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Silber - das günstigere Gold



Bei Silber handelt es sich um ein sehr weiches und gut formbares Schwermetall, welches aus Silbererzen gewonnen wird, die oft zusammen mit Blei-, Kupfer- und Zinkerzen als Sulfide oder Oxide vorkommen. In den letzten Jahren lag die Minenproduktion von Silber bei etwas mehr als 21.000 Tonnen. Zum überwiegenden Teil fällt Silber als Nebenprodukt bei der Förderung von Industriemetallen wie Blei, Zink oder Kupfer an. Reine Silber-Minen tragen nur etwa 28% zur Gesamtproduktion bei. Die wichtigsten Förderländer sind Peru, Mexiko, China, Australien, Chile, Polen, Russland und die USA. Neben der Minenproduktion wird Silber durch Recycling z.B. durch das Einschmelzen von Schmuck, Silberwaren und Münzen gewonnen.

 

Einer Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung, des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung sowie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe zufolge beträgt die Reichweite der Silber-Ressourcen nur noch 27 Jahre. Daher ist in den nächsten Jahrzehnten mit einer Verknappung des Angebots zu rechnen, welche sich wiederum in einem Anstieg des Silberpreises niederschlagen dürfte. Es gab bereits Zeiten, in denen Silber sogar wertvoller als Gold war. Messen lässt sich das Verhältnis beider Edelmetalle zueinander anhand der Preise für jeweils eine Feinunze der Edelmetalle, wobei der Preis von Gold durch den Preis von Silber dividiert wird. Je höher das Ergebnis ausfällt desto niedriger ist Silber im Vergleich zum Gold bewertet. Zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert lag das Gold/Silber-Verhältnis in einem Bereich zwischen 1:10 und 1:20. Aktuell beträgt das Verhältnis rund 1:63. Auch wenn Silber heute im Vergleich zu Gold weniger wert ist, hat es gleichwohl nichts von seiner Attraktivität verloren.

 

Silber als Wertanlage

Zum einen rückt das Edelmetall angesichts steigender Staatsverschuldungen und als Schutz vor einem Anstieg der Inflation ähnlich wie Gold als „sicherer Hafen“ in den Blickpunkt der Anleger. Da aber nur die wenigsten Anleger Silbermünzen und Barren selbst aufbewahren wollen, erfreuen sich mit physischem Silber unterlegte Exchange Traded Commodities (ETC) wachsender Beliebtheit. ETCs sind unbefristete besicherte bzw. physisch hinterlegte Schuldverschreibungen. Im Gegensatz zu ETFs handelt es sich dabei nicht um Sondervermögen, das bei einer eventuellen Insolvenz des Emittenten vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt wäre. Da ETCs aber wie ETFs an den Börsen gehandelt werden, stellen sie einen einfachen und kostengünstigen Zugang zum begehrten Edelmetall dar. Mit ETFs ist in Deutschland dagegen nur eine indirekte Partizipation an der Wertentwicklung von Silber über die Investition in Minenunternehmen, die in einem Index zusammengefasst werden, möglich.

 

So bildet beispielsweise der ETFS Physical Silver von ETF Securities die Performance des Silber-Kassapreises abzüglich anfallender Gebühren direkt nach. Dazu hält der ETC physisches Silber, welches den Anforderungen für Warenlieferungen („Good Delivery Rules“) der London Bulllion Market Association (LBMA) entspricht, in einer Depotverwahrung durch die HSBC Bank USA N.A.

 

Neben dem ETFS Physical Silver hat ETF Securities mit dem ETFS Silver und dem ETFS Leveraged Silver weitere ETCs auf Silber im Angebot. Der ETFS Silver verfolgt das Ziel, die Wertentwicklung des DJUBS Silver Sub-IndexSM nachzubilden, wobei täglich anfallende Zinserträge thesauriert werden. Der DJ-UBS Silver Sub-IndexSM basiert auf der im DJ-UBS Commodity IndexSM enthaltenen Silber-Indexkomponente und orientiert sich an der Preisentwicklung von an der London Metal Exchange (LME) gehandelten COMEX Silver-Futures-Kontrakten.

