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Tracking Error: Möglichst knapp neben der Spur


Der Tracking Error wird definiert als ein Maß für die Abweichung der Wertentwicklung eines Investmentfonds von seiner Benchmark. Ein niedriger Tracking Error steht für eine sehr gute Abbildung des Index, also eine geringe Abweichung von der Benchmark. Im Idealfall einer vollkommen synchronen Wertentwicklung von ETF und Index ohne jegliche Abweichung würde der Tracking Error 0% betragen. In der Praxis sollte bei einem guten ETF der Tracking Error deutlich weniger als 1% betragen.

Wieso kommt es aber bei einem passiven Indexfonds überhaupt zu Abweichungen? Hierfür gibt es drei wesentliche Ursachen: Managementgebühren, Indexanpassungen und Dividenden.

Managementgebühren

Einen großen Einfluss haben in der Regel die jährlich anfallenden Managementgebühren. Zwar sind bei ETFs die Management- bzw. Verwaltungsgebühren in der Regel erheblich geringer als bei aktiv gemanagten Investmentfonds, dennoch wirkt sich auch hier der Abzug von Gebühren performancereduzierend aus. Dies führt zu einer negativen Abweichung von der Benchmark.

Indexanpassungen

Indexanpassungen wirken sich belastend auf die Wertentwicklung eines ETFs aus, da sie zusätzliche Transaktionskosten nach sich ziehen. Im Vergleich zu den Verwaltungsgebühren stellen zwar die mit dem An- und Verkauf von Wertpapieren verbundenen Transaktionskosten eine weitaus geringere Belastung dar, dennoch gilt, dass je häufiger die Indizes angepasst werden, dies sich umso negativer auf die Wertentwicklung auswirkt. Gleiches gilt für Kapitalmaßnahmen der Unternehmen im Index: Je häufiger Unternehmen durch Kapitalmaßnahmen Verschiebungen bei den Gewichten in den jeweiligen Indizes auslösen, umso höher sind die Transaktionskosten für ETFs zur Anpassung der Gewichtung.

Dividenden

Dividenden wirken sich bei Performance- Indizes wie dem DAX in zweierlei Hinsicht auf den Tracking Error aus. Zum einen kann es Verzögerungen zwischen dem Ex-Tag und dem tatsächlichen Zeitpunkt des Zuflusses der Dividende geben, während bei vielen Performance-Indizes davon ausgegangen wird, dass die Dividende am Ex-Tag gezahlt und gleich reinvestiert wird. Zum anderen kann es bei der steuerlichen Behandlung zwischen der Berechnung eines Index und der Realität Unterschiede geben. So geht man beim DAX davon aus, dass die Dividenden generell ohne Steuerabzug voll investiert werden. Tatsächlich werden für den Investor bzw. die Fondsgesellschaft je nach Herkunftsland Quellensteuern anfallen.

Swapbasierte und vollreplizierende ETFs

Anstatt jedes Indexmitglied mit exakt derselben Gewichtung ins Fondsvermögen aufzunehmen, stellen manche ETF-Anbieter ein Portfolio zusammen, das mit dem Index nicht unbedingt übereinstimmen muss. Die Wertentwicklung dieses Portfolios, die sich von der Performance des Index entsprechend unterscheidet, liefern sie einem Geschäftspartner, oft der Bank-Mutter des Anbieters. Als Gegenleistung liefert der Partner wiederum die genaue Index-Performance an den ETF. Dieses Tauschgeschäft heißt Swap. Da der ETF die gewünschte Performance des Index erhält, muss sich der Anbieter nicht um Dividendenzahlungen, Indexanpassungen oder Kapitalmaßnahmen kümmern. Dies ist Aufgabe des Swap-Partners. Swapbasierte ETFs sind zwar nicht unumstritten, da ihnen oft ein Mangel an Transparenz unterstellt wird und der Einsatz von Swaps als Derivate kritisiert wird. Dennoch gilt allgemein, dass in Bezug auf den Tracking Error swapbasierte ETFs gegenüber vollreplizierenden ETFs in der besseren Ausgangsposition sind. Anbieter von Letzteren versuchen, die höhere Belastung mit Gebühren und Kosten beispielsweise durch Erträge aus der Verleihung der Aktien im Portfolio zu kompensieren. Daher muss der Tracking Error bei einem vollreplizierenden ETF auch nicht zwangsläufig größer sein als bei einem swapbasierten.

Fazit:

Aufgrund der Konstruktion der Indizes und den Aufwendungen bei den ETF-Anbietern, entspricht die Wertentwicklung von ETFs nicht hundertprozentig ihrer Benchmark. Über Swap-Konstruktionen und die Generierung von Zusatzerträgen schaffen es die ETF-Anbieter dennoch, die Abweichung auf ein Minimum zu begrenzen.

14.12.2009 | 00:00

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