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Aufwärtstrend in Down Under?

S&P / ASX 200

S&P / ASX 200


Aufgrund seines Reichtums an natürlichen Bodenschätzen profitierte Australien von der weltweit gestiegenen Nachfrage nach Rohstoffen und erlangt als Rohstofflieferant für China eine immer größere Bedeutung. Mit China und Japan bestreitet der fünfte Kontinent rund ein Drittel seines Warenverkehrs. Zu den wichtigsten Exportgütern zählen neben Kohle – bei Steinkohle ist Australien seit Mitte der 80er Jahre weltweit der größte Exporteur – Eisenerz, Gold, Erdöl und Erdölprodukten auch landwirtschaftliche Produkte wie z.B. Wein. Bestimmt wird Australiens Wirtschaft vom Dienstleistungssektor, welcher im Jahr 2008 über 80% zum BIP beitrug. Größte Einzelbereiche des Dienstleistungssektors waren dabei die Bereiche Finanzen, Immobilien und Unternehmensdienstleistungen.

Konsum als Stütze in der Krise

Die 21,1 Mio. Einwohner Australiens zeigten sich in den letzten Jahren sehr konsumfreudig, was das starke Wirtschaftswachstum zusätzlich unterstützte und dem Land eine durchschnittliche BIP-Wachstumsrate von 3,1% in den zurückliegenden acht Jahren bescherte. Davon profitierte natürlich auch der Aktienmarkt. Doch der weltweiten Rezession als Folge der Finanzkrise konnte sich auch Australiens Wirtschaft nicht entziehen, und so sank die Wirtschaftsleistung im Dezemberquartal 2008 erstmals seit Dezember 2000 wieder. Dennoch reichte es 2008 noch für eine Wachstumsrate des BIP von real 2,1%. Im laufenden Jahr rutsche die australische Wirtschaft jedoch erstmals seit 1991 wieder in eine Rezession. Für das Gesamtjahr 2009 wird mit einem Rückgang des BIP um 1,4% gerechnet. Hauptursachen dafür waren der weltweit gesunkene Bedarf an Rohstoffen sowie die rückläufige Nachfrage aus Australiens größten Exportmärkten Japan und den asiatischen Schwellenländern. Nach aktuellen Schätzungen ist für das Jahr 2010 mit einem BIP-Wachstum von 1,0% zu rechnen. Ab dem Jahr 2011 sollen dann wieder Wachstumsraten im Bereich um 3,0% erzielt werden. Nach Jahren des wirtschaftlichen Booms wird es somit bis 2011 dauern, um ähnliche Wachstumsraten wie vor der Finanzkrise zu erzielen. Die verschlechterte wirtschaftliche Entwicklung hat sich auch auf den australischen Arbeitsmarkt niedergeschlagen, wo die Arbeitslosenquote ausgehend von 4,0% im Juli 2008, im März 2009 auf 5,7% anstieg und im Jahr 2010 bis zu 6,5% erreichen soll.

Um die Auswirkungen der Finanzkrise abzumildern und den wirtschaftlichen Abschwung zu dämpfen, reagierte die Reserve Bank of Australia (RBA) mit massiven Zinssenkungen und senkte den Leitzins ausgehend von einem Zinsniveau von 7,25% Anfang August 2008 bis April 2009 auf 3,0%. Doch die seit dem zweiten Quartal zu verzeichnende Verbesserung der weltweiten konjunkturellen Lage wirkte sich auch auf Australiens Wirtschaft positiv aus, welche dank der wieder erstarkten Nachfrage aus China einer nachhaltigen Rezession entgehen könnte. Darauf deuten auch die überraschenden Leitzinserhöhungen der RBA hin, die Anfang Oktober 2009 den Leitzins um 25 Basispunkte anhob. Gleichzeitig deutete Notenbankchef Glenn Stevens an, dass die Erhöhung höchstwahrscheinlich nur der Beginn einer Serie ist, da das Risiko eines beträchtlichen konjunkturellen Abschwungs in Australien jetzt nicht mehr bestehe und eine bedachte und schrittweise Anpassung der Währungspolitik in Planung sei. In der vergangenen Woche erhöhte die RBA den Leitzins dann erneut um 25 Basispunkte auf nunmehr 3,50%.

Der S&P / ASX 200-Index

Der im April 2000 aufgelegte S&P / ASX 200-Index bildet die Wertentwicklung der 200 größten nach Marktkapitalisierung und Freefloat an der Australian Securities Exchange (ASX) gehandelten Unternehmen nach. Der Index deckt dabei knapp 80% der australischen Marktkapitalisierung ab und gilt neben dem All Ordinaries als wichtiges Barometer für den australischen Aktienmarkt. In den Index werden neben australischen auch ausländische Unternehmen aufgenommen, sofern sie an der ASX notiert sind. Darüber hinaus muss ein Titel in den letzten sechs Monaten einen Platz unter den Top 200 nach Marktkapitalisierung sowie einen Freefloat von mindestens 30% aufweisen, um bei der Aufnahme in den S&P / ASX 200 berücksichtigt zu werden. Zudem müssen die Aktien jedes Indexmitglieds aktiv und regulär an der ASX gehandelt werden. Die Anpassung der Zusammensetzung und Gewichtung des S&P / ASX 200-Index erfolgt quartalsweise am dritten Freitag in den Monaten März, Juni, September und Dezember. Das größte Gewicht im Index hat die Finanzbranche mit einem Anteil von 41,52%, gefolgt von der Rohstoffbranche, die es auf einen Indexanteil von 23,95% bringt. Dies spiegelt sich auch bei den größten Einzelwerten im Index wider. So finden sich unter den fünf gewichtigsten Indexmitgliedern mit BHP Billiton (11,99%), Commonwealth Bank (7,54%), Westpac Banking Corporation 6,97 (Prozent), National Australia Bank Ltd. (5,87%) sowie der Australia & New Zealand Banking Group Ltd. (5,33%) ein Rohstoffkonzern und gleich vier Banken. Diese Verteilung hat die Entwicklung des Index begünstigt, denn nach dem Einbruch zu Jahresbeginn gehörten Rohstoffe und Banken zu den Branchen, die sich überproportional erholen konnten. So legte der S&P / ASX 200 seit seinem Tief bei 3.073,10 Punkten Ende März 2009 auf 4.594,00 Punkte (Stand 06.11.2009) und damit um knapp 50% zu.

Fazit:

Aufgrund der Stabilisierung der Exportnachfrage sollte Australiens Wirtschaft im Jahr 2010 wieder deutlicher zulegen können, wobei das Ausmaß einer konjunkturellen Belebung entscheidend davon abhängt, wann die weltweiten Konjunkturprogramme Wirkung zeigen. Im Länder-Kredit-Rating des “Institutional Investor“ vom März 2009 rangiert Australien mit 86,7 von 100 Punkten auf Platz 16 unter 177 Ländern. Anleger, die in den australischen Markt investieren möchten, können mit dem ETF von db x-trackers auf den S&P / ASX 200-Index derzeit nur auf einen Indexfonds zurückgreifen, der direkt in Australien investiert.

11.12.2009 | 00:00

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