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Pictet Emerging Corporate Bonds: Volumenstarker Neuling

Mit Staatsanleihen aus den Schwellenländern haben Anleger aus den Industriestaaten bis auf die Ausnahme Argentinien seit der Jahrtausendwende gute Erfahrungen gemacht. Nun interessieren sie sich vermehrt für Corporate Bonds aus den wachstumsstarken Volkswirtschaften. Um die Risiken zu streuen, empfiehlt sich der Einstieg via Fonds. Die Investment-Gesellschaft Pictet brachte im November 2012 den Pictet Emerging Corporate Bonds auf den Markt. Der Fonds sammelte seitdem schon rund 600 Mio. Dollar ein.

BÖRSE am Sonntag

Das Anlagesegment Emerging Markets Corporate Bonds wächst schnell. Ende 2012 haben Unternehmen aus Brasilien, Russland und anderen aufstrebenden Wirtschaftsnationen zusammen Anleihen im Volumen von über 800 Mrd. Dollar emittiert. Im Jahr 2000 waren es gerade mal 76 Mrd. Euro. Die überwiegend auf Dollar lautenden Papiere stoßen auf steigendes Investoreninteresse. „Die Unternehmen der Schwellenmärkte weisen im Vergleich zu jenen der Industrieländer eine niedrigere Verschuldung und höhere Erträge auf“, erklärt Alain-Nsiona Defise, Fondsmanager des Pictet Emerging Corporate Bond. Die Bonds, die im Schnitt eine Prämie von 64 Basispunkten gegenüber Corporate Bonds aus Europa oder den USA aufweisen, sind seiner Meinung nach sicherer, als viele Anleger zunächst glaubten. So würden rund 70% der Bonds mit Investment Grade beurteilt. Zudem fielen die Ausfallraten von EM High Yield Bonds im Vergleich zu entsprechenden US-amerikanischen oder europäischen Papieren geringer aus.

Proteine fürs Depot

Auch gewinnen die Unternehmen zunehmend an Transparenz. Defise verweist auf das brasilianische Unternehmen JBS, dem heute weltgrößten Unternehmen für tierische Proteine. Noch im Jahr 2006 veröffentliche der seinerzeit nicht gelistete Familienbetrieb keinen Geschäftsbericht. Heute notiert JBS im Bovespa, die Marktkapitalisierung beträgt 10 Mrd. Dollar, und beschäftigt zwei Investor Relations Manager.

Die Auswahl der Werte – in rund 112 Titel wird investiert – erfolgt nach dem Bottom-up-Ansatz. Defise und sein Team interessieren sich dabei vor allem für die Fundamentaldaten des Unternehmens wie Cashflow, Verschuldung und Geschäftsaussichten. Bei der Zusammenstellung achten sie auf eine breite Streuung nach Branchen und Ländern. Derzeit hoch gewichtet sind unter anderem Konsum, Öl und Gas sowie Finanzwerte. Im zweiten Schritt wird das Portfolio auf eventuelle makroökonomische Risiken wie Inflation oder Einbruch der Rohstoffpreise überprüft.  14% der Mittel sind derzeit in chinesischen Papieren investiert, auf Russland entfallen über 11%, brasilianische und mexikanische Unternehmensanleihen sind mit 11% beziehungsweise 8% gewichtet.

Ziel des Fonds ist, pro Jahr mindestens 2% (vor Gebühren) besser abzuschneiden als der JPMorgan Cembi Broad Diversified. Die dazu notwendige Expertise bringt Defise mit. Bei JPMorgan betreute er bereits EM-Corporate-Bonds-Mandate in Höhe von 2 Mrd. Dollar.

Kein Track Record

Frei von Risiken ist der Fonds jedoch nicht. EM Corporate Bonds lauten auf Dollar. Der Greenback aber sinkt aufgrund der lockeren Geldpolitik der US-Notenbank gegenüber dem Euro zusehends.  Zudem droht sich in dem Anlagesegment aufgrund des großen Interesses allmählich eine Blase zu bilden. Ein schneller Rückzug würde dann aber Kursverluste mit sich bringen. Vor allem aber: Dem Fonds fehlt bislang noch der Erfolgsbeweis. Der Pictet Emerging Corporate Bond eignet sich daher nur für risikofreudige Anleger. Aber auch diese müssen sich nicht sofort engagieren. Auch wenn es Renditepunkte kostet: Eine Bewährungsfrist von einigen Monaten sollte man dem Fonds einräumen.