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BB Biotech: Drittes Quartal im Zeichen volatiler Märkte und erhöhter Nervosität

Foto: ponsulak/FreeDigitalPhotos.net.

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Nach einem starken Kursanstieg in den Vorquartalen haben Biotech-Aktien einen Teil der Gewinne im laufenden Jahr wieder abgegeben. Schwierige Aktienmärkte und Sorgen über branchenweite Preiskontrollen für Arzneimittel führten im 3. Quartal zu einer deutlichen Korrektur bei Biotech-Aktien. Der Nasdaq Biotech Index gab um 17,9 Prozent nach. Die Aktie von BB Biotech schloss ebenfalls im Minus, mit 10,1 Prozent in US-Dollar aber um einiges besser als der Index.
 
Das tiefe Kursniveau eröffnete BB Biotech jedoch attraktive Einstiegsmöglichkeiten. 290 Millionen Schweizer Franken investierte die Gesellschaft in den Ausbau bestehender Positionen, mit Esperion und Prothena wurden zwei neue Unternehmen ins Portfolio geholt. Doch auch bisherige Portfoliounternehmen von BB Biotech, so etwa Actelion, Alexion oder Gilead, stehen kurz vor wichtigen Zulassungsentscheiden.

Das 3. Quartal erwies sich für die globalen Aktienmärkte insgesamt als Herausforderung. Die Korrektur an den Schwellenländeraktienmärkten hielt bis ins 3. Quartal an und die US-Notenbank verzögerte ihre erste Zinsanhebung erneut, woraufhin die weltweiten Marktindizes an Boden verloren und ihre YTD-Performance ins Minus rutschte. Der MSCI World Equity Index büßte im 3. Quartal 8,3 Prozent in US-Dollar ein, der S&P 500 verlor 6,4 Prozent; der SMI gab 2,9 Prozent ab, gerechnet in Schweizer Franken. Der DAX schloss 11,7 Prozent tiefer. 

Die Biotech-Märkte überstanden die Turbulenzen an den Finanzmärkten vorderhand sehr gut dank der anhaltend starken Geschäftsentwicklung, der M&A-Aktivitäten und einem positiven Sentiment zu Gunsten wachstumsorientierter Aktien. Mitte September brach der Biotech-Sektor jedoch binnen zwei Wochen infolge einer erneuten Debatte über die Regulierung der Arzneimittelpreise in den USA über 20 Prozent ein. Neben diesem wichtigen Thema dürfte während des laufenden US-Präsidentschaftswahlkampfs auch der Zugang zur Gesundheitsversorgung auf der Tagesordnung stehen. Obwohl nur ausgewählte Spezialitäten-Pharmaunternehmen dazu angehalten wurden, ihre aggressive Preisgestaltung von Arzneimitteln zu überdenken, traf der dadurch verursachte Ausverkauf sämtliche Medikamentenentwickler.

BB Biotech, die sich vor allem auf Investitionen in innovative Forschungs- und Entwicklungsunternehmen konzentriert, hält das Ausmass der Korrektur für übertrieben. In der Folge investierte die Beteiligungsgesellschaft ihre gesamte Cash-Position, die sich Ende Juli auf ungefähr 200 Millionen Schweizer Franken belief, in ausgewählte Titel. Darüber hinaus baute BB Biotech im September einen Leverage im tiefen einstelligen Prozentbereich auf. Der Grossteil der Barmittel floss in bestehende Positionen von attraktiv bewerteten Large und Mid Caps, ein kleinerer Teil in zwei neue Beteiligungen: Esperion und Prothena.

Neun-Monats-Performance 2015

BB Biotech erwirtschaftete in den ersten neun Monaten 2015 für ihre Aktionäre eine positive Gesamtrendite von 13,8 Prozent in Schweizer Franken, 25,6 Prozent in Euro und 16 Prozent glatt in US-Dollar. Daraus resultiert ein Nettogewinn für die ersten neun Monate 2015 von 141 Millionen Schweizer – ein deutlicher Abschlag gegenüber einem Nettogewinn von 744 Millionen in demselben Vorjahreszeitraum. Das verwaltete Vermögen belief sich per Ende September auf 3,46 Milliarden Schweizer Franken. Es lag damit geringfügig unter dem Ende 2014 verzeichneten Wert von 3,49 Milliarden. Lesen Sie auf auf der nächsten Seite "Portfoliounternehmen weisen beachtliche Fortschritte auf.

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Portfoliounternehmen weisen beachtliche Fortschritte auf

Ungeachtet der negativen Entwicklung des NAV von BB Biotech im 3. Quartal 2015 verzeichneten viele Beteiligungen bemerkenswerte Fortschritte. Das belegten unter anderem die Produktzulassungen, die Updates zu klinischen Versuchen und die guten Geschäftsergebnisse für das 1. Halbjahr 2015. Die meisten Zweitquartalszahlen grosskapitalisierter Biotech-Unternehmen unterstrichen die fundamentale Stärke des Sektors. Gilead, Celgene und Amgen legten für die ersten sechs Monate 2015 ein solides Zahlenset vor und bestätigten ihre Umsatz- und Gewinnprognosen für das laufende Jahr oder hoben sie sogar an. Im Gegensatz dazu brach die Aktie von Biogen Idec massiv ein, da das Unternehmen seine angekündigten Umsatz- und Gewinnziele nicht aufrechterhalten konnte.

