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ETFs und klassische Investmentfonds: Ein unvermeidlicher Wandel


Anfang des Jahres konnte die deutsche Fondsbranche mit Erleichterung wieder Nettomittelzuflüsse für das Jahr 2009 vermelden. Das verwaltete Vermögen in der Investmentbranche stieg um fast 200 Mrd. Euro und übertraf mit 1,7 Bio. Euro knapp den Höchststand von 2007. Damit scheint das Krisenjahr 2008 vergessen und die Welt für die Fondsanbieter endlich wieder in Ordnung zu sein. Aber nur fast. Denn innerhalb des verwalteten Fondsvermögens findet gerade ein Wandel weg von Investmentfonds hin zu den börsengehandelten Indexfonds, den ETFs, statt.

„Die deutsche Investmentfondsbranche ist von Neuem auf Wachstumskurs und hat alte Höchststände wieder erreicht“, kommentierte Wolfgang Mansfeld, der mittlerweile ausgeschiedene Präsident des Bundesverband Investment und Asset Management (BVI), die Anfang Februar veröffentlichten Zahlen für 2009 mit zuversichtlichem Ton. Doch das eigentliche Wachstum ging im Bereich der Publikumsfonds nicht von den klassischen, aktiv gemanagten Investmentfonds aus. Vielmehr waren es die ETFs, die entscheidende Impulse setzten.

ETFs retten die Statistik

Bei den Publikumsfonds verzeichnete der BVI im vergangenen Jahr einen Nettomittelzufluss von 2,1 Mrd. Euro. Zu den Publikumsfonds zählen aber auch die ETFs. Diesen flossen netto allein 10,3 Mrd. Euro zu. „ETFs haben sich damit zu einem wichtigen Segment der Investmentfonds entwickelt und tragen maßgeblich zum Erfolg der Branche bei“, sagt Mansfeld hierzu. Tatsächlich retten die ETFs sogar die positive Statistik bei den Publikumsfonds, die andernfalls per Saldo einen Mittelabfluss von 8,2 Mrd. Euro hätten verbuchen müssen. 

Privatanleger üben Zurückhaltung

Auch verdeckt die positive Statistik den Rückzug der Privatanleger aus den aktiv gemanagten Investmentfonds. Denn institutionelle Anleger wie Banken, Versicherungskonzerne und Pensionskassen investieren nicht nur in eigens für sie aufgelegte Spezialfonds, sondern auch in Publikumsfonds – und dort ganz besonders in ETFs. Die professionellen Portfoliomanager haben längst die Vorteile der börsennotierten Indexfonds erkannt: ETFs sind transparente und sehr günstige Produkte, die stets die Performance der Benchmark erreichen. Denn nur der kleinere Teil der aktiv gemanagten Investmentfonds kann die erheblich höheren Verwaltungskosten mit einer dauerhaften Outperformance gegenüber der Benchmark rechtfertigen. Der Volumenzuwachs bei den ETFs wird somit wesentlich von den institutionellen Investoren getrieben, die stets unter Zugzwang stehen, ihre Mittel zu investieren. Dagegen zeigen sich Privatanleger nach den schlechten Erfahrungen des Jahres 2008 bei den aktiv gemanagten Investmentfonds weiterhin zurückhaltend. Verständlich, denn zum Einbruch bei der Wertentwicklung zahlreicher Aktien- und Mischfonds kam auch noch die Aussetzung der Anteilsrücknahme bei einigen Immobilienfonds.

Image und Kampagne

Einzelne Fondsanbieter und der Branchenverband versuchen durch Marketing- und Imagekampagnen, dem Vertrauensverlust in der Öffentlichkeit entgegenzuwirken. So verkündete der BVI gleichzeitig mit der Veröffentlichung der Zahlen für 2009 ein neues Leitbild der deutschen Investmentfondsbranche. Darin sollen die Interessen des Anlegers und sein dauerhafter Anlageerfolg in den Mittelpunkt gestellt werden – Ziele, die eigentlich selbstverständlich sein sollten.

Große Marketingkampagnen haben ETFs dagegen bisher nicht nötig. Der Zustrom der Mittel institutioneller Investoren sichert derzeit das Wachstum in diesem Segment. Zudem sind die Marketingbudgets der ETF-Emittenten aufgrund der geringen Verwaltungsgebühren vergleichsweise klein. Dennoch ist absehbar, dass die Vorzüge börsennotierter Indexfonds nicht nur institutionelle Investoren, sondern auch immer mehr Privatanleger – insbesondere solche, die ihr Vermögen eigenverantwortlich verwalten – überzeugen und ETFs dauerhaft an Beliebtheit gewinnen werden. Die Krise wirkt somit als Katalysator in einem langfristig unvermeidlichen Strukturwandel.

01.04.2010 | 00:00

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