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Value-Investments mit ETFs


 

Bei der Value-Strategie geht es darum, an der Börse Unternehmen zu finden, die niedrig bewertet sind, gleichzeitig aber nachhaltig über Substanz verfügen. Langfristig sollte sich damit ein solches Investment für den Anleger in jedem Fall lohnen. Auch mit ETFs ist mittlerweile ein derartiges Investment möglich. Auf dem deutschen Markt wird eine Reihe von ETFs auf europäische Value-Unternehmen angeboten.

Auf der Jagd nach unterbewerteten Titeln

Im Fokus des Value-Investments stehen zunächst einmal Unternehmen, die über eine gute Marktposition, eine überdurchschnittliche Eigenkapitalrendite, eine geringe Verschuldungsquote und eine stabile Gewinnentwicklung verfügen. Unter diesen Value-Titeln werden in einem zweiten Schritt dann diejenigen herausgefiltert, die momentan an der Börse gegenüber vergleichbaren Unternehmen unterbewertet sind. Um eine mögliche Unterbewertung zu erkennen, werden verschiedene fundamentale Kennzahlen herangezogen. Hierzu zählen beispielsweise ein geringes Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV), ein niedriges Kurs/Buchwert-Verhältnis (KBV), eine hohe Dividendenrendite und ein stabiles Gewinnwachstum.

In der Praxis bewährt

Die Value-Strategie ist also darauf ausgelegt, Substanz und Werthaltigkeit eines Unternehmens noch vor dem Markt zu erkennen. Theoretisch sollte dies eigentlich gar nicht möglich sein, wenn allen Marktteilnehmern die gleichen Informationen zur Verfügung stehen. In der Praxis aber konzentriert sich die Masse der Anleger auf bestimmte Trends, Branchen und Einzelunternehmen, während manch andere attraktive Investmentchance eher stiefmütterlich behandelt wird.

Dass man mit der Value-Strategie erfolgreich sein kann, hat nicht nur die Investmentlegende Warren Buffett mit seiner Gesellschaft Berkshire Hathaway über Jahrzehnte hinweg bewiesen. Auch statistische Untersuchungen weisen darauf hin. So zeigen Berechnungen von Allianz GI Kapitalmarktanalyse, dass man mit der Value-Strategie im Zeitraum von 1975 bis 2009 eine jährliche Rendite von 11,4% erzielen konnte. Auch in Seitwärtsmärkten hat sich dieser Investmentansatz historisch bewährt. Eine Studie von Legg Mason Capital Management für den Zeitraum von 1975 bis 1982 zeigt, dass die Value-Strategie den Durchschnitt um 60% schlug.

Value-ETFs in Deutschland

Auf dem deutschen Markt wird derzeit eine Handvoll ETFs auf Value-Indizes angeboten. Bisher sind es allesamt Indizes auf europäische Titel – so der MSCI Europe Value TRN-Index mit Substanztiteln mittlerer und hoher Marktkapitalisierung, auf den die Deutsche Bank-Tochter db x-trackers einen ETF herausgegeben hat. Der große Wettbewerber iShares bietet einen ETF auf den EURO STOXX Large Cap Value-Index an. In diesem Index sind rund 50 Unternehmen aus der Eurozone mit einem geringeren Kurs/Gewinn-Verhältnis als der Marktdurchschnitt.

Sowohl Lyxor als auch die UBS haben einen ETF auf den MSCI EMU Value-Index in ihrem Angebot. Dieser Fonds bildet den MSCI-Value-EMU-Index nach. Dieser setzt sich aus Unternehmen der Eurozone (EMU, European Monetary Union) zusammen. Kriterien sind u.a. ein niedriges Kurs/Buchwert-Verhältnis. Schließlich gibt es noch einen interessanten Indexfonds von der Sparkassen-Tocher ETFlab auf den STOXX Europe Strong Value 20-Index. Der Index beschränkt sich auf die 20 Value- Unternehmen in Europa, die sechs fundamentale Kriterien am besten erfüllen, darunter das Kurs/Gewinn-Verhältnis, Marktwert/Buchwert-Verhältnis, die Dividendenrendite und das Gewinnwachstum. Sofern diese Kriterien nicht mehr für die Top 20 reichen, wird die Zusammensetzung des Index angepasst. Dies soll sicherstellen, dass sich stets nur echte Value-Werte im Portfolio befinden.

Fazit:

Die Value-Strategie hat sich über Jahrzehnte als eines der klassischen Anlagekonzepte bewährt. Für europäische Substanztitel lässt sich diese Strategie inzwischen auch mit ETFs leicht umsetzen.

31.08.2010 | 00:00

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