BB Biotechs Mid-Cap-Positionen unterlagen in Anbetracht der insgesamt höheren Marktvolatilität starken Kursschwankungen, sowohl nach oben als auch nach unten. Unter ihnen bildeten Incyte und Radius die zwei Glanzlichter, da sie in einem schwierigen Aktienmarkt Kursgewinne erzielten. Radius, das mit der Vorbereitung des Zulassungsantrages für Abaloparatid-SC bei Osteoporose begonnen hat, legte erste sicherheitsrelevante Ergebnisse seines frühklinischen SERD-Programms RAD1901 zur Behandlung von Brustkrebspatientinnen vor. Daten zur klinischen Wirksamkeit sollen demnächst auf einem Ärztekongress präsentiert werden. Incyte meldete weitere Fortschritte für seinen Leitwirkstoff Baricitinib, einen in Zusammenarbeit mit Eli Lilly entwickelten Jak-1/2-Inhibitor bei Entzündungskrankheiten. Entsprechende Resultate einer Phase-III-Studie zur Behandlung rheumatoider Arthritis fielen positiv aus.

Deutlich stärkeres Interesse bringen Anleger allerdings Incytes IDO-1-Inhibitor Epacadostat entgegen. Daten einer frühklinischen Studie weisen auf eine klinische Wirksamkeit des Präparats in Kombination mit Checkpoint-Hemmern (CTLA4 und PD1) hin. Viele Mid-Cap-Unternehmen, so auch Agios und Halozyme, mussten heftige Bewertungsrückgänge hinnehmen, in vielen Fällen sogar ohne Vorliegen neuer Fundamentaldaten. Einige Unternehmen wurden durch den generellen Mittelabfluss aus dem Sektor und zunehmende Leerverkäufe getroffen, da Anleger auf künftig sinkende Aktienkurse spekulieren. Tetraphase hingegen büsste über 75 Prozent an Marktkapitalisierung ein, nachdem das Unternehmen das Scheitern einer Phase-III-Studie zu Eravacyclin bekannt gegeben hatte.

Der Biotech-Sektor sah im 3. Quartal weitere Produktzulassungen. Die nachfolgend aufgeführten Präparate, die von BB Biotechs Portfoliounternehmen entwickelt wurden, erhielten ihre Zulassung in Schlüsselmärkten wie beispielsweise den USA und Europa:

US-Zulassung für Praluent (Alirocumab) von Regeneron/Sanofi für bestimmte Patienten mit Hypercholesterinämie

US-Zulassung für Orkambi (Lumacaftor 200 mg / Ivacaftor 125 mg) von Vertex zur Behandlung von Mukoviszidose-Patienten mit zwei Kopien der F508del-Mutation

US-Zulassung für Varubi (Rolapitant) von Tesaro bei Übelkeit und Erbrechen nach einer Chemotherapie

Positives CHMP-Gutachten für Elocta (rFVIIIFc) von Swedish Orphan Biovitrum als Hämophilie-A-Therapie

US-Zulassung für Tresiba (Insulin Degludec) von Novo Nordisk zur Behandlung von Diabetes bei Erwachsenen

Darüber hinaus veröffentlichten einige Portfoliounternehmen von BB Biotech während des Berichtszeitraums wichtige Phase-III-Ergebnisse:

Novo Nordisk meldete die Überlegenheit von Semaglutid gegenüber Bydureon (Astra Zeneca) als Mittel zur Senkung des Blutzuckerspiegels und zur Förderung von Gewichtsverlust

Gilead gab hohe Heilungsraten für sein Festdosis-Kombinationsregime aus Sofosbuvir (SOF) und Velpatasvir (VEL) zur Behandlung aller sechs Hepatitis-C-Genotypen bekannt

Tetraphase verkündete, dass Eravacyclin bei komplizierten Harnwegsinfektionen den primären Endpunkt nicht erreicht hat

Im Gegensatz zu den vielen erreichten Meilensteinen fanden im 3. Quartal so gut wie keine Übernahmeaktivitäten statt. Dies ist ein Beweis für das häufig zyklische Verhalten von Unternehmenskäufern. Darüber hinaus zeichnet sich ein weiterer Trend ab: Immer mehr Übernahmekandidaten aus dem Mid- und Large-Cap-Bereich sind nicht mehr bereit, die Übernahmebedingungen zu akzeptieren. Lesen Sie auf der nächsten Seite "Portfolioanpassungen im 3. Quartal"

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Portfolioanpassungen im 3. Quartal

