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BMW: Kampf mit dem Drachen

Schlechte Nachrichten aus der chinesischen Wirtschaft haben auch zu Beginn des Jahres wieder zu starken Turbulenzen im DAX geführt. Vor allem Automobilaktien sind schwer getroffen, die VW-Abgasaffäre gestaltet sich zudem noch schwieriger als erwartet. Trotzdem feiert BMW die fünfte Absatzsteigerung in Folge. Das Unternehmen läuft, die Branche wankt.

BÖRSE am Sonntag

Schlechte Nachrichten aus der chinesischen Wirtschaft haben auch zu Beginn des Jahres wieder zu starken Turbulenzen im DAX geführt. Vor allem Automobilaktien sind schwer getroffen, die VW-Abgasaffäre gestaltet sich zudem noch schwieriger als erwartet. Trotzdem feiert BMW die fünfte Absatzsteigerung in Folge. Das Unternehmen läuft, die Branche wankt.

Die Automobilindustrie, die seit Jahren Zugpferd des deutschen Wohlstandes ist und als Qualitätsmerkmal in die ganze Welt exportiert wird, erlebt eine schwere Krise. China, der weltweit größte Automarkt, schlittert in einen Wirtschaftsabschwung. Nachdem sich die Anzeichen schon im vergangenen Jahr verdichteten, scheint nun klar zu sein: Das jahrelange Wachsen hat ein Ende. Die Abwertung des Yuan nutzt zwar der exportabhängigen Wirtschaft, ist aber für Investoren ein schlechtes Zeichen. Da liegt die Vermutung nahe, die Regierung bekomme die wirtschaftlichen Probleme nicht in den Griff. Die enttäuschenden Zahlen aus der chinesischen Industrie bestätigten die Reaktionen vieler Anleger, Wertpapiere aus dem Reich der Mitte zu meiden. Nach Jahrzehnten des Aufschwungs rechnen viele Experten mit langfristig stagnierenden Zahlen. "Ein Markt, der lange durch starkes Wachstum und hohe Margen geprägt war, wird zu einem normalen Markt mit geringem und volatilem Wachstum sowie stark sinkenden Margen", schreibt etwa die Unternehmensberatung JSC Automotive in einer Analyse der chinesischen Autobranche.

Neben der schwächelnden chinesischen Wirtschaft, die die Autobauer jetzt schon Milliarden kostet und noch mehr kosten wird, überschattet vor allem der Abgasskandal die Branche. VW-Chef Müller reiste vergangene Woche in die Vereinigten Staaten, um mit Gina McCarthy, der Chefin der amerikanischen Umweltbehörde EPA, über einen Deal zu verhandeln. Denn die VW-Aktie verlor im Zuge des Skandals, also seit September 2015, über 30 Prozent an Wert. Er erschütterte aber auch die restliche Autowelt, weshalb Papiere der anderen Autobauer auch nicht an Fahrt aufnehmen konnten. Für Renault könnte es sogar ganz bitter kommen. Französische Behörden haben überraschend eine Razzia durchgeführt. Der Verdacht: Manipulation der Abgaswerte. Die Aktie brach ein, Renault verlor in kürzester Zeit rund fünf Milliarden Euro an Börsenwert. Und das, obwohl die Razzia keine Hinweise auf manipulierte Werte ergab. Die Angst ist einfach groß.

Die Gemütslage bei den Bayrischen Motoren Werken (BMW) ist zwiegespalten. Neueste Zahlen für das abgelaufene Jahr 2015 bestätigen, dass BMW den ersten Platz der Oberklasse verteidigt. Die drei Marken BMW, Mini und Rolls-Royce verkauften weltweit knapp 2,25 Millionen Fahrzeuge – 6,1 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Kernmarke BMW legte rund 5,2 Prozent zu, auf knapp 1,91 Millionen Fahrzeuge. Mit einem Vorsprung von 33.700 Fahrzeugen verweist BMW den Premium-Konkurrenten Daimler auf den zweiten Rang. Das Stuttgarter Unternehmen verkaufte in 2015 gut 1,87 Millionen Autos seiner Kernmarke Mercedes-Benz. Damit schoben sich die Schwaben an Audi vorbei, die mit rund 1,8 Millionen Autos nun auf dem dritten Rang stehen.

