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„Europa ist eine unterschätzte Region mit erheblichem Potenzial für Anleger“

(Foto: Anton Watman / Shutterstock.com)


Mark Denham und Keith Ney, Fondsmanager bei Carmignac, über Flexibilität bei der Geldanlage, das richtige Aufspüren von Chancen in einem schwierigen Umfeld und die schlummernden Potenziale in Europa.

Europa steht vor zahlreichen Herausforderungen. Das wirft bei einigen Anlegern Fragen über die Aussichten für die nahe Zukunft auf. Wie schätzen Sie den kurzfristigen Ausblick ein?

Mark Denham: Die Region steht zweifellos vor einigen Herausforderungen. Europa ist genau genommen ein Mosaik aus über zwanzig Ländern. Daher gibt es zwangsläufig irgendwo immer ein politisches oder wirtschaftliches Ereignis oder eine bevorstehende Herausforderung. Diese müssen selbstverständlich sorgfältig überwacht werden. Doch statt uns darüber Sorgen zu machen, müssen wir versuchen, davon zu profitieren. Unsere Aufgabe als aktive Fondsmanager besteht darin, Chancen in schwierigen Situationen aufzuspüren und zu erkennen, was andere übersehen.

Keith Ney: Wir befinden uns derzeit sicher in einer einzigartigen Situation. Das gilt vor allem mit Blick auf die Phase im Konjunkturzyklus und für die voraussichtliche Entwicklung der Geldpolitik in den nächsten Jahren. Negativzinsen und das weltweit heikle Umfeld erschweren die Lage zusätzlich. Das wird sich nach unserer Einschätzung so schnell nicht ändern, denn die politischen Unwägbarkeiten bleiben groß und der Konjunkturzyklus ist nicht unbedingt sehr solide. Ungeachtet dessen sind wir überzeugt, dass Europa eine unterschätzte Region mit erheblichem Potenzial für Anleger ist und wir interessante Anlagechancen auf diesem Markt aufspüren werden.

Welche Art von Chancen meinen Sie? Können Sie einige Beispiele nennen?

Keith Ney: Die Anleihemärkte sind nie perfekt bewertet. Mit etwas Neugier lösen Sie sich von der Konsensmeinung und werden feststellen, dass es bei Unternehmens- und Staatsanleihen mehrere attraktive Wertschöpfungsquellen gibt. So finden wir etwa Griechenland schon lange interessant und versuchen, von seiner Erholung und der Entwicklung seiner politischen Landschaft zu profitieren.

Mark Denham: An den Aktienmärkten warten ebenfalls viele attraktive Chancen, allen voran im Bereich Innovationen. In Europa gibt es zwar keine Technologieriesen wie in den USA oder Asien, aber dafür einen großen Pool innovativer Unternehmen, die nicht nur auf den Technologiesektor beschränkt sind. Die Vielfalt der europäischen Länder schafft ideale Rahmenbedingungen für Innovationen. So finden sich in verschiedenen Sektoren innovative Unternehmen, wie etwa Novo Nordisk im Gesundheitssektor oder Kerry Group im Bereich Lebensmittelinhaltsstoffe.

Welche Gründe haben Sie dazu bewegt, Ende Dezember 2017 den Carmignac Portfolio Patrimoine Europe aufzulegen?

Mark Denham: Der Fonds wurde speziell als Reaktion auf dieses neue Umfeld aufgelegt. Europa hat historisch einmalige Veränderungen erlebt und die daraus entstandene neue Realität erfordert einen flexibleren Verwaltungsstil. Wir hielten es daher für notwendig, für Anleger ein Anlageprodukt zu konzipieren, das auf dieses neue Europa zugeschnitten ist.

Keith Ney: Hinter dem Wort „Patrimoine“ verbirgt sich ein flexibler, langfristiger Multi-Asset-Anlageprozess, der bestrebt ist, positive Renditen zu erzielen und gleichzeitig potenzielle Verlustrisiken zu mindern. Wir wenden diesen Patrimoine-Stil seit 1989 an, und er ist inzwischen perfekt an das neue Umfeld in Europa angepasst.

Wie läuft die gemeinsame Verwaltung des Fonds ab?

Keith Ney: Wir arbeiten Hand in Hand. Der Fonds ist mehr als die bloße Summe einer Aktien- und einer Anleihenallokation. Wir bestimmen gemeinsam die optimalen Vermögensallokationen des Gesamtportfolios in Ländern, Sektoren, Anlageklassen und Kapitalstrukturen, ohne dabei mögliche Überlappungsrisiken aus dem Blick zu verlieren.

Mark Denham: Ich möchte hinzufügen, dass wir bei unseren Entscheidungen unterstützt werden. Wir können auf das makroökonomische Research und auf die Ideenentwicklung des gesamten Investmentteams von Carmignac zurückgreifen. Dieses besteht aus 42 Fondsmanagern und Analysten, die alle Experten auf ihrem jeweiligen Gebiet sind und mit denen wir uns täglich austauschen. Die letztlichen Entscheidungen für unsere Fonds treffen wir aber selbstverständlich selbst.

Mit welchem Wort lässt sich der Carmignac Portfolio Patrimoine Europe am besten beschreiben?

Mark Denham: Flexibilität. Um sich dem Markt anzupassen, muss man flexibel sein. Um flexibel zu sein, benötigt man eine dynamische Vermögensallokation mit breitem Exposure. Der Carmignac Portfolio Patrimoine Europe bietet all dies – aber vor allem nutzt er diese Möglichkeiten auch. Der Fonds ist dank seines aktiven, benchmarkunabhängigen Multi-Asset-Ansatzes wahrhaft flexibel. Es handelt sich um einen wirklich agilen Allwetterfonds, der sich allen Marktbedingungen anpassen kann. Darin liegen seine Stärke und sein Wettbewerbsvorteil.

Keith Ney: Ich stimme Mark voll und ganz zu. Der Carmignac Portfolio Patrimoine Europe ist eine flexible Anlagelösung und bietet europäischen Anlegern die Möglichkeit, auf einem schwierigen Markt Wertschöpfung zu erzielen. Im aktuellen Klima in Europa ist Flexibilität entscheidend. Darüber hinaus benötigt man Instrumente, um Long- oder Short-Positionen einzugehen und in Aktien, Unternehmensanleihen oder Staatsanleihen zu investieren. Wir passen uns an, um auch dann Wertzuwachs zu erzielen, wenn sich das Umfeld eintrübt.

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11.10.2019 | 10:45

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