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Auf dem Wiener Parkett wird wieder getanzt

Chart ATX


Wenn im Prater die Bäume blüh´n, ist´s Zeit für einen Besuch der Börse Wien. Denn beim Thema Geldanlage einen Blick in unserer Nachbarland zu werfen, könnte sich für Anleger als lohnend erweisen. Aufgrund seiner geografischen Lage und der wirtschaftlichen Verflechtungen gilt Österreich als Tor nach Osteuropa. Vom Boom in dieser Region profitierten sowohl das österreichische Wirtschaftswachstum als auch der österreichische Aktienmarkt.

Osteuropa – Fluch und Segen

Konnte der österreichische Leitindex ATX (Austrian Traded-Index) in den Jahren 2003 bis 2007 deutlich zulegen und vor allem vom Wachstum in Osteuropa profitieren, wendete sich das Blatt mit dem Ausbruch der Finanzkrise. Von Juli 2007 bis März 2009 büßte der ATX in der Spitze mehr als 72% an Wert ein und fiel von 5.011 Punkten auf 1.380 Punkte zurück. Damit notierte der Index wieder in der Nähe seines historischen Startwerts, der am 2. Januar 1991 mit 1.000 Indexpunkten festgelegt wurde. Im ATX, der als kapitalisierungsgewichteter Preisindex berechnet wird, sind die 20 umsatzstärksten Blue Chips aus Österreich enthalten. Der Index wird von der Wiener Börse AG im März bzw. September auf seine Zusammensetzung hin überprüft. Pro Anpassung können dabei maximal drei Werte ausgetauscht werden, was eine gewisse Kontinuität des Index gewährleistet. Das größte Gewicht im ATX hat mit knapp 20% die Erste Bank Group, die damit an der Obergrenze des maximal zulässigen Indexgewichtes von 20% liegt. Gemeinsam mit der Raiffeisen International Bank, deren Indexanteil bei 7% liegt, machen die Banken mehr als ein Viertel des Indexgewichts aus. Dies ist ein Grund dafür, warum der ATX während der Finanzkrise so stark unter Druck geriet. Denn mit dem Einsetzen der globalen Rezession schwand auch das hohe Wirtschaftswachstum in den osteuropäischen Ländern. Gleichzeitig stiegen die Befürchtungen, dass es zu vermehrten Kreditausfällen kommt und die österreichischen Banken, die in Osteuropa traditionell stark engagiert sind, mit hohen Abschreibungen konfrontiert werden. Dass diese Befürchtungen nicht unbegründet waren, zeigt das Beispiel der Bank Hypo Group Alpe Adria (HGAA), welche von der österreichischen Regierung im Dezember 2009 verstaatlicht wurde. Nur so konnte eine drohende Insolvenz in letzter Minute verhindert werden. Die als „systemrelevant“ eingestufte Bank hatte in ihrem Südosteuropageschäft, vor allem in der Balkanregion, Verluste in Milliardenhöhe erlitten.

 