Grund für den erneuten Erfolg ist der neue Absatzrekord. Die BMW Group hat zum fünften Mal in Folge Rekordabsätze gefeiert. Besonders erfreulich sind die i-Modelle. BMW hat als einer der ersten großen Autoherstellern konsequent auf Elektrofahrzeuge gesetzt, was das Unternehmen bis jetzt zwar viele Millionen gekostet hat. So langsam scheint das Geschäft aber in Fahrt zu kommen. Ein Plus von 65,9 Prozent in 2015 im Vergleich zum Vorjahr ist ein riesiger Erfolg dieser Sparte. Die 29.513 verkauften Elektroautos sind im Vergleich zu 1,9 Millionen anderen dabei immer noch ein geradezu niedlich wirkender Anteil. Erfreulich ist er trotzdem.

Währenddessen lieferte Rolls-Royce 2015 nur 3.785 Fahrzeuge und damit ein Minus von 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. MINI war da deutlich erfolgreicher. 338.466 verkaufte Autos und ein Plus von zwölf Prozent machen MINI zum schnellst wachsenden Teil des Unternehmens. Das Zugpferd für die fünfte Steigerung in Folge waren mal wieder die europäischen Märkte. In vielen Ländern konnte ein zweistelliges Wachstum erzielt werden, so etwa in Großbritannien, viertgrößter Markt für die BMW Group, mit einem Wachstum von 12,7 Prozent (230,652 Einheiten). In Frankreich gab es sogar eine Steigerung um 15 Prozent (77,577), die nur von Spanien um 19,2 Prozent (45.550) überboten wurde. Der US-amerikanische Markt dagegen konnte nur 2,8 Prozent zulegen, also 494,629 Fahrzeuge verkaufen.

Von einer chinesischen Krise zu sprechen, fällt bei einer Steigerung der Verkäufe sehr schwer. Mit 1,7 Prozent ist diese aber so gering wie in kaum einem anderen Land. In den vergangenen Jahren war China immer einer der erfolgreichsten Absatzmärkte. 463,736 verkaufte Fahrzeuge zeigen, wie abhängig BMW vom chinesischen Markt ist. Insgesamt konnte BMW also in fast allen Bereichen deutliche Steigerungen erzielen, auch bei den Motorrädern und Maxi-Scootern gab es einen Zuwachs von 10,9 Prozent. Trotz der erfreulichen Zahlen ist die Stimmung im Umfeld des Automobilgiganten nicht gut. Seit Jahresbeginn verlor die Aktie mehr als zwölf Prozent. Nach einem durchwachsenen Jahr 2015 ohne Kursgewinne, erscheint kurzfristige Besserung nur in Sicht, sollten sich die chinesischen Probleme wieder einfangen lassen.

Langfristig sollten aber auch Anleger erkennen, dass in Oberbayern gute Arbeit geleistet wird und auch Schwankungen im Reich der Mitte BMW nicht aus der Bahn werfen können. Für die Zukunft ist BMW - gerade wegen seiner Elektrofahrzeuge - von allen deutschen Automobilbauern wohl am besten aufgestellt. Außerdem ist es rund um den Münchener Konzern, trotz aufgewühlter Lage, recht ruhig. Auch Experten sehen die Lage nur kurzfristig bedenklich. Analysten der US-Investmentbank Morgan Stanley stufen BMW auf „Overweight“ ein. Die Unsicherheit in der Konjunktur habe die Rallye bei Autoaktien wieder zunichte gemacht, schrieb Harald Hendrikse in einer Branchenstudie. Kurzfristig seien Autowerte ausverkauft. Qualitätswerte wie BMW rate er aber weiter zum Kauf. Sie sollten sich auch bei fallenden Märkten gut entwickeln.

Der 7. März 1916 gilt als das offizielle Gründungsdatum der Bayrischen Motorenwerke AG. In diesem Jahr feiert BMW sein 100-jähriges Bestehen. 100 Jahre Autobauer, 100 Jahre Qualität, 100 Jahre Erfolg. Trotz schwieriger Marktumstände wird BMW zuversichtlich auf die nächsten 100 Jahre blicken können. Die Branche wankt, BMW wird in der Spur bleiben. VAL