 

Die tägliche Kursveränderung des ETFS Leveraged Silver entspricht indes 200% der täglichen prozentualen Veränderung des DJ-UBS Silver Sub-IndexSM, wobei die täglich anfallenden Zinserträge hier ebenfalls thesauriert werden. Risikofreudige Investoren können hier also mit einem Hebeleffekt an der Wertentwicklung des zugrunde liegenden Index teilhaben. Der ETFS Leveraged Silver ist durch entsprechende Rohstoffkontrakte einer Rohstoffgegenpartei gedeckt, wobei alle Zahlungsverpflichtungen der Rohstoffgegenpartei zu 100% und auf täglicher Berechnungsbasis mit Sicherheiten hinterlegt sind.

 

Vielseitige Anwendungsbereiche in der Industrie

Neben der Nachfrage zu Anlagezwecken, ist die industrielle Nachfrage aufgrund der besonderen Eigenschaften des Edelmetalls jedoch weitaus bedeutender für den Silberpreis. Dabei entfallen nur rund 30% der Nachfrage auf die Schmuck- und Silberwarenindustrie, denn zu rund 70% wird Silber in der übrigen Industrie eingesetzt. Und die Anwendungsgebiete für das Edeltmetall erweitern sich ständig. So machen die höchste elektrische Leitfähigkeit aller Metalle, eine starke Wärmeleitfähigkeit sowie eine ausgeprägte optische Reflexionsfähigkeit Silber zu einem unverzichtbaren Rohstoff in der Elektrik, Elektronik und Optik. Im Automobilbau wird Silber bei der Herstellung hitzeabwehrender Scheiben eingesetzt. Damit kann der Einsatz von Klimaanlagen in Automobilen reduziert werden. Natürlich ist Silber, genau wie Gold, auch in der Schmuckindustrie ein begehrter Rohstoff für Ringe, Ketten und diverse andere Schmuckstücke. Weitere Anwendung findet das Edelmetall bei der Herstellung von Batterien, Photovoltaikzellen oder wegen seiner antibakteriellen Wirkung als Filter bei der Wasseraufbereitung. Gerade aus dem Bereich regenerativer Energien ist ein Anstieg der Nachfrage zu beobachten. Von 2001 bis 2007 legte die Nachfrage nach Silber für Solarpanels um mehr als das Doppelte auf knapp 1.000 Tonnen zu. Ähnlich gestaltet sich die Nachfrage aus dem Bereich der Wasserreinigung, welcher aufgrund der zunehmenden Umweltverschmutzung, des Klimawandels und des Bevölkerungswachstums immer wichtiger wird und ein hohes Wachstumspotenzial birgt. Spezielle Beschichtungsverfahren, die sich die antibakterielle Wirkung von Silber zunutze machen, erweitern die Anwendungsmöglichkeiten auf Gebiete, in denen Desinfektion eine tragende Rolle spielt, z.B. in der Medizintechnik oder bei Küchenausstattungen. Gerade in der Medizin schätzt man die antibakterielle Wirkung von Silber. Der Rohstoff findet hier unter anderem Anwendung bei der Desinfektion von Kathedern, in der Wundbehandlung oder in der Zahntechnik in Form von Silberlegierungen. Darüber hinaus könnte Silber wegen seiner keimtötenden Wirkung auch als Ersatz für Antibiotika künftig eine größere Rolle spielen, denn heutzutage werden immer mehr Bakterienstämme gegen Antibiotika resistent. Bei Neugeborenen macht man sich diese Wirkung bereits seit längerem zu Nutze, indem man ihnen eine verdünnte Silbernitratlösung in die Augen träufelt, um so Krankheitserreger abzutöten und einer Erblindung vorzubeugen.

 

Fazit:

Ebenso wie Gold, kann auch Silber als Schutz vor einer steigenden Inflation dienen. Dabei ist eine Absicherung aufgrund der – gemessen am Gold-Silber-Ratio – vergleichsweise geringeren Bewertung von Silber für Investoren preiswerter als eine entsprechende Absicherung über Gold. Gleichwohl ist Silber aufgrund seiner Eigenschaften für die Industrie ein wichtiger Rohstoff. Mit einem Anziehen der konjunkturellen Entwicklung sollte daher auch die industrielle Nachfrage nach dem Edelmetall zulegen und zu einem entsprechenden Kursanstieg bei Silber führen.

15.06.2010 | 00:00

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