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iShares - Ein Weltmarktführer wechselt den Besitzer


 Vorausgegangen war ein dramatisches Ringen. Barclays musste seine Vermögensverwaltungssparte losschlagen, um durch die Einnahmen Verluste aus dem Kreditgeschäft auszugleichen. In der Finanzkrise war auch die englische Großbank nicht ungeschoren davon gekommen. Eigentlich war man auch mit CVC Capital Partners aus London schon im April 2009 übereingekommen, iShares aus Barclays Global Investors herauszulösen und für 4,4 Mrd. US-Dollar an CVC zu verkaufen. Doch Barclays hatte sich ein Hintertürchen in der Übereinkunft offen gelassen. Bis Ende Juni konnte Barclays noch nach einem anderen Abnehmer für das Vermögensverwaltungsgeschäft suchen. In letzter Minute erhielt dann BlackRock, Weltmarktführer mit 3,2 Billionen US-Dollar verwaltetem Vermögen, den Zuschlag für die ganze Sparte. Der Deal ging im Dezember 2009 über die Bühne. Der seit einem Jahrzehnt etablierte Markenname iShares wurde beibehalten.

 

Erster in Europa

 Am 11. April 2000 läutete iShares die Erfolgsgeschichte der ETFs in Europa mit der Erstnotiz des iShares DJ EURO STOXX 50 und des iShares DJ STOXX 50 an der Deutschen Börse ein. Seitdem wurden von diesen beiden ersten ETFs Fondsanteile im Wert von insgesamt 50 Mrd. Euro auf Xetra gehandelt. Allein mit dem iShares DJ EURO STOXX 50 wurden rund 43 Mrd. Euro bewegt. Der iShares DJ EURO STOXX 50 zählt bis heute zu den am meisten gehandelten ETFs in Europa. Im Mai 2010 erzielte der ETF ein durchschnittliches tägliches Handelsvolumen von rund 74 Mio. Euro auf Xetra und lag damit nach Umsatz auf Platz zwei aller gehandelten Indexfonds. Platz eins wurde ebenfalls von einem Produkt der BlackRock-Tochter belegt: Der iShares DAX konnte einen sogar fast doppelt so hohen täglichen Umschlag von über 140 Mio. Euro vorweisen. Damit hatte allein der iShares DAX einen Anteil von rund 14% am ETF-Segment auf Xetra.

 

Dieses ist seit der Einführung der ersten Indexfonds in Europa förmlich explodiert. In den vergangenen zehn Jahren wuchs der Markt mit einer durchschnittlichen Rate von über 90%. iShares ist nach wie vor dominierend. Mittlerweile sind es rund 170 börsennotierte Indexfonds, die von der BlackRock-Tochter in Deutschland und Europa angeboten werden. iShares nimmt sowohl nach Anzahl als auch nach Volumen die Spitzenposition in Europa ein. Mit einem verwalteten Vermögen von 82,5 Mrd. US-Dollar und einem Marktanteil von rund 38% liegt iShares klar vor der französischen Gesellschaft Lyxor (49 Mrd. US-Dollar verwaltetes Vermögen, 20% Marktanteil) und der Deutsche Bank-Tochter db x-trackers (36 Mrd. US-Dollar, 16%). In Deutschland hat iShares einen Marktanteil von 42%, gefolgt von db x-trackers mit 21% und Lyxor mit 20%.

 

Die Wurzeln des Erfolgs

 Dass iShares sich eine so herausragende Stellung erarbeiten und über zehn Jahre hinweg halten konnte, hat natürlich ganz wesentlich damit zu tun, dass die Fondsgesellschaft als Erste einen neuen Markt in Europa erschloss und dessen Entwicklung entscheidend vorantrieb. Bis ins Jahr 2001 hinein war iShares bei den ETF-Emissionen praktisch unangefochten. Dann startete auch die Société Générale-Tochter Lyxor ihr Geschäft mit Indexfonds in Europa. Erst im Januar 2007 stieß dann db x-trackers dazu. Mit der Marktmacht der Deutschen Bank im Rücken gelang es db x-trackers schnell, zu Lyxor aufzuschließen, aber die ETF-Gesellschaft der Deutschen Bank ist noch weit davon entfernt, die Dominanz von iShares gefährden zu können.

