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Agrarrohstoffe als Anlagealternative

RICI Agriculture Index

RICI Agriculture Index


Wer auf der Suche nach einer Anlagealternative ist, kann sich im Bereich der Agrarrohstoffe umsehen. Diese sind weitgehend konjunkturunabhängig, denn auch in Krisenzeiten wollen bzw. können viele Verbraucher z. B. nicht auf ihre lieb gewonnene Tasse Kaffee verzichten. Schon ein Blick auf die Frühstückstafel reicht aus, um neue Anlagemöglichkeiten zu entdecken. Kaffee, mit einem oder zwei Stück Zucker, ein Glas Orangensaft, frische Brötchen, unter denen sich neben der Vollkornvariante auch die helle Variante aus Weizen findet.

Ähnlich wie ein reichhaltiges Frühstücksbuffet lässt sich auch das Portfolio durch die Investition in den einen oder anderen Rohstoff gut diversifizieren. Verluste an den Aktienmärkten können dann durch eine bessere Performance der Rohstoffe abgemildert werden.

Der Verbrauch wird steigen

Wie überall an den Märkten bestimmen auch bei den Rohstoffen Angebot und Nachfrage den Preis. Wichtigster Faktor für einen steigenden Verbrauch an Agrarrohstoffen ist das starke Wachstum der Weltbevölkerung. Schätzungen zufolge soll innerhalb der nächsten 25 Jahre die Marke von 8 Mrd. Menschen geknackt werden. Und mit dem Bevölkerungswachstum steigt die Nachfrage nach Lebensmitteln und Agrarprodukten. Vor allem bevölkerungsreiche Länder wie Indien oder China, wo nur ca. 12,5% der Landfläche für den Nahrungsmittelanbau nutzbar sind, werden dann zu den Hauptimporteuren von Agrarrohstoffen gehören. Gleichzeitig mit dem Anstieg des Bevölkerungswachstums nehmen die Anbauflächen für Agrarrohstoffe hingegen ab. Standen 1975 den damals 4 Mrd. Menschen noch 0,4 Hektar Ackerland pro Kopf zur Verfügung, werden es Schätzungen zufolge im Jahr 2020 nur noch 0,2 Hektar für die dann 7,5 Mrd. Menschen sein. Die Anpassung des Lebensstils hin zu westlichen Gewohnheiten, die in den Emerging Markets zu beobachten ist, trägt ebenfalls zum Anstieg des Verbrauchs bei. Im Zuge des sich verändernden Konsumverhaltens werden traditionelle fernöstliche Nahrungsmittel wie Reis oder Tee in zunehmendem Maße durch Backwaren und Kaffee ersetzt. Ein weiterer Einflussfaktor ist der Klimawandel und die damit verbundenen immer extremer werdenden Wetterlagen. Infolge unvorhergesehener Ernteausfälle können Agrarrohstoffe dabei schnell zu knappen Gütern werden, vor allem wenn sich die Lagerbestände auf einem niedrigen Stand befinden.