Die Zeichen stehen auf Besserung

Auch Österreichs Wirtschaftsleistung konnte sich den Auswirkungen der globalen Wirtschaftkrise nicht entziehen und sank 2009. Mit 3,4% fiel der Rückgang aber weniger stark aus als in anderen Industrienationen, die mit Wachstumseinbußen von mehr als 5% zu kämpfen hatten. Inzwischen mehren sich die Zeichen dafür, dass die Wirtschaft der Alpenrepublik wieder Tritt fasst. So geht das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) in seiner Prognose für 2010 von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,5% aus. Für 2011 prognostizieren sowohl das WIFO mit 1,6% als auch die EU-Kommission mit 1,5% ein Wachstum des BIP, das sich im Rahmen des für das gesamte Euro-Währungsgebiet prognostizierten durchschnittlichen Wachstums bewegt. Da die Investitionstätigkeit erst ab 2011 wieder nennenswert zulegen dürfte, bilden der Export und der Konsum weiterhin die Antriebsquellen des laufenden Aufschwungs. Allerdings bleibt die Wiederbelebung der Wirtschaft über die kommenden zwölf Monate relativ verletzlich. Dies zeigt nicht zuletzt die Entwicklung des vergangenen Jahres. Hatten das relativ stabile lokale Bankensystem und die Exporte in die osteuropäischen Staaten den Wachstumsrückgang zunächst noch abgemildert, bremsten die im 2. Halbjahr 2009 in den osteuropäischen Staaten offenbar gewordenen Kreditausfälle und Wachstumseinbußen auch die Wirtschaft in Österreich aus. Aufgrund seines relativ kleinen Binnenmarktes ist Österreich stark vom Export abhängig. Die langsame Erholung des Welthandels, die Mitte 2009 eingesetzt hat, insbesondere eine Zunahme des Handels mit Asien und Deutschland, konnte einen übermäßigen Einbruch der österreichischen Exporte aber verhindern. In seinen Prognosen rechnet das WIFO für 2010 wieder mit einem Exportwachstum von 5,6%. Dieser positive Trend spiegelt sich auch in den Ergebnissen des Mittelstandsbarometers der Consultinggesellschaft Ernst & Young für März 2010 wider. Danach beurteilen 88% der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als positiv. Jedoch spüren über 80% weiterhin Auswirkungen der Krise. Mit einer nachhaltigen Erholung der Wirtschaft rechnen die befragten Unternehmen daher erst Mitte 2011. Eine optimistischere Grundhaltung verbreitet die Konjunkturanalyse der Bank Austria von Mitte März 2010, die einen beschleunigten Aufwärtstrend erkennt. Laut Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria, weist die aktuelle Datenlage darauf hin, dass die Erholung der österreichischen Wirtschaft zu Frühlingsbeginn an Beständigkeit gewinnt und das angeschlagene Tempo weiter halten kann.

 

Charttechnisches Bild aussichtsreich

Beim Blick auf die charttechnische Verfassung des ATX zeigt sich, dass sich der Index von seinem im März 2009 markierten Tief bei 1.380 Punkten im vergangenen Jahr deutlich erholen konnte. Im Juli 2009 durchbrach der ATX sowohl den beschleunigten Abwärtstrend als auch das bei 2.237 Punkten verlaufende 23,6%-Fibonacci-Retracement der im Juli 2007 begonnenen Abwärtsbewegung nach oben und bereitete damit den Weg für eine weitere Aufwärtsbewegung. Diese traf im Oktober 2009 im Bereich des 38,2%-Fibonacci-Retracements bei 2.775 Punkten auf Widerstand. Daraufhin ging der ATX in eine Konsolidierungsphase über. Inzwischen gelang es dem Index, das während dieser Phase gebildete Dreieck bullisch aufzulösen und damit die vorherige Aufwärtsbewegung zu bestätigen. Das daraus ableitbare, mittelfristige Kursziel liegt bei 3.100 Punkten. Auf dem Weg dorthin warten mit dem bei 2.767 Punkten verlaufenden 38,2%-Fibonacci-Retracement der langfristigen Abwärtsbewegung und dem Zwischenhoch bei 2.775 Punkten noch einige Hürden, die es zu überwinden gilt. Ein Anstieg über 2.767 Punkte würde das bullische Bild weiter abrunden und einen Test des 50%-Retracements bei 3.195 Punkten auf den Plan rufen. Unterstützung für kurzfristige Rücksetzer bieten 2.694 und 2.660 Punkte. Die knapp darunter, bei 2.653 Punkten, verlaufende obere Begrenzung des absteigenden Dreiecks dient im Falle eines Pullbacks ebenfalls als Unterstützung.

 

Fazit:

Ende 2009 hat Österreichs Wirtschaft die Rezession überwunden und befindet sich weiter auf dem Weg der Erholung. Die Abhängigkeit vom Export stellt zwar einerseits ein Risiko für die laufende Erholung dar, dürfte sich aber aufgrund der Schnittstelle nach Osteuropa als deutlicher Vorteil erweisen, wenn das dortige Wirtschaftswachstum wieder an Vorkrisenzeiten anknüpft. Auch aus charttechnischer Sicht präsentiert sich der ATX in guter Verfassung, denn die mehrmonatige Konsolidierungsphase hat den Grundstein für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung gelegt.

15.04.2010 | 00:00

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