Hinzu kommt, dass das Management von Barclays bzw. BlackRock bisher strategisch geschickt agierte. So übernahm Barclays Global Investors im November 2006 den deutschen ETF-Emittenten Indexchange. Im Oktober 2007 wurde dessen Indexfondspalette in iShares integriert. Dadurch konnte die Marke und das Angebot in Deutschland weiter gestärkt werden. Auch war BlackRock nach der Übernahme von Barclays Global Investors Ende letzten Jahres weitsichtig genug, die etablierte Marke iShares beizubehalten und ebenso die Strategie eines klar strukturierten Angebots fortzuführen. Denn hierin liegt sicherlich auch ein Erfolgsfaktor. Trotz der großen Vielfalt des Angebots, das mittlerweile von den Standardindizes DAX, EURO STOXX 50 und S&P 500 bis hin zu Dividendenindizes wie dem Asia/Pacific Select Dividend reicht, ist iShares seiner Linie treu geblieben: Die Produktpalette basiert weiterhin auf voll replizierenden Indexfonds. Das heißt, dass der Käufer im Wertpapierkorb des Fonds – im Gegensatz zu synthetischen bzw. auf Swaps basierenden ETFs – tatsächlich auch die im Index enthaltenen Papiere in der entsprechenden Gewichtung vorfindet. Dementsprechend hält sich iShares bei auf Derivaten basierenden Indexfonds wie gehebelten und Short-ETFs zurück. Das klare Produktkonzept, die große Auswahl und attraktive Konditionen festigen die etablierte Marktstellung von iShares weiter.

 

Wohin die Reise geht

Das Wachstum des ETF-Segments in Europa ist nach wie vor ungebrochen. Für iShares stellen sich die Perspektiven überwiegend positiv dar. Debora Fuhr, Managing Director und Global Head of ETF Research and Implementation Strategy bei BlackRock, rechnet für die kommenden Jahre mit einem jährlichen Anstieg des verwalteten Vermögens um rund 30%. Sie sieht dabei das Hauptgeschäft nach wie vor bei den Standardindizes. „Trotz des zunehmenden Einsatzes von ETFs auf alternative Anlageklassen bleibt der Schwerpunkt der Anleger auf ETFs, die breite Marktindizes abbilden und als Kernbestandteile der Portfolios dienen“, so Fuhr. ETFs werden nach ihrer Meinung immer häufiger als kostengünstige Bausteine innerhalb verschiedener Anlagestile und -Instrumente eingesetzt werden: „Das Produktangebot in spezialisierteren Bereichen wird zunehmen, denn immer mehr institutionelle und private Anleger möchten gerne die Vorteile der ETFs nutzen, bevorzugen dabei aber eine gemanagte Anlagelösung wie beispielsweise ETF-Dachfonds.“

Doch die rasante Entwicklung des ETF-Marktes birgt für Fuhr auch Gefahren: „Wir finden heute im Markt auch solche selbst ernannten ‚ETFs’, die erstens keine Transparenz ihrer zugrunde liegenden Portfolios, zweitens keine Creation/Redemption „in-kind“ (gegen Aktienkörbe) und drittens keine indikativen Net Asset Values in Echtzeit bieten. Selbst solche Produkte, die gar keine Investmentfonds sind, werden teilweise als ETFs bezeichnet.“ Sie befürchtet dadurch auf Dauer negative Folgen für die Entwicklung der Branche, da sich enttäuschte Anleger abwenden könnten. Daher sieht man bei iShares auch die Schaffung einheitlicher Definitionen verschiedener Produktstrukturen als eine vordringliche Aufgabe an. „Für die Anleger kommt es vor allem auf Klarheit und Verständlichkeit der Produkte an.“, resümiert Fuhr das Rezept für einen nachhaltigen Erfolg des ETF-Marktes – und damit auch von iShares.

30.07.2010 | 00:00

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