So kam es bei Orangensaft im Dezember 2009 und Januar 2010 infolge des Wintereinbruchs in Florida zu deutlichen Preissteigerungen. Auch der Preis für Weizen, dem wichtigsten landwirtschaftlichen Rohstoff, ist sehr von den klimatischen Verhältnissen abhängig. Nach einer längeren Abwärtsbewegung konnte der Preis in den letzten Tagen zulegen und über den im April 2008 begonnenen Abwärtstrend ausbrechen. Hintergrund der Preissteigerungen ist die derzeitige Hitzewelle in Europa, welche sowohl in Frankreich und Deutschland als auch in Russland und der Ukraine Ernteeinbußen und damit weniger Angebot erwarten lässt. Allerdings notierten Chicago- und Kansas-Weizen im Contango, d. h. die Preise der Terminkontrakte mit längerer Laufzeit notieren bereits über den Preisen für den aktuellen Terminkontrakt. Damit drohen längerfristigen Investoren Rollverluste, die nur durch einen starken Anstieg des Weizenpreises kompensiert werden können. Anleger können sich daher kurzfristig in Weizen engagieren und dabei ihre Performance mit einem Leveraged-ETC hebeln. So entspricht die tägliche Kursveränderung des ETFS Leveraged Wheat DJ-UBSCI 200% der täglichen prozentualen Veränderung des DJ-UBS Wheat Sub-IndexSM (ohne Gebühren und Anpassungen), wobei die täglich anfallenden Zinserträge thesauriert werden. Der DJ-UBS Wheat Sub-Index basiert auf der im DJ-UBS Commodity Index enthaltenen Weizen-Index-Komponente und orientiert sich an der Preisentwicklung von Chicago-Weizen-Future-Kontrakten. Aufgrund der Hebelwirkung verzeichnet der ETC doppelt so starke Kursausschläge wie der Index sowohl nach oben als auch nach unten.

Agrarrohstoffe im Indexformat

Neben dem Investment in einzelne Rohstoffe besteht natürlich auch die Möglichkeit, über ETFs bzw. Exchange Traded Notes (ETNs) oder Exchange Traded Commodities (ETCs) auf spezielle Indizes, wie dem RICI-Agriculture oder dem S&P GSCI Agriculture, an der Preisentwicklung des gesamten Agrarrohstoffsektors zu partizipieren. Schon früh erkannte Wall-Street-Legende Jim Rogers das wirtschaftliche Wachstumspotenzial von Entwicklungsländern. Doch für Wachstum werden Rohstoffe benötigt und diese sind nur begrenzt verfügbar. Zudem wurden in den zurückliegenden Jahren Investitionen in die Rohstoffgewinnung vernachlässigt. Aufgrund dieser Einsichten geht Rogers von einer langfristigen Aufwärtsbewegung bei Rohstoffen aus und lancierte im Juli 1998 den „Rogers International Commodity Index®“ (RICISM Index) und dessen Sub-Indizes. Einer dieser Sub-Indizes ist der RICI-Agriculture, der als Benchmark für den Sektor der Agrarrohstoffe dient. Den höchsten Anteil am Index hat Weizen mit gut 20%, es folgen Mais mit 13,61% und Baumwolle mit 12,03%. Daneben enthält der Index auch Sojabohnen, Sojabohnenöl, Lebendrind, Zucker, Kaffee, Kakao, Kautschuk, mageres Schwein, Holz, Raps, Sojabohnenmehl, Orangensaft, Reis, Hafer, rote Bohnen und Wolle.

Der iPath S&P GSCI Agriculture Index Total Return ETN ermöglicht Anlegern eine kosteneffiziente Partizipation an der Wertentwicklung der Agrarrohstoffe, die im S&P GSCI Agriculture Index Total Return abgebildet werden. Aktuell setzt sich der Index aus den Kursen von acht börsengehandelten Terminkontrakten auf physische Rohstoffe zusammen. Den größten Anteil hat mit 24,3% Mais, gefolgt von Chicago-Weizen mit 20,18%, Sojabohnen mit 16,7% und Zucker mit 13,1%. Des Weiteren finden sich Kansas-Weizen, Baumwolle, Kaffee und Kakao im Index wieder.

Fazit

Für welche Art von Investment man sich auf dem Agrarsektor auch entscheidet, gilt zu beachten, dass Rohstoffmärkte und damit auch Agrarrohstoffe deutlichen Schwankungen unterliegen. Diese beruhen auf den saisonalen Zyklen der einzelnen Rohstoffe, welche wiederum aus den verschiedenen Wachstum- und Anbauzeiten resultieren. Zudem tragen Anleger ein Währungsrisiko, da die Indexfonds in Euro aufgelegt sind, Rohstoffe und damit auch die zugrunde liegenden Indizes aber grundsätzlich in US-Dollar notieren.

15.07.2010 | 00:00

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