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Goldene Zeiten für Anleger?

Gold

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Doch für Anleger gilt Gold vor allem wegen seiner Wertbeständigkeit als krisensicher und besitzt unter dem Gesichtspunkt der Portfolioallokation und als Schutz vor Inflation einen wichtigen Stellenwert. Zwar bewegt sich die Inflation in Europa oder den USA derzeit noch auf einem sehr niedrigen Niveau, trotzdem ist dieses Problem nur aufgeschoben, denn mit einer Erholung der Konjunktur wird auch die Teuerung wieder zulegen.

Goldpreis erklimmt neues Allzeithoch

Nach einem Hoch bei 1.032 US-Dollar im März 2008 kam es bei Gold zu einer Korrektur, welche das Edelmetall auf 680,50 US-Dollar zurückwarf. Die anschließende Erholung führte auf 1.006 US-Dollar, wo die Kursnotierung auf Widerstand traf und daraufhin konsolidierte. Das dabei gebildete symmetrische Dreieck wurde Anfang September 2009 durch einen Anstieg über die obere Begrenzung bullish aufgelöst. Damit wurde die vorherige Aufwärtsbewegung bestätigt und kann sich nun in Richtung 1.135 US-Dollar fortsetzen. In dieser Woche markierte Gold mit 1.051 US-Dollar ein neues Allzeithoch. Das alte Hoch bei 1.032 USDollar dient nun als Unterstützung. Unter das letzte Zwischentief bei 984 US-Dollar sollte der Preis für das Edelmetall jedoch nicht mehr zurückfallen.

Minenbetreiber lösen Absicherungen auf

Angesichts der positiven Entwicklung des Goldpreises hat die weltweit größte Goldminengesellschaft Barrick Gold jüngst angekündigt, ihre Hedging-Bücher innerhalb der nächsten zwölf Monate schließen zu wollen. Um die Absicherungsgeschäfte gegen einen fallenden Goldpreis rückgängig zu machen, sollen drei Millionen Feinunzen Gold zurückgekauft werden. Darüber hinaus will man weitere 6,5 Millionen Feinunzen an variablen Kontrakten teilweise auflösen. Auch Anglogold Ashanti, weltweit die Nummer drei unter den Goldminengesellschaften, will ihre Hedging-Bücher um 800.000 Unzen verkleinern und bis 2014 sogar ganz schließen, was dafür spricht, das die Minenbetreiber künftig zumindest mit einem stabilen Goldpreis rechnen. Auf der anderen Seite befürchtet die indische Schmuckindustrie negative Folgen durch den Anstieg des Goldpreises für die dortige Schmucknachfrage. So rechnet der größte Schmuckproduzent des Landes mit einer erheblich schwächeren Nachfrage in der diesjährigen Feiertagssaison, sofern der Goldpreis nicht auf 960 bis 970 USDollar zurückfällt. Im September hatte Indien noch bis zu 50 Tonnen Gold importiert.

IWF verkauft Gold

Zu einer nur kurzfristigen Belastung führte die Ankündigung des Internationalen Währungsfonds (IWF), aus seinen Beständen 403 Tonnen Gold verkaufen zu wollen, um den Erlös von etwa 13 Mrd. US-Dollar zur Entschuldung armer Länder einzusetzen. Die Auswirkungen des Verkaufs auf den Goldpreis sollen dabei jedoch gering gehalten werden. So will der IWF vor allem unter den Notenbanken und großen Geschäftsbanken nach Abnehmern suchen und den Rest möglichst marktschonend platzieren. Auch China wird als Interessent für die Goldbestände des IWF gehandelt, denn das Land ist bestrebt, einen Teil seiner in US-Dollar gehaltenen Währungsreserven von rund zwei Billionen US-Dollar in Gold umzuschichten und tritt am Goldmarkt daher verstärkt als Käufer auf. In den vergangenen Jahren hat das Reich der Mitte seine Goldreserven bereits deutlich erhöht. Wie die staatliche Devisenbehörde jüngst berichtete, hat man die Bestände seit 2003 von 600 auf mehr als 1000 Tonnen ausgebaut. Damit ist China in den exklusiven Club der fünf größten Goldbesitzer weltweit vorgestoßen und hat dabei die Schweiz, Japan und die Niederlanden hinter sich gelassen. Da die Devisenreserven in US-Dollar aufgrund des schwachen Dollars gegenüber anderen Währungen an Wert verlieren, will sich China durch den Kauf von Gold vor einem weiteren Wertverfall schützen, denn der Goldpreis und der US-Dollar korrelieren in der Regel negativ zueinander. Angesichts der milliardenschweren Neuverschuldung der USA, welche aus den Rettungspaketen für die amerikanischen Banken und die Stimulierung des Wirtschaftswachstums resultieren, dürfte eine neue Stärke des Dollars erst mit einem deutlichen Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft einhergehen. Aber selbst dann liegt ein starker Dollar nicht unbedingt im Interesse der exportierenden amerikanischen Unternehmen.

Der AMEX Gold Bugs-Index

Anleger haben die Möglichkeit, in Form eines Direktinvestments in Gold an der Preisentwicklung des Edelmetalls zu partizipieren. Dafür werden jedoch hohe Gebühren fällig, zudem besteht das Problem der sicheren Aufbewahrung. Eine Alternative besteht in einem Investment in Goldaktien oder in Indizes, die vorwiegend Unternehmen beinhalten, deren Geschäftszweck in der Exploration oder Verarbeitung von Gold liegt. Ein solcher Index ist der AMEX Gold Bugs-Index (HUI), in den nur Goldminenproduzenten aufgenommen werden dürfen, die begrenzt Goldverkäufe zu Absicherungszwecken vornehmen und ihre Goldproduktion nicht länger als 18 Monate im Voraus auf Termin zu einem festgelegten Termin verkauft haben. Durch diese Einschränkung der Hedgingverkäufe soll die Kursentwicklung der Goldminenaktien stärker an die des Goldpreises gebunden werden. Der Index wird von der American Stock Exchange vierteljährlich angepasst, die drei größten Werte im AMEX Gold Bugs-Index sind Barrick Gold, Newmont Mining und Goldcorp. Da Gold ebenso wie die Aktien der Goldminenunternehmen in US-Dollar notiert, müssen Anleger, die ein Investment in Betracht ziehen, beachten, dass sie neben dem Kursrisiko auch das Wechselkursrisiko tragen. Aufgrund der negativen Korrelation zwischen der Goldpreis- und Dollarkursentwicklung können die Kursgewinne für Anleger aus dem Euro-Währungsraum durch eine gleichzeitige Abwertung des US-Dollars geschmälert werden.

Fazit

Sowohl für steigende als auch für fallende Goldpreise lassen sich Argumente finden. Im Sinne einer ausgewogenen Diversifikation des Portfolios und unter dem Aspekt des Kapitalerhalts können Anleger einen Teil ihres Geldes in Gold investieren. Investoren mit kurzfristigerem Anlagehorizont können indes von den derzeitigen Wertsteigerungen getreu dem Motto „The trend is your friend“ profitieren.

20.10.2009 | 00:00

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