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Richtig gemischt den schwankenden Märkten trotzen


Multi-Asset und Mischfonds als defensiver Rückhalt im Depot

Mischfonds und Multi-Asset-Fonds sind spätestens seit der Finanzkrise Anlegers Liebling geworden. Im Idealfall lassen sie Investoren möglichst stark an steigenden Kursen partizipieren und schützen vor hohen Verlusten. Gemeinsames Merkmal von Mischfonds ist, dass sie zwei Anlageklassen, in der Regel Aktien und Renten, kombinieren. Kommen darüber hinaus z. B. noch Immobilien, Devisen oder Rohstoffe im Fonds zum Einsatz, wird meist die Bezeichnung Multi Asset-Fonds verwendet. Ein guter Indikator für gelungene Risikokontrolle bei Mischfonds ist die Kursentwicklung im Jahr 2008, das für Aktienanleger deutliche Verluste brachte.

Ein Beispiel: Der VermögensManagement Balance-Fonds (WKN: A0M16S) aus dem Hause Allianz Global Investors wird seit acht Jahren von Björn Esser verwaltet und bringt 7,5 Milliarden Euro auf die Waage. Zur Begrenzung der Risiken am Aktienmarkt soll die Quote dieser Anlageklasse bei maximal 50 Prozent liegen. Die Gewichtung der Anleihen kann sich zwischen 25 und 100 Prozent bewegen. Der Fonds ist seit Dezember 2007 auf dem Markt, das Jahr 2008 haben Anleger mit einem Minus von knapp 20 Prozent überstanden.

Französische Mischung 

Einer der bei Anlegern beliebtesten Mischfonds mit ausgewogener Ausrichtung ist der Carmignac Patrimoine (WKN: A0DPW0), der von Edouard Carmignac und Rose Ouahba verwaltet wird. Der Fonds ist bereits seit 1989 erhältlich, mittlerweile ist er gut 28 Milliarden Euro schwer. Das Fondsmanagement geht teilweise Einzelwetten auf Währungsentwicklungen ein, die bei falschem Timing Performance kosten können. Allerdings haben Investoren 2008 gut schlafen. Der Fonds konnte das Kalenderjahr sogar mit einem hauchdünnen Gewinn von 0,01 Prozent abschließen. Dagegen war die Entwicklung 2011 und 2012 vergleichsweise verhalten. Der Aktienanteil ist global ausgerichtet, die Experten setzen momentan auf den dänischen Pharmakonzern Novo Nordisk oder den Versicherer AIA Group aus Hongkong. Unter den Top 10-Titeln des Anleiheportfolios finden sich Staatsanleihen aus den Peripherie-Ländern Portugal, Spanien und Italien.


Konjunkturbasiertes Investieren

Der Investmentansatz der Anleihe-Experten aus dem Hause Bantleon basiert auf Indikatoren, die im Vorlauf den Weg der konjunkturellen Entwicklung aufzeigen. Im Bantleon Family & Friends (WKN: A1JBVD) liegt der Schwerpunkt auf Anleihen hoher Qualität. Diese sind mit mindestens 50 Prozent im Fonds allokiert. Die Mischung ergänzen maximal zehn Prozent hochverzinsliche Anleihen (High Yield-Bonds). Der Anteil von Rohstoffen und Aktien ist ebenfalls begrenzt und zwar auf 20 bzw. 40 Prozent. Bantleon zeichnet sich durch eine dezidierte Meinung zur Konjunkturentwicklung aus. Innerhalb des vorgegeben Rahmens werden die Anlageklassen, je nachdem in welche konjunkturelle Richtung sich die Wirtschaft bewegt, im Fonds gewichtet. Hohen Wert legt der Anlagestratege Harald Preißler auf die Liquidität der Anlagen.

Auch wenn erst in den vergangenen Jahren Mischfonds beträchtliche Kundengelder zugeflossen sind, die Produkte sind keine neue Erfindung.

