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ESG: Welche Clubs spielen in der 1. Liga?

(Bild: Adidas)

Wim van Hyfte (Bild: Candriam)


Die Fußball-Bundesliga beginnt wieder! Vieles, mehr als manchem lieb ist, dreht sich dort um den VAR, also den Videobeweis. Führende europäische Fußballvereine befassen sich derweil drei anderen Buchstaben. ESG, also ökologischen, sozialen und governancebezogenen Themen – für Investoren, Verbraucher und nun natürlich auch für Fußballvereine. Um zu zeigen, wie wichtig ihnen die Nachhaltigkeit ist, haben einige Spitzenclubs in den letzten Jahren ESG-Richtlinien aufgestellt – und setzen sie nun in Geschäftsstrategien um.

Von Wim van Hyfte

Die nachhaltigsten Fußballstadien der Welt: Barcelona, Wolfsburg, Ajax

Camp Nou in Barcelona wird nach der Fertigstellung 2023 eines der nachhaltigsten Fußballstadien der Welt sein. Die Nutzung von Regenwasser, Grauwasserrecycling und stromsparende LED-Beleuchtung werden mit Verschattungssystemen kombiniert, um die Klimaanlagen im Stadion so wenig wie möglich nutzen zu müssen.

Und in der Bundesliga ist der VfL Wolfsburg mit seiner LED-Anlage im wahrsten Sinne des Wortes ein leuchtendes Vorbild. Der Strom dafür kommt aus nachhaltigen Quellen. Der Verein nutzt Recyclingpapier, die Beleuchtung wird durch Bewegungsmelder eingeschaltet anstatt dauerhaft zu brennen, und der Rasen wird mit Wasser aus dem Mittellandkanal gesprengt.

Beleuchtung ist ein wichtiger Kostenfaktor, der die Umwelt belastet. Das gilt vor allem für Vereine in Nordeuropa, weil es hier früher dunkel wird. Viele von ihnen haben auf energiesparende Lösungen umgestellt. Ajax Amsterdam installiert in seiner Arena zurzeit eine alternative Notfallstromversorgung und nutzt dazu die Speicherkapazität von 300 recycelten Batterien des Elektroautomodells Nissan Leaf. Wenn man diese Batterien verbindet, gewinnt man enorme Energiereserven und führt zugleich veraltete „grüne Technologie“ einer sinnvollen Nutzung zu.

Alles ist grün

Der italienische Erstligist Juventus Turin, der mit der Ablösung von Cristiano Ronaldo gerade einen Riesen-Coup am Transfermarkt gelandet hat, hat umfassende Nachhaltigkeitsrichtlinien eingeführt. Der Verein will nicht nur den Abfall reduzieren, sondern fordert seine Fans auf, Abfälle in Recycling-Containern zu entsorgen und keinen nicht-recyclingfähigen Abfall mit ins Stadion zu bringen. Vielleicht hofft Juventus ja, dass es seine Fans den japanischen gleichtun, die bei der Weltmeisterschaft nach dem Spiel ihres Teams die Tribünen aufgeräumt haben.

In puncto Recycling liegen einige Themen auf der Hand und werden von allen Vereinen unterstützt. In den britischen Stadien ist Einweg-Plastikgeschirr mittlerweile sehr umstritten. Die Premier League hat sich verpflichtet, in den nächsten zwei Jahren jegliches Einweg-Plastikgeschirr abzuschaffen. Tottenham Hotspur hat angekündigt, dass es in dem neuen Stadion, das 2019 eröffnet wird, nur Mehrweggeschirr geben wird.

Die strengsten Nachhaltigkeitsrichtlinien der Premier League hat wahrscheinlich Manchester United. Für sein Umweltmanagement hat der Verein bereits fünf ISO-Zertifikate erhalten. Die roten Teufel nutzen Regenwasser für die Bewässerung und betreiben für ihr Trainingszentrum in Carrington eine Schilfkläranlage. Auch Gummi ist für Manchester United ein Thema. Zusammen mit seinen Sponsoren Nike und Apollo Tyres hat der Verein aus alten Trainingsschuhen und über 2.000 Reifen Sportböden hergestellt. Real Madrid hat alle seine elf Trainingsplätze mit einem Kunstrasen ausgestattet, der nicht gepflegt werden muss, also weder Wasser noch chemische Mittel benötigt. Der echte Rasen wurde an Schulen und soziale Einrichtungen gespendet.

Soziale Projekte im Verein: FC Bayern, Real, Juve

Die Fortschritte bei der Nachhaltigkeit und Verantwortung europäischer Fußballvereine beschränken sich nicht nur auf Umweltthemen. Viele befassen sich auch mit sozialen Herausforderungen, um etwas zu bewegen und neue Talente zu gewinnen. Alle Vereine haben in ihren Heimatstädten Initiativen gestartet, um den Sport und einen gesünderen Lebensstil zu fördern. Einige haben soziale Stiftungen gegründet, um dieses Engagement zu verstärken. Im Geschäftsleben wird dies häufig Unternehmensverantwortung genannt (CSR).

Der FC Bayern München (der in den letzten 20 Spielzeiten 14 Mal deutscher Meister war) nennt dies einfach „Verantwortung“, während Paris St. Germain (PSG) in seiner Satzung drei konkrete Leitlinien nennt: jungen Menschen helfen, ihren Platz in der Gesellschaft und im Arbeitsleben zu finden, Kinder aus sozialen Brennpunkten zu fördern (wo es besonders viele Nachwuchstalente gibt) und kranken Kindern Freude zu bereiten.

Viele Vereine, darunter PSG, Real Madrid, Juventus und Manchester United, fördern zudem die soziale Integration. Sie geben jedem die gleiche Chance, vom Sport zu profitieren, unabhängig davon ob er (oder sie) aus einem sozialen Brennpunkt stammt oder eine Behinderung hat. Zunehmend fördern sie auch den Frauensport.

Der grünste Fußballverein der Welt

Auch kleine Vereine haben sich der Nachhaltigkeit verpflichtet. Der englische Viertligist Forest Green Rovers (FGR) wurde von der FIFA wegen seines Umweltengagements „Grünster Fußballverein der Welt“ genannt. Der Verein nutzt grünen Strom, verwendet keine künstlichen Dünger und verkauft im Stadion keine Fleischgerichte. Außerdem ist eine neue Arena ganz aus Holz in Planung.

Fußballvereine und multinationale Unternehmen kämpfen an einer Front. Wenn ein Zweitligist wie FGR eine so fortschrittliche Nachhaltigkeitspolitik entwickeln kann, ist das jedem Verein möglich. Das gilt auch für Portfoliomanager, die Aktien auf eine mögliche Investition prüfen. Nicht-finanzielle Kennzahlen spielen bei der Entscheidung eine immer wichtigere Rolle. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Alles andere wäre eine echte Überraschung.

Wim van Hyfte ist Global Head of Responsible Investments and Research bei der Candriam Investors Group.

24.08.2018 | 19:27

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