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Fintechs sind ein Milliardenmarkt

Über Start-ups im Bereich Finanztechnologie wird nicht nur viel gesprochen – in dieses Segment fließt auch viel Risikokapital. Eine neue Studie zeigt, welche Bereiche das meiste Geld ansaugen.

BÖRSE am Sonntag

Über Start-ups im Bereich Finanztechnologie wird nicht nur viel gesprochen – in dieses Segment fließt auch viel Risikokapital. Eine neue Studie zeigt, welche Bereiche das meiste Geld ansaugen.

Innovative Finanzdienstleister schießen wie Pilze aus dem Boden. Investoren befeuern den Boom, weil sie immer mehr Geld in die jungen Firmen stecken. Allein im ersten Quartal dieses Jahres sind weltweit 5,7 Milliarden Dollar in Fintechs geflossen. Laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung KPMG und CB Insights sind das rund 84 Prozent mehr als im vierten Quartal des vergangenen Jahres. Auch die Anzahl der Investitionen ist deutlich gestiegen: von 336 auf 468.

Die Frage, welcher Nutzen und welche Bedrohung von Finanz-Start-ups ausgehen, gehört derzeit zu den Top-Themen in der Finanzbranche. Fintechs präsentieren sich mal als Angreifer und mal als Unterstützer der etablierten Geldinstitute. Sie werben etwa mit schneller Kreditvergabe, einfachen Bezahlmethoden oder automatisierter Vermögensverwaltung. Ins Wanken geraten Banken deshalb noch nicht, vielfach können die Institute sogar von den Jungspunden profitieren, da ihre Technologien den Kundenservice verbessern.

Das Kapital der Fintechs kommt größtenteils von Wagniskapital-Unternehmen. Im ersten Quartal investieren sie 4,9 Milliarden Dollar in den Sektor, 86 Prozent aller Gelder stammen von diesen sogenannten Venture-Capital-Unternehmen. Zu den weiteren Geldgebern zählen etwa Business Angels, also erfahrene Unternehmer, die Unternehmensgründer mit finanziellen Mitteln und Knowhow unterstützen. Auch Hedgefonds zählen zum Investorenkreis.

Zunehmend aktiv sind aber auch große Banken. Laut KPMG haben sie seit Anfang 2015 direkt oder über sogenannte Corporate-Venture-Einheiten in mehr als 40 Fintechs investiert. Am stärksten engagiert sind dabei Goldman Sachs (neun Beteiligungen), Citigroup und Banco Santander (jeweils sieben) und Mitsubishi Financial Group (drei Investments). „Banken und andere Finanzdienstleister setzen zunehmend auf Kooperation statt Konfrontation mit den neuen Wettbewerbern“, sagt KPMG-Partner Sven Korschinowski.

Ein besonders stark wachsender Bereich ist die digitale Vermögensanlageberatung per Robo-Advisor. „Verglichen mit den USA befinden sich Robo-Advisors in Europa und Asien noch in der Frühphase der Entwicklung“, sagt Korschinowski. Ein prominentes Beispiel hierfür sei die jüngste 100 Millionen Dollar-Investition in das US-Fintech Betterment. Der KPMG-Berater rechnet in diesem Bereich mit einem massiven Wachstum, da die Start-ups inzwischen ihre Angebotspalette erweitern und über die reine Portfoliogestaltung hinausgehen.

In Vermögensverwaltungs-Fintechs sind im ersten Quartal dieses Jahres bei zehn Finanzierungsrunden insgesamt 114 Millionen Dollar geflossen. Im gesamten Jahr 2015 waren bei 24 Runden 192 Millionen Dollar zusammengekommen. Auch der Bereich Zahlungsverkehr wächst weiter. Zwar hat sich die Zahl der Investments im ersten Quartal des Jahres 2016 gegenüber dem Vorjahresquartal von 45 auf 26 verringert, doch das Investmentvolumen ist von 204 auf 315 Millionen Dollar gestiegen.

Große Deals in China

Den größten Deal des ersten Quartals gab es im Bereich Kreditvergabe in China: Das Fintech Lu.com sammelte 1,2 Milliarden Dollar ein. Insgesamt wurden in diesem Lending-Segment in den ersten drei Monaten des Jahres 26 Investments mit einem Volumen von insgesamt 1,8 Milliarden verbucht. Von Oktober bis Dezember 2015 waren bei zwölf Deals 0,4 Milliarden Dollar zusammengekommen.

Den Studienautoren zufolge wird China seine Spitzenposition in den nächsten Jahren noch weiter ausbauen. Denn der nächste große Deal steht bereits vor dem Abschluss: Der Zahlungsanbieter Ant Financial will einer Mitteilung vom April zufolge eine gigantische Summe von 4,5 Milliarden Dollar einsammeln.

Auch die Versicherungsbranche wird für Fintechs immer spannender. Denn nach Einschätzung vieler Beobachter haben Versicherungen den Sprung in das digitale Zeitalter verpasst. Diese Schwäche nutzen nun immer mehr Fintechs aus. Doch die Branche ist ein schwieriges Umfeld für jungen Firmen. Denn während die Start-ups beim Banking einzelne Prozesse herausgreifen und diese verbessern können, ist eine solche Aufteilung bei Versicherungen schwierig.

In Deutschland hat sich die Gesamtzahl der Fintech-Investments im ersten Quartal 2016 im Vergleich zum letzten Quartal 2015 von sieben auf 14 verdoppelt; dabei verzehnfachte sich die Investitionssumme von 10,1 Millionen auf 106,6 Millionen Dollar. Der Top-Deal war mit 34,4 Millionen Dollar eine Investmentrunde von Spotcap. Neun Investitionen flossen nach Berlin, zwei nach Hamburg.

Neben KPMG hatte kürzlich auch die Unternehmensberatung Barkow Consulting das Investitionsvolumen in deutsche Fintechs untersucht. Für das erste Quartal hatte Barkow 28 Deals mit einem Volumen von 134 Millionen Euro gezählt – also beinahe 27 Millionen Dollar mehr. Der Grund für diesen Unterschied liegt in der unterschiedlichen Definition des Begriffs „Fintech“. Handelsblatt / Katharina Schneider