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Störrische Rohstoffe

Beispiel Sojabohnen 5-Minuten-Chart

Beispiel Sojabohnen 5-Minuten-Chart


Rohstoffmärkte sind relativ alt und daher Gegenstand vieler Diskussionen in der Fachliteratur. Noch vor den Aktien waren Rohstoffe das erste, wofür es eines geregelten Marktes bedurfte. Und anders als Aktien werden hier Angebot und Nachfrage physisch wirksam. Vergleichen wir sie einmal mit Aktien. Der Wert einer Firma setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen.

Neben den Sachwerten wie Immobilien, Fuhrpark und Produktionseinrichtungen besitzt die Firma Produktionsmittel und fertige Produkte im Lager. Hinzu kommen die Mitarbeiter, deren Wissen einen intellektuellen Wert darstellt. Patente und Neuentwicklungen haben ebenfalls ihren Wert. Alle drei Monate liefern börsennotierte Unternehmen einen Quartalsbericht ab, aus dem sich der Firmenwert ablesen lässt. Doch damit nicht genug. Die Planung für die Zukunft, die Erwartung von Gewinnen, all das fließt ebenfalls in die Bewertung mit ein. Ergebnis ist der Unternehmenswert, der durch den Aktienkurs bruchteilhaft dargestellt wird. Doch jeden Tag kommen und gehen Mitarbeiter, werden neue Produkte produziert, neue Ideen entwickelt oder Märkte erobert. Tatsache ist: Niemand kann letztlich sagen, wie hoch der Wert des Unternehmens eigentlich ist. Er bleibt ein rechnerischer Wert.

Bei Rohstoffen stellt sich ein völlig anderes Bild dar. Firmen können schließen und von der Börse verschwinden. Andere werden ihren Platz einnehmen. Niemand "braucht" wirklich Aktien für sein tägliches Leben. Rohstoffe werden jedoch verbraucht. Für sie besteht eine physische Nachfrage. Ihre Produktion und Verwendung sind wesentlich besser dokumentiert als die Zukunft einer Firma. Wir wissen nicht, wie viele Firmen in Zukunft Öl produzieren oder verarbeiten werden, doch wir wissen, dass es sie geben wird, weil ein echter Bedarf für Öl und seine Produkte besteht. Diese Eigenschaft führt bei Rohstoffen oft zu langen Trends, die bei Aktien selten sind. Wer wie bei Aktien auf ein Retracement setzt, nachdem ein Rohstoff stark gefallen ist, der dürfte enttäuscht feststellen, dass der Rohstoff meistens am nächsten Tag noch weiter fällt.

Diese Eigenheit der oft unbeirrten Kursfortsetzung lässt sich nutzen. Dabei ist es von Vorteil, wenn ein Trend vorliegt. Eröffnet der Markt zum Beispiel für Sojabohnen um 10.30 Uhr vormittags in New York (Chicago: 9.30, London: 15.30, Frankfurt: 16.30), so werden zunächst die Orders ausgeführt, die sich seit dem nächtlichen Handel in Asien angesammelt haben. Nach 15 Minuten (drei Kerzen) ebbt die Orderflut ab, und der Kurs beginnt oft eine Bewegung in die dominierende Handelsrichtung. Ein Ausbruch nach unten wie in unserem Chart der Sojabohnen ist die Folge. So lassen sich bereits in den ersten ein bis zwei Handelsstunden auch im Daytrading mit Rohstoffen Gewinne erzielen.

26.03.2010 | 00:00

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