Das belegt der Blick auf den wohl ältesten deutschen Mischfonds, Fondra (WKN: 847100), der bereits 1950 aufgelegt wurde. Neu am Start seit Anfang Mai ist Fondsmanager Jürgen Bokr. Der Zuwachs des mittlerweile bei Allianz Global Investors verwalteten Produkts liegt bislang bei stolzen 19.961 Prozent. Im Jahr 2008 machte der Fonds knapp 22 Prozent Verluste. Investiert wird hauptsächlich in deutsche Aktien und Anleihen. Die am stärksten gewichteten Einzeltitel wie Daimler, Bayer und Continental kennen Anleger aus dem DAX. Der Investmentansatz ist vergleichsweise wenig flexibel, was das Fondsmanagement in der Wahrnehmung von Opportunitäten einschränkt. Auf der anderen Seite wissen Investoren, was sie bekommen – nämlich solide Hausmannskost ohne Extravaganzen.

Verluste vermeiden

Wie der Carmignac Patrimoine gehört auch der Ethna Aktiv (WKN: 764930) zu den Fonds mit einem Volumen über der Milliarden-Grenze, auch wenn es beim Ethna Aktiv „nur“ zwölf Milliarden Euro sind. Der Fonds kann maximal zu 49 Prozent in Aktien investieren, allerdings liegt die Quote tatsächlich deutlich niedriger. Zurzeit sind Aktien mit knapp 24 Prozent im Fonds vertreten, Anleihen mit 55 Prozent. Fondsmanager Luca Pesarini vermeidet eher Risiken als den letzten Prozentpunkt Rendite aus dem Markt zu pressen. Das ist bislang gut gelungen. Auch 2008 hielt sich der Verlust mit etwa vier Prozent sehr im Rahmen. Auffallend in der aktuellen Allokation ist die hohe Cashquote von 22 Prozent.

Multi Asset 2.0

Die Experten aus dem Hause First Private setzen beim First Private Wealth (WKN: A0KFTH) auf eine Weiterentwicklung des Multi Asset-Gedankens über die Mischung der Anlageklassen hinaus. Die Diversifikation zwischen unterschiedlichen Anlageklassen wird durch eine Mischung unterschiedlicher Investmentstrategien ergänzt. Dabei werden neben Anleihen und Aktien auch Rohstoffe und Währungen genutzt. Ziel des Fondsmanagements ist die Generierung marktunabhängiger positiver Erträge. Der angestrebte Korridor liegt bei vier bis acht Prozent jährlicher Rendite und einer Volatilität von vier bis fünf Prozent. Die Fondsgesellschaft Invesco verteilt mit ihrem von David Millar gemanagten Global Targeted Returns Fund (WKN: A1XCZE) ebenfalls nicht nur Anlagegelder auf unterschiedliche Anlageklassen. Das Management wählt Investmentideen, wie z.B. die Aufwertung einer Währung gegenüber einer anderen, aus und kombiniert diese Ideen unter Beachtung eines strikten Risikomanagements.

Neben einer breiten Streuung und einer Begrenzung von Verlusten haben Investoren oft noch einen weiteren Wunsch, nämlich regelmäßige Erträge in Form von Dividenden oder Zinsausschüttungen. Diesen Wunsch sollen sogenannte Multi Asset-Income-Fonds befriedigen. Der BGF Global Multi Asset Income Fund (WKN: A1J2QN) strebt einen Wertzuwachs von vier bis sechs Prozent pro Jahr an. Unter den Top-Positionen finden sich momentan High-Yield-Produkte. Seit Auflegung im August 2012 erzielten Euro Investoren 27 Prozent Wertzuwachs. Auch bei Income-Fonds können Anleger oft zwischen thesaurierenden, also die Erträge wieder in den Fonds investierenden, und ausschüttenden Fonds-Tranchen wählen.

Fazit

Mischfonds-Anleger hatten in den vergangenen Jahren eine vergleichsweise entspannte Zeit. Das war teilweise günstigen Marktbedingungen zu verdanken. Die Anleihenseite, die für die Stabilität im Portfolio sorgen soll, hat deutlich zu den Kursgewinnen beigetragen. Bei veränderten Marktbedingungen, also möglicherweise steigenden Zinsen und fallenden Anleihekursen, stehen die Fondsmanager vor neuen Herausforderungen. Anleger sollten genau beobachten, ob sie diese meistern. Investoren, die auf Mischfonds setzen wollen, setzen am besten auf unterschiedliche Strategien, die nicht zur gleichen Zeit Schwäche gezeigt haben. Die höchsten Erträge der letzten Jahre sind nicht ausschlaggebend. Denn wer nur die Performance der Vergangenheit kauft, scheitert möglicherweise an den Herausforderungen der Zukunft.

30.06.2015 | 06:53

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