleger reagierten am Montag sofort. Die BMW-Aktie gab nach. Mittlerweile hat der deutsche Autobauer reagiert. Voraussichtlich im vierten Quartal soll der jüngst vorgestellte 7er BMW auf den Markt kommen, teilte ein Sprecher des Unternehmens in Peking mit. Zudem sei auch ein Einstiegsmodell bei den Geländewagen in Planung. Hier ist derzeit ein Aufwärtstrend bei den Verkaufszahlen erkennbar. Experten gehen sogar von einem deutlichen Anstieg der Absatzzahlen bei SUVs in China aus. 


Barclays und Goldman Sachs gehen auf Abstand


Deutlich bessere Nachrichten als aus Fernost kommen aktuell daher von dem heimischen Markt. Wie der Branchenverband Acea unter Woche bekannt gab, stieg die Zahl der Neuzulassungen in der Europäischen Union im Juni im Vergleich zum Vorjahr um 14,6 Prozent auf 1,36 Millionen. Damit wuchs der Absatz prozentual so stark wie zuletzt vor zehn Jahren. Neben den größten Märkten Frankreich und Deutschland trugen insbesondere die einstigen Krisenländer Spanien und Italien im Süden Europas zum Anstieg der Neuzulassungen bei. Damit holt der europäische Automarkt nach Jahren der Krise wieder auf die größten Märkte USA und China auf. Noch ist allerdings der chinesische Markt an der Spitze der Absatzzahlen.

Während in China im ersten Halbjahr trotz schwächelnden Zahlen im Juni 9,5 Millionen Neuwagen auf die Straße kamen, folgen die USA mit rund 8,5 Millionen und Europa mit rund 7,5 Millionen knapp dahinter.

Katerstimmung in China, Euphorie in Europa – ist das das Fazit? Nein, denn eine Entwarnung  für den heimischen Automarkt kann noch nicht gegeben werden. Einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young zufolge ist das starke Wachstum insbesondere auf ein kalendarisches Plus an Verkaufstagen zurückzuführen. In der Hälfte der europäischen Staaten habe es im Juni zwei, in der anderen Hälfte einen Verkaufstag mehr gegeben als im Vorjahr. Dennoch rechnen die Experten mit einer Fortsetzung des Trends. „Niedrige Zinsen, Rabatte, eine sinkende Arbeitslosigkeit und eine steigende Konsumbereitschaft treiben die Erholung an", heißt es in der Studie.

Unter den Anlegern hatte die Nachricht von den anziehenden Automärkten in Europa zwischenzeitlich für eine positive Stimmung gesorgt, alle drei Aktien der großen deutschen Autobauer konnten zulegen. Zum Ende der Woche kühlte sich das Klima jedoch wieder ab. Die BMW-Aktie schloss am Freitag mit einem Minus von 0,17 Prozent und ist nun nur noch 77 Cent von der 95 Euro-Marke weg. Für Verunsicherung sorgten vor allem die Nachrichten aus den Häusern Barclays und Goldman Sachs. Beide Investmentbanken senkten ihr Kursziel für die BMW-Aktie. Der Analyst Stefan Burgstaller von der US-Investmentbank reduzierte seine Gewinnprognose für die Jahre 2015 bis 2018 um durchschnittlich fünf Prozent. Das Kursziel reduzierte er von 101 auf 92 Euro und beließ die Einstufung auf „Sell“. Analystin Kristina Church von Barclays wiederum reduzierte das Kursziel von 115 auf 111 Euro und hat die Einstufung auf „Equal Weight“ belassen. Beide Analysten gaben als Grund die steigenden Herausforderungen für den Autobauer insbesondere in China an. Church geht sogar davon aus, dass sich die Aktie kurzfristig nicht mehr überdurchschnittlich entwickeln werde.

Robin Schenkewitz