Die bedeutendste Veränderung innerhalb des Portfolios im Berichtszeitraum betraf die Cash-Position von BB Biotech. Zum Ende des 2. Quartals belief sich der Cash-Bestand auf CHF 133 Mio. BB Biotech realisierte danach weitere Gewinne durch den Verkauf ihrer Position in Receptos nach dessen Übernahme durch Celgene, wodurch die Netto-Cash-Position Ende Juli einen Höchststand von etwa CHF 200 Mio. erreichte. BB Biotech nutzte die oben erwähnten Marktkorrekturen und reinvestierte rund CHF 290 Mio. in Biotech-Titel, wobei sich diese Summe aus der vorgenannten Cash-Position und Fremdkapital in Höhe von CHF 90 Mio. zusammensetzt. Mit diesen Mitteln stockte BB Biotech vorwiegend bestehende Positionen in Large Caps und ausgewählten Mid Caps auf. Ein kleinerer Teil floss in den Kauf von zwei neuen Beteiligungen. Dabei handelt es sich um Esperion und Prothena. Beide Unternehmen fügen sich gut in BB Biotechs Strategie ein, den Anteil von Mid Caps im Portfolio auszubauen.

Esperion entwickelt den Wirkstoff ETC-1002, einen Inhibitor der ATP-Citrat-Lyase zur Verringerung des LDL-Cholesterinspiegels bei Patienten mit Statin-Unverträglichkeit oder als Zusatzbehandlung bei Patienten, deren LDL-Cholesterinspiegel schlecht eingestellt ist. Esperion möchte 2016 mit der Zulassungsstudie beginnen. Prothenas Leitwirkstoff NEOD001 für die Behandlung von AL-Amyloidose befindet sich in der spätklinischen Entwicklungsphase. Bei dieser häufigsten Form der systemischen Amyloidosen produzieren Knochenmarkzellen massenhaft Leichtketten, die sich in peripheren Organen ablagern können. Davon betroffen sind zumeist Herz, Niere, Leber, Haut, Verdauungstrakt und sogar Nervenzellen. Prothenas monoklonaler Antikörper greift die im Rahmen der AL-Amyloidose im Körper abgelagerten Amyloide an. Das Unternehmen führt eine Zulassungsstudie für NEOD001 durch.

Treibende Kräfte und Meilensteine bis zum Jahresende 2015

Obwohl weitere politische Diskussionen zu Gesundheitsreformen und Preiskontrollen in den USA die Entwicklung von Aktien aus dem Gesundheitswesen vermutlich weiterhin beeinflussen werden, dürften Anleger rationaler und selektiver reagieren. Einen genauen Blick werden Investoren auf die Umsatzerlöse durch den Verkauf der jüngst lancierten Präparate im 3. Quartal werfen, vor allem auf bedeutende Produktklassen, wie etwa die PCSK9-Antikörper, aber auch auf die Dynamik und das Wachstum des mehrere Milliarden Dollar schweren HCV-Marktes.

BB Biotechs Anlagestrategie zielt weiterhin darauf ab, erstens Bereiche mit einem hohen ungedeckten medizinischen Bedarf zu erkennen, der dank intensiver Forschungs- und Entwicklungsbemühungen durch innovative Neuprodukte abgedeckt werden kann, und zweitens gut geführte Unternehmen zu identifizieren, die attraktive Renditen für BB Biotechs Aktionäre abwerfen. Besagte Produkte werden wegen ihres differenzierten und beachtlichen Wirkungs- und Sicherheitsprofils, das Gesundheitsdienstleistern und dem Gesundheitssystem Mehrwert erbringt, weiterhin gefragt sein.

BB Biotechs Anlageportfolio zeichnet sich nach wie vor durch seine Ausgewogenheit aus. Es umfasst neben grossen etablierten Unternehmen auch Mid Caps, die gut positioniert sind, um sich in Zukunft zu Grossunternehmen mit nachhaltigem Gewinn und Umsatz zu entwickeln, sowie kleinere Titel mit attraktiven Pipelines, die zu künftigen Mid Caps avancieren könnten. Auch in den verbleibenden Monaten des laufenden Jahres sind zahlreiche klinische Versuchsergebnisse und interessante Neuigkeiten von wichtigen medizinischen Kongressen zu erwarten. Bis Jahresende dürften die nachfolgend aufgeführten Medikamente ihre Marktzulassung erhalten:

Uptravi (Selexipag) von Actelion zur Behandlung von Patienten mit pulmonaler arterieller Hypertonie

Kanuma (Sebelipase Alfa) von Alexion bei Mangel an lysosomaler saurer Lipase

Strensiq (Asfotase Alfa) von Alexion als Mittel gegen Hypophosphatasie

Tenofovir-Alafenamid (TAF), ein neuartiger nukleosidischer Reverse-Transkriptase-Inhibitor von Gilead zur HIV-Behandlung

Großkapitalisierte Biotech-Unternehmen und der S&P 500 werden auf KGV-Basis 2016 mittlerweile ähnlich bewertet. Die relative Bewertungslücke war seit mehreren Jahren nicht mehr so gering wie jetzt. BB Biotech ist zuversichtlich, dass die Bewertungen über den Zeitverlauf nicht nur die starken Fundamentaldaten des Sektors, sondern vor allem diejenigen ihrer Portfoliounternehmen angemessen widerspiegeln werden.

19.10.2015 | 14:45

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