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Neue Hoffnung am Bosporus?

DJTR 20 - Stand: 17.07.2009

DJTR 20 - Stand: 17.07.2009


Die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise haben indes auch die türkische Wirtschaftsentwicklung erheblich beeinträchtigt. So wurde die bereits im 2. Halbjahr 2007 eingetretene konjunkturelle Abschwächung durch die negativen globalen Auswirkungen der Finanzkrise im Jahr 2008 weiter verstärkt. Neben einem starken Rückgang der Auslandsinvestitionen, die 2008 um über 23% gegenüber dem Vorjahr zurückgingen, mussten auch der türkische Aktienmarkt und die türkischen Lira herbe Wertverluste hinnehmen. Besonders stark betroffen ist die Industrieproduktion, die aufgrund deutlicher Auftragsrückgänge einen schweren Einbruch erlitten hat. Dies schlägt sich auch in der Zahl der Beschäftigten nieder. Lag die Arbeitslosenquote 2007 noch bei 10,1%, stieg sie 2008 auf 11,5% an. Für 2009 wird ein weiterer Anstieg auf 12,0% erwartetet. Zusätzlichen Druck übten in den letzten Jahren erhöhte Preissteigerungen aus. So stieg die Inflationsrate von 8,4% im Jahr 2007 auf 11,8% im vergangen Jahr an. Besonders preistreibende Faktoren waren dabei die globalen Energie- und Nahrungsmittelpreise. Dies veranlasste die Notenbank dazu, die geldpolitischen Zügel anzuziehen und den Leitzins zwischenzeitlich auf 16,75% heraufzuschrauben. Doch aufgrund der sich eintrübenden konjunkturellen Perspektiven waren die Notenbanker gezwungen, einen Wechsel in ihrer Zinspolitik vorzunehmen und senkten den Leitzins ab November 2008 schrittweise auf nunmehr 8,75%, um das Wachstum zu stimulieren. Von Seiten der Inflation droht aktuell kein Störfeuer, denn für 2009 erwartet die türkische Regierung einen Rückgang der Inflationsrate auf 6,9%. Weitere Hoffung für die Wirtschaft kommt vom Export. Während sich das Wachstum der binnenwirtschaftlichen Nachfragekomponenten 2008 abschwächte, blieb das Exportwachstum bei rund 20% relativ stabil. Nachdem das reale BIP 2007 um 4,6% zulegte, stand 2008 nur noch ein reales Plus von 3,4% zu Buche. Für 2009 wird mit einem Zuwachs von immerhin noch 2,3% gerechnet.

Obwohl die Türkei durch die bisherigen Reformen und Restrukturierungen robuster gegenüber externen Schocks ist als noch vor wenigen Jahren, hat das Land wegen seines hohen Leistungsbilanzdefizits, das 2008 bei 5,6% des BIP lag, sowie der gestiegenen Auslandsverschuldung weiterhin externen Finanzierungsbedarf und ist auf ausländische Investoren angewiesen. Doch aufgrund der Finanzkrise belastet die türkischen Banken, welche sich in den vergangenen Jahren stark im Ausland verschuldet haben, die derzeit restriktive Kreditvergabe an den weltweiten Finanzmärkten. Nicht zuletzt aus diesem Grund verhandelt die Regierung derzeit mit dem IWF über den Abschluss eines neuen Beistandsabkommens mit einer neuen Kreditlinie in einer Größenordnung von 20-30 Mrd. Dollar. Damit benötigt die Türkei nun nahezu so viel wie in den vorherigen IWF-Programmen der Jahre 2002-2008, welche Kredite von insgesamt 41 Mrd. Dollar umfassten.

Hoffnung EU-Beitritt

Der mögliche Beitritt der Türkei zur Europäischen Union stößt bei den Mitgliedsstaaten bisher auf ein geteiltes Echo. Mit der Empfehlung zur Aufnahme sendete die EU-Kommission allerdings ein deutlich positives Signal Richtung Ankara und honorierte damit den eingeschlagenen Reformprozess des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Seit seinem Amtsantritt hat dieser die Vollmitgliedschaft als oberstes Ziel ausgerufen und zu diesem Zweck zahlreiche Reformen, insbesondere auf dem Gebiet der Menschenrechte (Abschaffung der Todesstrafe, Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau), auf den Weg gebracht und die wirtschaftliche Restrukturierung vorangetrieben. So lag das Wirtschaftswachstum der Türkei in den letzten Jahren deutlich über dem EUDurchschnitt. Auch wenn die Türkei die wirtschaftlichen und geldpolitischen Beitrittskriterien noch nicht erfüllt, zeigt der Trend in die richtige Richtung, wie die erfolgreiche Bekämpfung der einstmals horrenden Inflationsraten von mehr als 100% verdeutlicht. Zugleich ist die Fortsetzung des wirtschaftspolitischen Reformkurses unverzichtbar, um die Wettbewerbsfähigkeit der Türkei weiter zu verbessern und die EU-Beitrittsverhandlungen zu beschleunigen.

Investieren in die Titanen der Türkei

An der wirtschaftlichen Entwicklung der Türkei können Investoren mit ETFs teilhaben. Die derzeit angebotenen ETFs beziehen sich auf den MSCI Turkey sowie den DJ Turkey Titans 20. Dieser versammelt die 20 größten und liquidesten Werte der Istanbul Stock Exchange. Einmal im Monat werden die Top-Unternehmen zunächst nach Marktkapitalisierung und anschließend nach dem durchschnittlichen täglichen Handelsvolumen der letzten zwölf Monate aufgelistet. Während die Anteile der jeweiligen Titel am Index quartalsweise angepasst werden, wobei eine Kappungsgrenze von 10% gilt, werden Änderungen in der Indexzusammensetzung von Dow Jones nur einmal im Jahr, am dritten Freitag im März, vorgenommen. Da der Dow Jones Turkey Titans 20 aus demselben Auswahluniversum schöpft, wie der Leitindex der Istanbul Stock Exchange, der ISE National 30, finden sich hier nahezu die gleichen Werte wieder, wobei die Banken mit einem Anteil von mehr 50% das höchste Gewicht unter den einzelnen Branchen aufweisen, gefolgt von Telekommunikation sowie Öl und Gas. Durch ein Investment in den DJ Turkey Titans 20 erhalten Anleger einen diversifizierten Zugang zum türkischen Aktienmarkt. Allerdings unterliegen sie dabei den Währungsrisiken aufgrund von Wechselkursschwankungen zwischen der Türkischen Lira und dem Euro, da die dem Index zugrunde liegenden Werte in Türkischen Lira angegeben werden. Der Wert des Anteils kann daher aufgrund der Entwicklung des Wechselkurses variieren, auch wenn der DJ Turkey Titans 20™-Index im selben Zeitraum unverändert bleibt.

Fazit

Auch die makroökonomischen Rahmenbedingungen der türkischen Wirtschaft haben sich im Zuge der globalen Finanzkrise zuletzt verschlechtert. Dem steuert die Notenbank seit November 2008 durch eine starke Senkung des Zinsniveaus entgegen. Werden zudem die Strukturreformen der letzten Jahre konsequent fortgesetzt und der makroökonomische Stabilisierungskurs beibehalten, bleiben die mittelfristigen Wachstumsperspektiven der Türkei – insbesondere im Licht eines möglichen EU-Beitritts – aussichtsreich.

23.11.2009 | 00:00

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